Incredible Siem Reap & Angkor Watt

Nach einer unglaublich langen Busfahrt von Sihanoukville hoch in den Nordwesten von Kambodscha, bei der gegen drei Uhr morgens ein Reifen an unserem Bus geplatzt war, kamen wir schließlich gegen sechs Uhr in der Früh an. Wie erwartet begrüßten uns natürlich gleich wieder zahlreiche Tuk Tuk Fahrer, die sich förmlich auf einen stürmten. Etwas mitgenommen von der unbequemen Nacht organisierten wir uns also wieder einen Fahrer, der uns zu der Unterkunft fahren sollte, in welcher Jonny und James waren. Liz und Ralf inspizierten schnell das Mehrbettzimmer, waren jedoch nicht sonderlich zufrieden mit dem, was sie fanden. Es gab wohl keine wirklichen Wände in dem Raum, es war eher eine Dachterasse mit Betten und Moskitonetzen. Die Holländerin Susan, die sich während ihrer Reise den Namen gegeben hat und eigentlich Jeltsje heißt, was keiner aussprechen konnte und ich überliesen Liz und Ralf die Beurteilung des Schlafplatzes, waren wir doch etwas träge, um hoch in den sechsten Stock zu laufen. Wir übernahmen schließlich den Part im Internet nach einer günstigen Unterkunft mit Pool zu suchen. Tripadvisor und die Website vom Lonely Planet gaben uns einige Hinweise. Der Tuk Tuk Fahrer, der sich bis dahin immer noch nicht von uns verabschiedet hatte, warf seinerseits immer wieder Vorschläge ein. Natürlich waren das ganz komische Orte. Ich schaute mir die Bewertungen im Internet von einem Vorschlag an. Dort hieß es dann, dass die Tuk Tuk Fahrer mit den Unterkünften zusammenarbeiten und sich so noch ein bisschen mehr Geld dazuverdienen.

Wie dem auch sei. Wir kamen schließlich im Jasmin Family Hostel an, wo uns ein wunderbarer kleiner Pool, Palmen und eine nette Lobby erwarteten. Nachmittags trieben wir nicht mehr sonderlich viel, außer in der Sonne zu relaxen und uns unsere Mangoshakes zu bestellen. Das Wasser war zwar etwas chlorreich und so fanden wir uns gezwungen nicht den ganzen Tag im Wasser zu verbringen. Dort trafen wir wie zu erwarten mal wieder auf unbekannte neue Reisende, die wir noch nicht kannten. Es gab Holländer (ja, von denen gibt es hier wirklich viele), New Yorker, Peruaner, Argentiner, Koreaner und Japaner und es war wieder einmal super interessant mit diesen zu quatschen. Es ist wirklich einfach, man hat ja immer dieses Smalltalk Reise Thema, über welches man sich hemmungslos unterhalten kann. Die Zeit verstrich und die Sonne schien. So kam ich dann zu meinem Sonnenbrand Nummer drei. Ich war froh, dass unser Reisegruppenmitglied Narimann am Abend ebenfalls bei uns im Hostel eintreffen sollte, hatte ich doch die Hoffnung, dass er mir noch ein paar geheime Haupttipps geben könnte. Jonny und James kamen später noch zu uns und sie waren schon etwas neidisch, dass wir wohl die bessere Unterkunft erwischt hatten. Wir spielten das Kartenspiel „Asshole“ für einige Runden. Ich muss gestehen, dass ich hier wohl erst so richtig auf den Geschmack des Kartenspielens gekommen bin. Es ist so unglaublich kommunikativ und man hat was zu tun. Mit dem Angkor Bier an unserer Seite verbrachten wir also mal wieder einen weiteren Tag im schönen Asien.

Abends zeigten Jonny und James uns dann Siem Reap bei Nacht. Es ist wirklich westlich geprägt und man merkt, dass die Stadt absolut für den Tourismus lebt, da diese in Massen kommen, um das Weltkulturerbe Angkor zu besichtigen. Im Zentrum gibt es eine Straße, die Pub Street heißt. Außerdem gibt es einige schöne Abendmärkte, auf welchen man wieder einmal günstig einkaufen kann. Bis jetzt konnte ich mich noch gut zurückhalten, einerseits war mir mein Stauraum in meinem großen Rucksack zu wertvoll, andererseits war man wirklich etwas erschlagen von der großen Auswahl. Ich muss allerdings schon gestehen, dass die Northface Rucksäcke für 5$ schon sehr verlockend waren.

