Gili T Won’t Let Me Go

An den meisten Abenden war ich meist ziemlich müde sobald es gegen sieben Uhr abends dunkel war. Helene, die Austauschschülerin aus Norwegen, und ich schrieben so einige Nachrichten hin und her und wollten uns nochmal auf ein Bier am Abend treffen und es war schon ein wenig anstrengend, dass man die Person dann nicht einfach anrufen kann, um die Verabredung abzusagen, musste man stattdessen erst zu einem Café laufen und sich dort in das Internet einloggen. Mir war es vorher auch noch nie wirklich passiert, dass diese ganzen Cafés und Bars ihre Passwörter teilweise stündlich änderten, damit die Kunden mehr Drinks bestellten. Meistens waren sie aber freundlich und teilten einfach so kleine Papierschnipsel mit kryptischen Anmeldenamen und Passwörtern aus.

Schließlich machte ich mich auch wieder auf den Weg zu der Tarawangan Tauchschule, in deren Café ich wohl die meisten Stunden am Strand verbrachte. Die Liegen dort waren super und es gab ausreichend Schattenplätze. Diesmal erkundigte ich mich jedoch auch nach deren Tauchangebote und entschied mich schließlich für einen Fun Dive am nächsten Morgen um 9 Uhr zu dem sogenannten Simon Reef, wobei man bis zu 27 Meter tief tauchen würde, ich hatte ja meinen Fortgeschrittenen Schein und war somit in der rechtlichen Lage so tief zu tauchen. Es war schon eine andere Perspektive nun auch mal in den Tauchshop hineingegangen zu sein, lag ich sonst ja nur dort am Strand. Abends machte ich es mir dann auf meiner Terrasse in der Hängematte bequem und las entspannt eines der Bücher. Ich hätte mir auch die Uhr danach stellen können, bis der Einheimische Typ vom Gästehaus wieder neben mir auftauchen würde. Er war ständig dort und kam immer zu mir zum Quatschen. Sein Englisch war super und wir unterhielten uns und spaßten miteinander umher. Es ist wirklich eines mit der besten Dinge am Reisen, wenn man zu einem Einheimischen Gespräche auf einer anderen Ebene, nicht nur dieses „How much?“ sondern über die kulturellen Unterschiede und die kleinen Dinge, die anders sind, reden kann. Er war noch nie am Bali gewesen und ich meine es ist doch die Nachbarinsel, aber er wohnt eben auf Gili Trawagan und hier bleibt er auch. Es soll nicht blöd klingen, aber normalerweise freunde ich mich nicht mit Einheimischen bei Facebook an, aber als er mich danach fragte, dachte ich mir „Nun gut, mal sehen, was Einheimische dort so stehen haben.“ Schließlich war es schon spät und ich bat ihn darum, mein Frühstück am Morgen bitte nicht zu vergessen, da ich schon um halb neun bei der Tauchschule sein müsse und dass er doch bitte um 8 kommen solle.

Am nächsten Morgen wurde ich plötzlich durch ein lautes Klopfen an meiner Zimmertür geweckt. „Finja, breakfast is ready,“ rief der Einheimische mir entgegen. Ich hatte doch tatsächlich vergessen mir den Wecker zu stellen! Ich war wirklich froh, dass er an mich gedacht hatte, sonst wäre ich sicherlich noch weiter in meinen tiefsten Träumen verweilt.

