Eternity in the Indian Ocean

Auch wenn ich noch gut einen weiteren Tag auf einem Roller hätte verbringen können, so schlug ich dann doch bereits nach zwei nächsten in Lombok den Rückweg in Richtung Bali ein, damit ich zum Schluss nicht noch in Eile gerate und noch ein paar Tage entspannt in Kuta auf Bali surfen gehen konnte.

Der Fahrer des Großraumtaxis sammelte dann nach und nach alle ein und hatte bald keinen Platz mehr, um die ganzen Gepäcksstücke zu verstauen. So wurden diese dann auf das Dach gepackt, zunächst jedoch ohne Befestigung, da er sich von einem anderen Haus erst ein Seil holen musste. Dies erfuhr ich allerdings erst, als wir mit einem Schneckentempo auf einer großen Straße entlangtuckerten.

Schließlich fuhren wir durch eine Ortschaft und fanden uns in Mitten eines einheimischen Wochenmarktes wider, dort ging es dann wirklich nur einige Millimeter vorwärts. Wir öffneten unsere Fenster und waren direkt auf dem Markt. Herrlich! Es war der reinste Trubel und alle Leute drängelten sich aneinander vorbei. Es gab so unendlich viel Leben und Dinge zu beobachten in den etwa zehn Minuten, die wir dort waren. Frauen verkauften ihr Gemüse, Männer ihre schönen Messer oder sonstigen Metallgegenstände und alle saßen meist auf dem Boden. Ach, es war toll.

In der Hafenstadt wurden wir dann vor einem großen Metalltor rausgelassen und näherten uns durch den Hinterhof dem Fährhäuschen. Es war nun bereits fast Mittagszeit und die Sonne hatte den Schotterplatz, den wir dann überquerten bereits ziemlich aufgehellt. Unser Fahrer zeigte uns noch schnell das Wartehäuschen und machte sich dann aus dem Staub, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte zunächst keine Lust einfach nur auf einem Stuhl zu warten und flüchtete vor den einheimischen Männern, die dort im Wartebereich wieder irgendwas verkaufen wollten. Draußen schaute ich mir den kleinen Hafen an. Die großen Fährschiffe wirkten alt und zerbrechlich und hätten wohl mal wieder einen Überstrich nötig, wirkten sie doch ziemlich rostig und ich fragte mich welchem Risiko ich mich bei der Überfahrt aussetzen würde, konnte mich aber nicht an negative Schlagzeilen in der Presse erinnern, aber wer weiß. Ich schlenderte zurück zum Gebäude und legte einen kleinen Abstecher zu den kleinen Hütten an der Seite ein, wo man sich mit Snacks und desgleichen eindecken konnte, fragte allerdings nach einem Kaffee und die Frau freute sich wirklich sehr, dass ich mich für ihre Dienste entschieden hatte. Ich stellte mir dann einen ihrer Plastikstühle in den Halbschatten und bekam im nächsten Moment auch schon eine wunderschöne, etwas kitschige Tasse auf den Tisch gestellt. Sie hatte allerdings auch eine Untertasse und so war das Feeling perfekt. Ein Kaffee aus einer Tasse mit Untertasse schmeckt meines Erachtens noch ein bisschen besser, vielleicht zeigt es auch einfach mehr Eleganz. Nach einer Weile hatte auch ein Einheimischer in Uniform mitbekommen, dass sich ein Tourist in eine der Hütten verirrt hatte und er kam zu uns hinüber und erkundigte sich nach meiner Herkunft, allerdings in sehr schlechtem Englisch. Das machte ja nichts, so amüsierten wir uns gegenseitig darüber, dass wir uns nicht verständigen konnten. Die Menschen sind so unglaublich herzhaft hier. Auch ein anderer Einheimischer kam hinüber und wollte etwas von dem Spaß abhaben. Ich glaub ich war die einzige Touristin, die es draußen in der Sonne aushielt, die anderen saßen alle drinnen.

Irgendwann konnten wir auf das Fährschiff steigen. Im oberen Bereich gab es dann viele Sitzgelegenheiten. Es war alles ein wenig heruntergekommen. Ganz hinten entdeckte ich zwei Liegen, die wohl mal Sitze waren, aber wo die Lehnen fehlten. Schnell ergatterte ich mir einen dieser Stühle, obwohl es nicht danach aussah, dass andere sich dort niederlassen wollten. Es dauerte dann noch eine ganze Weile bis es mal losgehen sollte und die ganzen Einheimischen, die irgendwas verkaufen wollten, waren zunächst mit an Board. Die Überfahrt nach Bali sollte um die fünf Stunden dauern und deswegen entschied ich mich doch noch ein bisschen Obst und ein komisches Gebäck zu kaufen.

Die Fahrt an sich dauerte schließlich eine gefühlte Ewigkeit. Zu Anfang machte mir das wirklich nichts aus. Ich war in mein Buch vertieft und führte interessante Gespräche mit einem australischen Studenten, der auch im Taxi saß und der sich schließlich neben mich gesetzt hatte. Er las irgendwelche philosophischen Arbeitspapiere über das Thema Stadtplanung und war eher aus der Kategorie Hippie. Wir wechselten uns dann damit ab ein Auge auf die Sachen des anderen zu werfen, während einer von uns hoch aufs Deck ging und dort das Meer und die tolle Aussicht bestaunte. Man konnte die ganze Zeit irgendwelche Landpartien erkennen, auch wenn sie weit in der Entfernung waren. Auch der Mond war tagsüber hoch oben am Himmel sichtbar und ich freute mich, dass bald Vollmond sein würde, sodass die Wellen in Kuta wieder so groß sein würden.

Aber schließlich war es dann soweit und wir sollten endlich ankommen. Man konnte das kleine Hafendörfchen Padangbai schon erkennen als die Fähre plötzlich komische Laute von sich gab und im nächsten Moment still stand. Wir waren noch ziemlich weit draußen im Meer und zunächst machte ich mir keine weiteren Gedanken. Für mehrere Minuten tat sich nichts bis man wieder komische Laute und ein Wackeln der Fähre hörte und spürte. Das Ganze wiederholte sich bestimmt fünf Mal in den Abständen von mehreren Minuten. Hm, das schien mir dann doch schon sehr merkwürdig. Ja, und dann ging die Sirene an! Ich dachte mir, dass es doch bitte nur ein schlechter Scherz sei! Es folgte eine Durchsage auf Indonesisch und viele der Leute sprangen auf und gingen raus auf das Deck. Der Australier und ich versuchten zu erfahren, was denn bitte vor sich ginge, aber keiner der Indonesiern schien unser Englisch zu verstehen. Einige Familien blieben allerdings auch auf ihren Sitzen und so wollten wir noch ein wenig abwarten. Ich dachte wirklich, dass es das jetzt gewesen sei. Das ich sterben sollte dachte ich nun nicht, konnte ich ja bestimmt den Kilometer zurück ans Festland schwimmen, aber um meine ganzen Sachen machte ich mir dann schon Sorgen. Irgendwann schnallte ich mir dann doch tatsächlich den großen Rucksack auf und dachte, dass es jetzt auf ein Rettungsboot ging. Naja, auf dem Deck gab es dann aber keinen Trubel und es wirkte auch nicht so, als würden wir sinken, also zurück auf den coolen Liegeplatz und noch einmal ein wenig mehr abwarten. Tja, und dann ging es schließlich doch weiter, hätte man sich ja auch denken können und als die Rampe runtergelassen wurde und ich wieder auf sicherem Boden stand, war ich doch um einiges erleichtert.