Heaven on Earth, Gili Air

Anne, meine neue Nachbarin, hatte mich schließlich dazu gebracht mit ihr einen Tagesausflug auf die Nachbarinsel Gili Air zu unternehmen. Nicht, dass sie mich groß hätte überreden müssen, ich hatte es auch noch zu einem Zeitpunkt vorgehabt, aber zu zweit war es doch auch nett. Wir hatten unsere Wecker auf viertel vor Acht gestellt und wollten vorher noch zusammen auf einer von unserer Terrassen unser Inklusiv-Frühstück und einen Kaffee zu uns nehmen. Den Bananenpfannkuchen hatte ich schon am Vortag probiert und er schmeckte ausgezeichnet. Auch wenn nur drei kleine Wasserstahle aus dem Duschkopf kamen, der wohl so um die 50 insgesamt hatte, so hatte diese Unterkunft ihren Charme und es war schön einfach mal länger an einem Ort zu bleiben. Dies war nun mein fünfter Morgen. Wir dankten Luke für das tolle Frühstück und machten uns auf den Weg in Richtung der öffentlichen Fähre, mussten wir unser Ticket auch erst noch kaufen. Nach asiatischer Zeitrechnung fuhr die Fähre dann auch erst eine halbe Stunde später als geplant ab, was sich ja alles noch im Rahmen befand.

Als das Boot dann am Strand von Gili Air anhielt und wir unter strahlend blauem Himmel durch das türkisfarbene Wasser in Richtung des weißen Strands stiefelten, konnten wir unser Glück kaum glauben. Man konnte sofort erkennen, dass es hier alles noch eine Nummer ruhiger zugeht als auf Gili Trawangan. Ich erkundigte mich bei einem Einheimischen schnell nach der Richtung, wo man mehr interessantes sehen könnte und dann zogen Anne und ich los mit unseren Kameras und versuchten dies alles irgendwie festzuhalten, die grünen Palmen und bunten Blumen, das wunderschöne Meer und den Strand, die kleinen süßen Villas und den blauen Himmel. Wir waren schon ein ganzes Stück gelaufen und entschieden uns schließlich den Rest unserer Zeit in einer kleinen Strandhütte am Wasser zu verbringen, bestellten unsere Ananassäfte und aßen einen Obstsalat und ein Sandwich. Das Leben war so einfach und wir beide ziemlich zufrieden mit der Situation. Im Wasser konnte man wieder die Unterwasserwelt bestaunen und es war unglaublich, dass man bestimmt zehn Meter unter sich auf den Meeresgrund gucken konnte und selbst dort die Sonnenstrahlen reflektieren sah. Da war dann auch die Entscheidung getroffen, dass ich mir einen richtigen Tauchgang hier wohl nicht ersparen können würde, kann man dort schließlich noch um so einiges mehr sehen, als beim Schnorcheln.

Als Anne und ich dann vor dem Fähranleger auf unsere Rückfahrt warteten, fragte ich einen Einheimischen, ob ich nicht von ihm ein Foto machen könne. Er saß grade auf einer Mauer vor dem wunderschönen Wasser und hörte Musik über seine Handy Kopfhörer und schien nichts dagegen zu haben. Im nächsten Moment stand dann allerdings ein kleiner Junge vor mir, der fragte ob ich Deutsche sei, weil er das Wort „Foto“ von mir gehört hatte. Der Junge hieß Lennart, ging in die dritte Klasse und kam aus dem Prentzlauer Berg aus Berlin. Er verbrachte mit seinen Eltern die Sommerferien hier in Indonesien und war ziemlich witzig dank seiner absolut herzhaften und offenen Art. Er amüsierte schließlich die halbe Fähre, selbst wenn nicht jeder deutsch verstand, mussten wir doch immer wieder über seine Aussagen und Gedanken schmunzeln. Beim Thema „Umziehen in Gruppenumkleiden beim Schwimmunterricht“ fragte er dann auch, ob wir Mädchen damals auch schon solche „Fetten“ hätten. Es war einfach nur zu herrlich wie er das sagte. Als ein Typ mit den kräftigsten Oberarmen, die ich hier in Asien wohl bisher gesehen hatte, sich schließlich neben uns setze schrie er laut auf „Mama, guck mal! Da ist Muskelman!“. Ein anderer Typ gab ihm dann den Hinweis, dass „Muskelman“ auch deutsch sprechen konnte und Lennart war überglücklich einen weiteren Deutschen gefunden zu haben, mit den er sich unterhalten konnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass es als Kind schon etwas schwierig sein kann, wenn man die Sprache einfach nicht spricht, um sich mit anderen zu unterhalten. So schlossen Lennart und „Muskelman“ schnell Freundschaft und er versuchte herauszufinden, ob seine Muskeln denn nicht nur aus Luft bestanden. Dieser Junge war echt der Hammer.