In der Tauchschule wurde ich dann einer Gruppe zugewiesen, wobei ich beim Briefing feststellte, dass es nicht die Richtige war. Sie wollten nämlich zu einem Schiffswrack und die anderen Teilnehmer waren alle „Open Water“ Taucher, durften also nur bis zu 18 Meter tief tauchen. Aber das Wechseln war natürlich alles kein Problem. Nun war Erwin, ein Einheimischer, mein Tauchmaster, der quasi für die Navigation und alles weitere unter Wasser verantwortlich war. Wir stiefelten durch das Wasser in das kleine Boot und irgendwelche Leute von der Tauchschule luden dann unsere Ausrüstung ein, ein sehr netter Luxus, sonst musste ich das bei den anderen elf Tauchgängen, die ich bis jetzt schon hatte, selber machen. So schwierig beziehungsweise aufwendig ist es nun auch nicht. Meine Tauchpartnerin war Französin und wir führten wie gewohnt unseren Buddycheck durch, um sicherzustellen, dass unsere Gasflaschen richtig saßen und funktionierten oder wie man die Gewichte von den Hüften lösen könne. Als wir nach fünfzehn Minuten schließlich an der Tauchstelle angekommen waren, ich bewundere die Navigation der Schiffsfahrer wirklich und benutze meinen Kompass mittlerweile auch wenn ich beim Kartenlesen im Lonely Planet beispielsweise nicht weiß wo der Norden ist. Wirklich praktisch!

Dann sollte es jedoch losgehen in die Tiefen. Das Boot war ziemlich klein und hatte auch gar nicht so eine Vorkehrung von wo aus man leicht ins Wasser springen konnte. Erwin wollte, dass wir uns alle auf die Seiten setzten und dann per Rückwärtsrolle ins Wasser kämen. Oh, ich war mir etwas unsicher, ob ich das hinbekommen würde, hatte ich ja so eine große Flasche auf den Rücken geschnallt und fühlte mich für diese Turnübung echt nicht in der Lage. Zum Glück hatte er nichts dagegen, dass ich dann hinten doch irgendwie einfach so ins Wasser springen konnte. Zwei Rescue- Schüler, das ist der nächsthöhere Kurs nach dem Schein, den ich gemacht hatte, machten mir das gleich, also fühlte ich mich nicht all zu schlecht und unfähig. Und dann ging es wirklich schnell nach Unten. Ich schaffte es grade noch in meine Taucherbrille zu spucken, ja dies ist das Geheimnis damit die Brille unter Wasser dann nicht beschlägt, und dann ging es auch schon los. Schon bald blickte man nach oben und sah die Sonne auf der Wasseroberfläche über sich und den etwas düsteren Untergrund. Zunächst konnte man den Boden gar nicht erkennen, mussten sich die Augen erst noch an die neue Umgebung gewöhnen. Und dann konnte man einfach wieder fliegen und war auf einem anderen Planeten. Man schaukelte sich langsam immer tiefer und ich hätte mir wohl lieber noch ein Gewicht mehr an meinen Gewichtsgürtel geschnallt, waren die anderen schon schneller unten. Der Druckausgleich in den Ohren verlief ohne Probleme. Man muss sich wirklich einfach die Nase zuhalten und dagegen pusten, dann macht es kurz „Knack“ und das war es. Es war wieder absolut berauschend und ich war wieder etwas traurig, dass ich keine Unterwasserkamera besitze und auf Grants Angebot nicht eingegangen zu sein, dass ich ihm seine von Deutschland aus hätte zurückschicken können. Die Korallenlandschaft war gewaltig und riesig. Ich fühlte mich wieder wie ein Besucher in einer fremden Welt und fragte mich, was die Fische wohl von uns Tauchern hielten. Sie hatten die wunderbarsten Farben, mit den Namen tue ich mich zugegebenermaßen immer noch etwas schwer. Engelfische und Regenbogenfische waren wieder vertreten und eine Riesenschildkröte zog auf einmal auch einfach an uns vorbei und schlug ihre um die 30 Zentimeter langen Flossen geschmeidig vor und zurück, um sich fortzubewegen. Wie alt sie wohl war? Die Strömung im Wasser war stark, das hatte ich so noch nicht erlebt und so trieben wir schwerelos an den Korallenriffen vorbei, ohne uns wirklich anzustrengen. Lediglich auf die Atmung fängt man an zu achten, versucht man doch langsamer zu atmen. Es ist in gewisser Weise wie Meditation, auch auf Grund der Tatsache, dass es dort unten im Wasser so unglaublich still ist und man nur, ja was hört man eigentlich, nichts hört oder kann man den Wasserdruck hören? Ich bin mir nicht sicher.