Am nächsten Tag war es dann soweit. Es ging nach Angkor! Darauf hatte ich mich wohl am meisten gefreut hier in Asien. Im Folgenden ein Ausschnitt aus dem Wikipedia Artikel:

„Angkor ist eine Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja bildete. Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen – allen voran durch den Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km2 wurden nacheinander mehrere Hauptstädte und in deren Zentrum jeweils ein großer Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 T empel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe entdeckt. Es gibt V ermutungen, dass im Großraum von Angkor am Höhepunkt des historischen Königreiches bis zu einer Million Menschen auf etwa 1000 km2 gelebt haben könnten.“ (Wikipedia, 2013)

Wir hatten am Abend zuvor ein Tuk Tuk organisiert, welches uns den ganzen Tag von Tempel zu Tempel fahren sollte. Der ganze Spaß sollte allerdings schon um halb fünf in der Früh beginnen, denn wir wollten den Sonnenaufgang bei Angkor Wat sehen. So rückten wir zu fünft auf den Bänken im Tuk Tuk zusammen und ließen uns in aller Früh zu der Anlage kutschieren. Unser Fahrer hieß Tom. Ich ging stark davon aus, dass er sich den Namen selber gegeben hat und sicherlich eigentlich anders heißt. Später fragte ich ihn nochmal und er gestand, dass er eigentlich Hanta hieß. Und schließlich waren wir da. Wir konnten in der Dunkelheit die Umrisse der gewaltigen Tempelanlage erkennen, die in den Himmel ragten. Wahnsinn! Ich war nun also an dem Ort, über den ich schon so einiges gehört hatte. Ich erinnerte mich an die Dokumentation, die ich vor Reiseantritt mit meinen Eltern in der Stube geschaut hatte, um ihnen zu erklären, dass Asien auch nur irgendein Ort auf der Welt war, sie sich also keine Sorgen machen mussten.

Tom zeigte in die Richtung wo er parken würde und dann machten wir uns in der Morgendämmerung auf zu Angkor Wat. Zunächst musste man eine etwas längere „Auffahrt“ entlanglaufen, die grade auf die Anlage hinführte. Es hatten sich bereits unzählige T ouristen eingefunden und wir waren nicht die einzigen, die vor dem kleinen Gewässer vor Angkor Wat Position einnahmen, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Es wimmelte von asiatischen T ouristen.

Mit nur vier Stunden Schlaf waren wir gegen sechs Uhr schon ziemlich geschlaucht. Wir hatten natürlich auch auf ein Frühstück vorher verzichtet. Dennoch machten wir uns dann schließlich auf, um den Tempel zu besichtigen. Das Gefühl war unbeschreiblich. Dieser Ort war um die 800 Jahre alt! Es ist einfach unvorstellbar, dass dort einmal Leben war, jetzt sahen wir nur noch die Ruinen. Das Reiseleben kann körperlich schon ziemlich anstrengend sein und die Stufen durch die Türrahmen im Inneren waren schon mühselig zu überqueren. Gegen sieben Uhr waren wir dann fertig mit unserer Besichtigung und so machten wir uns auf den Weg unseren Tom wiederzufinden. Ich hatte zuvor seine Maschine inspiziert, damit wir sie auch wiederfinden würden, es wimmelte ja schließlich nur so von Tuk Tuk Fahrern. Tom machte es uns aber einfach und so kehrten wir schließlich in unsere Unterkunft ein, um von dem Inklusiv-Frühstück Gebrauch zu nehmen.

Nach einer kleinen Erholung ging es dann aber schließlich weiter mit unserer Sightseeing Tour. Ein Tagesticket kostet schließlich 20$ und das ist ja schon viel Geld. Es ging zu drei weiteren großen, alten Ruinen. Eine von ihnen war Angkor Thom, was aus dem Hollywood Film Tomb Raider bekannt ist, da dort gedreht wurde. Man konnte dort sehen wie die Natur die Ruine verändert hat, denn dort wuchsen riesige Bäume über und auf den Dächern. Die Wurzeln schlängelten sich teilweise ganze Meter. Es sah sehr außerirdisch aus, kaum zu glauben. Dort gab es natürlich auch wieder viele andere Touristen. Irgendwann fing es dann allerdings in Strömen an zu regnen. Wir waren grade an einer weiteren Ruine angekommen und eilten schnell ins Innere des Gebäudes. Es gab dort auch wieder viele kleine Räume und Gänge. Leider war diese Ruine aber nicht wirklich geschlossen. Das Wasser tropfte von den Decken. Schließlich konnten Susan und ich die anderen auch nicht mehr wiederfinden, wir waren zu tief in den Gängen im Inneren. Dort verweilten wir dann auf einer Mauer, in der Hoffnung, dass der Schauer bald vorübergehen würde. Wir waren klitschnass und schließlich machte uns das aber auch gar nichts mehr aus. Wir lernten zwei nette Thai Damen kennen, die uns über so komische Löcher im Boden aufklärten, die es überall gab. Es handelte sich dabei um eine Stätte, wo die Leute ihre Vaginas wuschen und das Wasser danach in die Wasserversorgung floss und als heilig galt. Es war schon etwas merkwürdig und danach sahen wir überall diese komischen Löcher im Boden.

