Phnom Penh with Great Company

Schließlich waren wir also in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha angekommen. Viele Leute hatten mich vor der Stadt gewarnt, denn es sollte schon sehr gefährlich dort sein. Es sollte Motorradfahrer geben, die einen mit voller Geschwindigkeit einfach die T asche wegreißen und desgleichen. Wir standen also zu siebt auf der Straße und als Reisender kann man sich definitiv eingestehen, dass das Zusammenreisen mit anderen einem schon ein besonderes Gefühl von Sicherheit gibt. Außerdem ist man nicht auf den eigenen Orientierungssinn und das Kartenlesen angewiesen, es gibt immer jemanden, der sich als Führer outet. In unserem Fall war es wohl Jonny. Es fing an zu regnen und die Gruppe teilte sich in zwei Hälften auf damit wir mit einem Tuk Tuk zu unserem Hostel Nomads fahren konnten, wo Jonny am Vortag bereits Schlafplätze für uns reserviert hatte. Es war wirklich angenehm mal wieder mit einem Tuk Tuk zu fahren, diese gab es in Vietnam nämlich nich

Das Hostel war ganz nett, aber etwas rudimentär. In unserem Zimmer lagen lediglich zehn Matratzen auf dem Boden über welche Moskitonetze hingen. Außerdem hatte jeder Schlafplatz einen eigenen Ventilator, aber Toiletten gab es lediglich zwei für zwanzig Gäste. Der Engländer Rob betrieb das Hostel zusammen mit seiner einheimischen Freundin. Er war um die vierzig und man könnte ihn als eine Art Streber beschreiben, der gute Geschichten mit viel Emotionen erzählen konnte. Es war wirklich interessant. Er erzählte uns ein bisschen über das Land und dass es hier kaum Sicherheit, medizinische Versorgung und so weiter gab. Das waren vielleicht keine brandneuen Neuigkeiten, aber dennoch sehr aufschlussreich. Er gab uns den Rat, dass wir abends wirklich nur etwas Geld mitnehmen sollten und keine T aschen. Als James und ich eines Abends durch eine etwas abgelegene Straße gingen, schauten uns zwei Einheimische schon sehr düster an. Es gibt in Kambodscha auch diese Sache, dass man seinen Nachbarn hilft, indem man abwechselnd das Haus bewacht. Das Polizeisystem funktioniert nämlich nicht sonderlich. Mir war schon bewusst, dass es in Asien generell etwas anders läuft als zuhause, aber in Kambodscha Leben die Leute wirklich noch in einem anderen Staatssystem.

Die gemeinsamen Frühstücke und Abendessen in unserer Gruppe waren auch sehr unterhaltsam. Wir hatten unsere Stammlokale an der Straße am Fluss und die Restaurantbetreiber freuten sich sicherlich immer über unseren Besuch, waren wir ja eine große Truppe, die nette Scheine auf dem Tisch ließen. Eines Abends bestellten wir als Nachtisch unseren gewöhnlichen Früchteshake. Die Früchte sind ja generell ein Traum in Asien, da sie so undenkbar frisch und reif sind. Wie dem auch sei, der Abend sollte aber nicht so unschuldig enden, wie wir gedacht hatten, denn schon bald stellte sich heraus, dass es wohl kein gewöhnlicher Früchteshake war, sondern wohl einer dieser Happy-Shakes, die Marihuana beinhalteten! Oh Gott, es war wirklich eine sehr krasse Situation. Der Italiener Tom, der zwei Tage zuvor angefangen hatte seine Malaria Tabletten als Prävention zu nehmen fühlte sich gar nicht gut und klagte über seinen trockenen Mund. Die Kanadierin Y vonne, die sich unserer Gruppe im Hostel angeschlossen hatte, starrte auch nur noch völlig perplex um sich herum. Ja, uns ging es alle gleich, einigen wohl etwas besser als anderen. Ich war wieder einmal froh, dass wir zu siebt waren und uns quasi nichts wirklich passieren konnte. Auch wenn ich mich definitiv nicht im normalen geistien Zustand befand, so half ich den vier am schlimmsten Betroffenen in ein Tuk Tuk und warf von Zeit zu Zeit ein paar beruhigende Worte in die Runde, dass schon wieder alles gut werden würde. Es war einer dieser Abende, die man wohl nur in Asien erlebt!

Naja, zum Glück ging es uns am nächsten Morgen ging es uns dann wieder einigermaßen besser. Der Engländer Rob organisierte uns zwei Tuk Tuk Fahrer für den Tag, die uns durch die ganze Stadt fahren würden. Der ganze Spaß sollte uns nur 5$ pro Person kosten. Es war herrlich. Der Wind wehte durch die Haare und wir fuhren durch die Straßen von Kambodscha. Es gab so viel zu bestaunen, es war schließlich ein unbekanntes neues Land, das wir erkundeten.

Unser erster Stop waren die Killing Fields. Ich hatte nicht wirklich Ahnung von der Geschichte des Landes. Auf diesen Killing Fields wurden mindestens 200.000 Menschen aus politischen Motiven durch die kommunistischen Roten Khmer umgebracht. Intellektuelle oder Brillenträger, die intellektuell aussahen, galten als überflüssig und unerwünscht. Dieses Ganze fand zwischen 1975 und 1979 im Demokratischen Kampuchea statt. Insgesamt sind damals wohl um die zwei Millionen Menschen umgekommen, nur 50 Ärzte und 5.000 von vormals 20.000 Lehrern überlebten dieses Kapitel. Auf dem Gelände bekamen wir alle ein Audiogerät und Kopfhörer und dann ging es von Stop zu Stop mit informativen Beiträgen zur Geschichte des Landes. Besonders einprägend waren tausende Totenschädel und andere menschliche Überreste, welche die Felder übersäten. Besonders erschreckend fand ich die Tatsache, dass die Totgeweihten nicht mit teurer Munition hingerichtet, sondern mit Eisenstangen und Äxten erschlagen wurden. Die Leichen wurden in Massengräbern verscharrt und bis heute spült der Regen immer noch Knochenreste und Kleidungsstücke an die Oberfläche der Felder. Der größte Teil der ermordeten Menschen des Killing Fields in Phnom Penh stammte wohl aus dem Tuol- Sleng (S-21) Folter- und Verhörzentrum im Zentrum der Stadt, welches vorher als Gymnasium gedient hatte. Dieses hatten wir ebenfalls besichtigt, da es jetzt ein Museum war. Das Ganze war wirklich schockierend und schrecklich. Am Schlimmsten fand ich wohl die unzähligen Fotos der Inhaftierten, die vor ihrem bevorstehenden Ende abgelichtet wurden. Man konnte den Tot in ihren Augen spüren. Und ja, dies alles erinnerte einem doch schon ziemlich an die deutsche Geschichte, sehr, sehr traurig.

Phnom Penh war aber eine entspannte Stadt. Es war nicht so viel Trubel wie in Bangkok oder Hanoi. Wir besuchten noch einige Tempel. In den Präsidentenpalast ließen mich die Wachmänner leider nicht, da mein Tuch, das meine Schulter bedeckte, nicht deren Vorstellungen entsprach. Für mich war das nicht sonderlich schlimm. So konnte ich meine 5$ sparen. Ich wartete im Ausgangsbereich und als meine Gruppengefährten einfach nicht wiederkamen, konnte ich mich durch den Hintereingang hereinschleichen und doch noch einige tolle Fotos von den Gebäuden schießen.