Nachmittags entspannte ich wieder in meiner Hängematte und der Einheimische tauchte natürlich auch wieder auf. Er fragte, ob ich seine Facebook Nachricht bekommen hätte, konnte er in der letzten Nacht nicht wirklich schlafen, weil er die ganze Zeit an mich denken musste! Ha, es war einfach zu herrlich wie der kleine Junge mich mit dem Mond verglich und mir die ganze Zeit erzählte wie toll ich doch sei. Er war aber dennoch echt nett und man erfuhr ja wie gesagt viel über die Kultur, aber auf meine Verkupplungsversuche mit anderen ging er leider nicht ein.

Schließlich tauchte der Brite Joe auf, mit dem ich vor ein paar Tagen bereits gesprochen hatte, weil er in einem der Nachbarzimmer wohnte. Wir quatschten eine Weile und er erzählte mir ein bisschen über das Schreiben. Er war Mathematik und Philosophielehrer, soweit ich mich erinnern kann, 34 und nebenberuflich Journalist und Autor. Ursprünglich kam er aus London, hatte sich vor einem Jahr jedoch dafür entschieden in Bangkok an einer Privatschule zu unterrichten, da er dort fast doppelt so viel verdiente als zuhause in England. Nebenbei macht er grade noch seinen Master in „Creative Writing“ und so führten wir sehr interessante Gespräche. Schließlich machten wir uns auf den Weg in ein Café, das ich zuvor zwar schon gesehen hatte, aber in welchem ich noch nicht gewesen war, ich blieb ja wie gesagt meistens in meiner Gegend und war etwas faul aus der vertrauten Umgebung rauszukommen. Wir tranken Eiskaffee, bestellten uns ein spätes englisches Frühstück mit köstlichen Bratwürsten und verdrückten zum Nachtisch sogar noch einen unglaublich leckeren Karottenkuchen. Er gab mir seine großen Kopfhörer und spielte mir einige Songs, die er selber gemixt hatte. Ich war erschüttert neben jemanden zu sitzen, der so gute Musik machen konnte. Die perfekten Songs. Als mein Skype dann klingelte und meine liebste Schwester von zuhause anrief, die an dem Tag Geburtstag hatte, war der Moment noch perfekter und es war schon etwas merkwürdig ihr dabei zuzuhören, wie sie ihre kleinen Geschenke auspackte. Die Entfernung spielt ja kaum noch eine Rolle.

Später hatten Helene, ihr Freund und ich uns dann zum Abendessen verabredet. Es war gut, dass wir diesmal nicht in einer großen Gruppe starteten, konnten wir so ein wenig in unsere Indiana Erinnerungen abschweifen und uns ebenfalls in unserem jetztigem Selbst kennenlernen. Sie erzählten mir über das Leben in Norwegen und ihre Kultur und meinten, dass es wirklich ähnlich in Schweden ist. Joe schaute ebenfalls nochmal kurz vorbei und später zogen wir weiter in Richtung der Irish Bar, in welcher das ganze Leben auf der Insel zu später Stunde spielte. Wir kamen mit einigen Franzosen ins Gespräch und gegen 23 Uhr wurde die Musik schließlich ausgeschaltet, es war ja Ramadan. Dann wurden Kopfhörer verteilt und man konnte über diese weiter Musik hören. Die Songs wurden über Funk übertragen. Ich gab dem Tanzen mit den Kopfhörern schließlich auch eine Chance, konnte mich damit aber nicht wirklich anfreunden. Es sah so witzig von der Seite aus, wenn man die Tanzenden beobachtete und selbst keine Musik hörte.