Um den Tag schließlich gebührend auszustimmen, ging es am Abend schließlich auf die Pub Street zum Pizza Essen, Gin Tonic trinken, Billiard spielen und zum Schluss wurde auch noch das T anzbein geschwungen. Es war schon witzig mit den ganzen Asiaten auf der Tanzfläche zu stehen und zu Gangnam Style zu tanzen. Etwas verrückt war, dass einer aus der Gruppe in einer kleinen Seitenstraße schließlich mit einem Messer bedroht wurde, als er sich Marihuana kaufen wollte. Ihm wurde nämlich lediglich ein normales Grasbüschel in die Hand gedrückt, also kein richtiges Zeug. Als er dies nicht kaufen wollte, standen ihm drei Männer gegenüber, die nicht mit sich spaßen wollten und ihn mit einem Messer bedrohten. Er musste zum Glück nur 6$ bezahlen und sie ließen ihn in Ruhe.

An unserem letzten Tag in Siem Reap entschlossen wir uns dafür den äußeren Ring von Angkor zu erkunden. Wir hatten uns wieder mit unserem Fahrer Tom/Hanta verabredet und er brachte uns mal wieder zu ganz tollen Orten. Die Fahrt zu Tempel Nummer 1 dauerte ungefähr 1.5 Stunden. Wir fuhren über kleine Landstraßen durch das tiefste Kambodscha, passierten Wohnhäuser, sahen Kühe auf der Straße und an kleinen Leinen vor den Häusern. Hühner liefen mit ihren Küken herum und Hähne jagten sich gegenseitig. Hier waren die Tiere wohl noch glücklich. Viele der Häuser waren auf Stelzen und hatten im unteren Bereich Hängematten hängen. Dort relaxten dann die Leute. Kinder fuhren auf Fahrrädern über die Straßen. Wäscheleinen hingen herum und der Fahrtwind wedelte uns um die Nase. Wir hatten uns nicht viel zu sagen sondern genossen diesen gemeinsamen wunderbaren Moment.

Die vier Tempel, die wir an diesem Tag sahen waren mal wieder unglaublich. Es war so ein entfernter, alter Ort und man kann sich absolut nicht vorstellen, dass dort früher mal Menschen gelebt hatten. Wie gern hätte ich das damalige Treiben einfach mal hautnah miterlebt. Wir staunten, entdeckten und fotografierten. Ich muss gestehen, dass ich eher für Landschaftsbilder bin als für Gebäude. Außerdem war es ziemlich schwierig die Gebäude in dem beschränkten Rechteck der Kamera festzuhalten, sie waren einfach zu groß. Vielleicht sollte ich mich ein bisschen über das Fotografieren von Gebäuden schlau machen. Naja, es war also mal wieder absolut heiß an diesem Tag, zum Glück regnete es nicht. Die Natur bei den Ruinen war atemberaubend. Wir befanden uns in den Tropen, im Urwald. Es gab die unglaublichsten großen Bäume und Gräser, nicht zu vergessen die vielen verschiedenen Schmetterlingsarten. Es roch zudem so unglaublich frisch. An einer Tempelanlage verweilten wir ein wenig und schauten einer kleinen Band zu, die nette asiatische Musik praktizierte. Die Musiker waren alle Opfer von irgendetwas gewesen, hatten teilweise nur einen Arm oder kein Auge. Es war traurig, aber die Musik war toll. Das Gute an diesen entfernten Tempeln war, dass es so gut wie keine Touristen gab, so war es ruhig und die Atmosphäre dieses unglaublichen Ortes drang noch mehr in den Vordergrund. Lediglich die Kinder, die einen ständig irgendwelche Souvenirs verkaufen wollten, nervten einen schon. Sie waren dennoch sehr süß mit ihrem „Hello Lady, you wanna buy something? Just one Dollar. Please!“. Neben meinen Tempel Fotos kam ich so auch zu zahlreichen Bildern von Kindern.

Die Kinder in Kambodscha waren definitiv die Süßesten!