Einer der Franzosen machte sich dann mit mir in Richtung Heimweg und ich war froh, die lange ausgestorbene Straße nicht alleine nach Hause laufen zu müssen. Wir hatten ja nur miteinander gequatscht, ich war mir allerdings nicht sicher, ob er sich mehr erhofft hatte. In der Nacht wurde ich dann von lauten Klopfen an meiner Tür geweckt, dass ich doch aufmachen solle, weil er gerne bei mir nächtigen wollte! Hallo? Es war sehr unheimlich und er wirkte irgendwie verzweifelt und ich dachte jeden Moment würde er mir zur Tür hineinfallen. Ich lag stocksteif im Bett und es war echt unheimlich. Man mag nun gerne denken, dass es auch leicht naiv und leichtsinnig von mir gewesen ist, mich von ihm nach Hause bringen zu lassen, aber kann man nicht einfach mal an die gute heile Welt glauben?

Am nächsten Morgen erwachte ich leicht verkatert gegen zehn Uhr morgens auf, zog lagsam den Vorhang direkt neben meinem Bett an Stückchen zur Seite und erfreute mich über den strahlend blauem Himmel, der zwischen ein paar tropischen Bäumen hervor lugte. Dann ertöhnte auch schon der erste Hahn vor meinem Fenster und ich bin mir sicher, dass auch die Henne mit ihrem Nachwuchs grade vor meiner Terrasse vorbeiwatschelte. Wie gewöhnlich brachte mein Einheimischer mir wieder meinen Bananenpfannkuchen und Kaffee. Wir schwatzten kurz miteinander, auch mit zwei neuen Jungs mit Surfbrettern, ich bin mir nicht sicher ob sie später von den Wellen hier schwer enttäuscht sein werden, hatte ich zumindest noch keine wirklich gesehen. Als ich nachfragte meinten sie nur „No, no. We travel with them.“ Achso, na klar, wie konnte ich bloß vergessen, dass einige ihre eigenen Bretter hier auch mit hernehmen, warum denn auch nicht. Mir war der Gedanke jedoch etwas im Kopf verborgen geblieben, da ich mir vielleicht nie darüber Gedanken gemacht hatte. Dann musste ich mir noch kurz irgendeinen Flirtspruch anhören, da sie es wohl nicht gewohnt waren, dass im Hinterhof Leute in Bikinis durch die Gegend laufen, aber ich wollte ja grade zum Schnorcheln und hatte außer meiner Taucherbrille, meinem Bikini und dem daran festgebundenen Schlüssel, ja nichts an mir an. Ich dachte mir nichts dabei und hüpfte kurz über die kleine Sandstraße und ich war am Traumstrand. Dort war das Schaulaufen dann allerdings auch noch nicht vorbei und ich wäre wirklich lieber mit etwas Kleidung zu dem Schnorchel Spot gelaufen, aber kann man seine Sachen da dann ja nicht einfach liegen lassen, wenn nicht jemand den man kennt und gleichzeitig auch wirklich vertraut, neben den Sachen sitzen bleibt. Alle meine wenigen Kleidungsstücke waren mir nun schon ziemlich ans Herz gewachsen und das Risiko wollte ich somit einfach nicht eingehen. Mir wurde aber gleichzeitig auch bewusst, dass man wirklich nicht viel braucht um glücklich zu sein. In dem Moment waren es lediglich ein Bikini, eine Taucherbrille und ein Band am Bikini, an welchen man den Zimmerschlüssel festknoten konnte.

Nach einer halben Stunde zügigen Spazierengehens im türkisfarbenen Wasser und zu Traumtemperaturen war ich dann ungefähr dort an der Stelle angekommen, wo ich mitbekommen hatte, dass es dort gut zum Tauchen sein soll. Viele der Tauchschulen, die Schnorchelfahrten zu verschiedenen Spots rund um die drei Gili Inseln anboten, hielten nämlich auch dort wo ich nun war. Allerdings nicht als ich grade da war, weswegen ich mir zunächst schon etwas unsicher war, ob ich dort auch wirklich richtig war. Vom Strand aus kann man das ja schlecht beurteilen.

Also gut, dann ging es also los zum Fische gucken. Der Boden war steinig mit so komischen Gebilden, die ich in Europa noch nicht im Sand gesehen hatte. So konnte man nicht einfach schnell loslaufen und rausschwimmen. Es war auch ziemlich flach, aber bald schaffte ich es mich auf das Wasser zu legen, sodass ich mich mit meinen Händen vorsichtig an den Steinen vorwärtsdrücken konnte. Dort gab dann schon kleine Wellen und ich tauchte unter den Wellen unterdurch und konnte sie von unter Wasser beobachten. Das Gras auf dem Meeresboden wurde von den Wellen auch etwas hin und her geschwenkt und schon bald konnte ich die ersten kleinen Fische erkennen, die sich soweit an den Strand verirrt hatten. Ich konzentrierte mich dann auch auf meine Atmung, hatte ich ja keinen Schnorchel dabei, weil ich damals in der Tauchschule in Koh Tao nicht auch noch dafür Geld ausgeben wollte. Aber das machte nichts, so konnte man eh auch besser schwimmen. Es fing schnell an sich anzufühlen wie eine Art von Meditation, da man versuchte so lange wie möglich die Luft in den Lungen zu behalten und das Auftauchen und Luftschnappen funktionierte automatisch. Nach einer Weile machte ich mir dann schon ein bisschen Sorgen, ob ich nicht zu weit rausschwimmen würde. Ich kann die Entfernung nicht ganz genau schätzen, aber fünfzig Meter waren es bestimmt. Dennoch tauchten vor meiner Brille die unglaublichsten Fische und Korallenformationen auf. Es war wie ein Rausch und ich gab es auf zu erahnen wie die Fische wohl alle heißen mögen, die es dort gab. Wieso musste man denn auch deren Namen wissen, wenn sie durch ihr Äußeres bereits so unglaublich viel von sich preisgaben. Ich war fassungslos und erinnerte mich an irgendeine Stelle aus der Bibel, wo es hieß Gott schief Erde und Wasser oder so ähnlich und ich fragte mich was wohl erst war Land oder Wasser. Die Unterwasserwelt ist nämlich echt atemberaubend. Plötzlich schaute ich direkt vor mir und ich konnte sie erst nicht erkennen, da ich von ihrer silbernen Farbe geblendet war, aber es waren so ziemlich längliche Fische. Ich weiß nicht, ob sie so heißen, aber sie riefen das Wort Schwertfisch in mir hervor, keine Ahnung ob sie so hießen. Zudem war ich erstaunt, dass die Fische hier so viel größer waren als in Pulau Tioman in Malaysien, wo meine erste wirkliche Schnorchelerfahrung stattfand. Ich hatte da auch mitbekommen, dass jemand meinte, dass die Fische dort erst laichen waren und hier auf den Gilis waren sie wohl nun ausgewachsen. Ich war froh, dass ich solche großen Fische noch auf keinem Grill wiedererkennen konnte.

Plötzlich entdeckte ich auch eine Riesenschildkröte auf dem Meeresboden. Ich bemerkte auch, dass zwei Schnorcheler sie schon vor mir entdeckt hatten. Wir teilten diesen tollen Moment und sahen ihr dabei zu wie sie versuchte irgendetwas von einem Stein abzunagen, was ihr allerdings nicht sonderlich zu gelangen schien, da sie sich drehte und heftig mit ihrem Kopf den Stein an schuppste. Ich machte mich dann weiter auf den Weg und war jetzt bereits wohl so zweihundert Meter am Strand empor geschwommen. Es war ein wundervolles Sportprogramm und es war gut, dass ich auf meiner Reise nun schon gelernt hatte auf meinen Körper zu hören, lief ich doch an einigen Tagen unzählige Kilometer in unbekannte Richtungen und man ich ging auch nur soweit wie sichergestellt werden, dass ich auch wieder heil am Ursprungsort ankam. Als Reisender entwickelt man einfach körperliche Stärken, der Rucksack ist schwer und die Wege sind teilweise lang. Deswegen fühlte ich mich auch beim Schnorcheln sicher und hoffte, dass ich also auch diesmal auf meine körperlichen Stärken vertrauen konnte. Nach bestimmt zwei Stunden auf der Wasseroberfläche gab ich mich schließlich geschlagen. Ich konnte nichts mehr visuell aufnehmen und somit verabschiedete ich mich von den Fischen, näherte mich vorsichtig dem Strand und brachte schnell das Schaulaufen hinter mich und ging zurück zu meinem Zimmer.

An meinem letzten Abend machte ich mich in meinem coolen neuen Kleid, das ich bei der Tauchschule gekauft hatte, auf den Weg in Richtung des Nachtmarktes. Ich bin dort schon ein paar Mal vorbeigelaufen, aber hatte immer in irgendwelchen Restaurants gegessen, da die Preise auf der Insel relativ günstig waren und mein Budget noch passte. Dennoch wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dort zu essen wo es die Einheimischen taten. Ich entschied mich schließlich für Leckereien von einem Mann, der mehrere Gerichte zur Auswahl hatte und wo man sich drei zusammen mischen konnte. Die eine Sorte waren köstlich gewürzte Auberginen, dann noch solche Sojachipsstangen und schließlich etwas, das aussah wie Kartoffelpuffer, wobei es sich um Mais und Ei handelte. Ich setzte mich an einen der vielen Holztische. Plastikstühle gab es hier nicht. Luxuriös ist was anderes, aber das Essen schmeckte köstlich und die Einheimischen lächelten einem nett zu, freuten sie sich wohl auch, dass es nun Abend war und sie wieder etwas essen durften. Die Insel war schließlich muslimisch und es war grade Ramadan, der Fastenmonat. Neben mir saßen zwei Holländer mir denen ich dann auch noch kurz quatschte.

Später setzte sich mein Einheimischer wieder neben mich auf meine Terrasse und reichte mir plötzlich ein Armband, das er selbst geflochten hatte. Er meinte, dass es ein Abschiedsgeschenk sei und er war wirklich rührend. Es hatte die Farben rot und grün und ich mochte es sehr. Ich konnte wirklich nicht verstehen, dass ich ihm anscheinend so den Kopf verdreht hatte, war es doch offensichtlich, dass es nicht passte und dass er nicht mein Typ war. Ich glaub er ging mir grade mal bis zu den Schultern, aber wahrscheinlich sehen die Einheimischen das anders. Sie träumen wohl von einer weißen Frau, wird dies nämlich als Status angesehen. Irgendwann lugte dann auch ein weiterer Nachbar zu uns auf die Terrasse, der sich grade etwas mit seiner Freundin in die Haare bekommen hatte. Er sah aus wie Robbie Williams, war Brite, spielte in einer Rockband und sein Name war, wie es der Zufall so will, Finn. Er hatte wohl noch nicht so viel Zeit mit den Einheimischen verbracht und konnte gar nicht genug Fragen stellen. So erkundigte er sich nach dieser Geschichte über Alkohol auf der Insel. Die meisten Bars haben nämlich ein besonderes Zertifikat, das ihnen garantiert, dass sie sauberen Alkohol verkaufen. Das Problem war und ist es wahrscheinlich immer noch, dass der Alkohol in Indonesien nicht immer ungefährlich ist. Ich hatte, bevor ich nach Indonesien kam, bereits darüber gelesen und mitbekommen, dass Touristen teilweise auch an Methanol Vergiftungen gestorben waren. Auch die Alkoholsorte namens Arak hatte wohl mal zu Problemen geführt. Das ist eine Mischung aus Palmzuckersaft und vergorener Reismaische und sie ist sehr hochprozentig, teilweise um die 70%.