Holiday in Kuta, Bali

Am ersten Juli sollte es nun also nach Indonesien gehen. Nachdem ich die Bestätigungsmail meines Fluges mit der Billigairline Tigerairways nach endlosen Suchen dann schließlich im Junk Ordner gefunden hatte, machte ich mich also mit dem ausgedruckten Onlineticket auf in Richtung der singapurianischen Untergrund Bahn.

Glücklicherweise verlief alles ohne weiter Komplikationen und so kam ich pünktlich zwei Stunden vor Abflug in dem ultramodernen Flughafen namens Chiangi an. Es war schon ein komisches Gefühl dort zu sein, da mir im Hinterkopf bewusst war, dass ich von diesem Flughafen aus in weniger als einem Monat den Rückweg nach Europa einschlagen würde.

Nachdem ich meinen großen Reiserucksack eingecheckt hatte, machte ich mich auf, um mein Gate zu finden. Ich war etwas überrascht, dass es auf dem Weg dorthin keine strengen Sicherheitsprüfungen gab, es gab nur so ein einziges kleines Scangerät in einer Ecke. Ich war wirklich überrascht, befand ich mich doch an einem der besten und modernsten Flughäfen weltweit. Zwischen den Gates reihten sich dann die verschiedenen Läden aneinander. Ich notierte mir schnell die Namen der Bücher, die zur Zeit wohl gut liefen in der Hoffnung im Nachhinein in Ruhe zu recherchieren, welche von denen denn nun lesenswert sein könnten. Dann legte ich noch schnell einen Spritzer Parfüm in einer der Parfümerien dort auf, hatte ich mir das wohl schon zur Tradition gemacht, wenn ich mich an Flughäfen befand und sich die Möglichkeit bot. Bei Starbucks gesellte ich mich schließlich anonym zu den vielen Reisenden, die in ihre mobilen Endgeräte vertieft waren und fühlte mich dann schließlich bereit in ein weiteres fremdes Land zu reisen.

Wie sich herausstellte wurde mir ein Sitzplatz am Gang zugeteilt und der Mittelsitz blieb leer. Der Typ am Fenster schlief glaub ich schon als ich mich setzte, hatte ich den anderen Passagieren gerne den Vortritt überlassen die Maschine zu betreten. Auch als uns die Einreiseformulare ausgeteilt wurden, befand sich der liebe Herr wohl noch in irgendwelchen entfernten Träumen wider. Ich bat die Stewardess netterweise darum doch ein weiteres Formular für ihn zu hinterlassen. Nach bummelig drei Stunden Flugzeit näherten wir uns schließlich der Insel Bali. Üblicherweise war mir in den zehn Sekunden bevor das Flugzeug seine Räder auf das Rollfeld setze wieder ein bisschen unwohl, aber der Pilot schaffte alles mit Bravour. Schließlich kam ich dann auch mit meinem Sitznachbar in einen kurzen Smalltalk über das Übliche ins Gespräch, wo man denn so herkommt und was man so vor hatte auf der Insel. Ich war allerdings etwas abgelenkt von den ganzen Passagieren, die sich an mir vorbeiquetschten und fand mal wieder, dass es zur Sitte gehören sollte, dass man diejenigen in den vorderen Reihen doch bitteschön zuerst aussteigen lassen könnte. Also quetschte auch ich mich Richtung Ausgang und verabschiedete mich noch schnell mit einem Winken.

Im nächsten Augenblick folgte ich der Menge über das Rollfeld und meine Haare flatterten im Wind von Bali. Es war warm und die Glücksgefühle machten sich wieder einmal bemerkbar. Drinnen bemerkte ich dann irgendwo ein „Visa on Arrival“ Schild und war zunächst etwas irritiert, dass man dieses zunächst am separaten Schalter kaufen musste bevor man sich in die endlose Einwanderungsschlange einreihen konnte. Es war ein kleiner Flughafen, aber irgendwie mussten zu dem Zeitpunkt grade ziemlich viele Touristen angekommen sein. Man hatte also ausreichend Zeit die zahlreichen Leute zu analysieren, die vor und hinter einem in der Schlange standen, da man nur durch mehrere Schleifen im Schneckentempo voran kam. Nach einer gefühlten Ewigkeit stöpselte ich mir dann doch zur Ablenkung meine Kopfhörer ein.

Plötzlich tippte jemand an meiner Schulter, es war mein Sitznachbar aus dem Flugzeug. Er fragte mich, ob er sich nicht zu mir stellten dürfte, da er zuvor in der ganzen langen Schlange gewartet hatte und vorne am Schalter schließlich erst erfuhr, dass man das Visum vorher am anderen Ende bezahlen musste. Ich konnte ihn sehr gut verstehen, dass er keine Lust hatte sich nochmals ganz hinten anzustellen und da er auch alleine unterwegs war und niemanden sonst kannte, war ich wohl seine einzige Hoffnung und so kam ich seiner Bitte nach doch bitte so zu tun, als würden wir uns kennen. Tja und so kamen wir dann doch etwas mehr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er doch ein ziemlich interessanter und zugegebenermaßen äußerst nett aussehender Mensch war mit den es sich lohnte Gespräche zu führen. Wie es der Zufall dann auch wollte, war er auch auf dem Weg nach Kuta und ich freute mich sehr, dass ich dorthin nicht alleine ein Taxi nehmen musste. Ich hatte zuvor recherchiert, dass es auf der Insel keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und man auf Taxis angewiesen ist, um von A nach B zu kommen. So machten wir uns also zusammen auf die Suche nach einem günstigen Taxi und verhandelten mit zahlreichen Fahrern über den besten Preis, angeblich waren die Spritpreise in der Woche zuvor erhöht wurden, naja ob das alles so stimmte bezweifelten wir doch sehr.

Wir baten unseren Fahrer uns an einer zentralen Straße in Kuta rauszulassen, da wir von dort beide in unsere Unterkünfte laufen könnten. Als wir dort auf der Straße standen, sind wir dann doch spontan zusammen in Richtung Strand gelaufen, es war einfach ein netter Moment und ich wollte mich noch nicht von ihm verabschieden. Er hieß übrigens Grant und war gebürtiger Kanadier.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die neuen unbekannten Straßen kamen wir schließlich am Strand an. Es war überwältigend, das reinste Surfer Paradies! Der Strand war wohl der Größte, den ich je gesehen hatte und streckte sich über Kilometer weit aus. Man konnte wunderschöne Wellen erkennen, die sich über hundert Meter weit streckten. Wenn sie brachen blieb einem fast das Herz stehen, es war das reinste Glücksgefühl. Ich hatte ja meinen großen Rucksack dabei und so suchte ich kurz nach dem Batik Sarong aus Bangkok und faltete ihn auf dem Sand aus. Wir saßen, staunten und quatschten. Nach einigen Minuten kam einer der Strandbarverkäufer zu uns und wir bestellten unser erstes eisgekühltes Bali Bier namens Bintang. Es war köstlich. Grant arbeitete seit einem Jahr in London an der Planung des U-Bahn Netzes, kam aber eigentlich aus Vancouver. Er war vor einigen Tagen nach Singapur geflogen, um an der Hochzeit eines Grundschulfreundes teilzunehmen, der während einer Rucksackreise durch Europa während einer T our durch Paris eine Stewardesse aus Singapur kennengelernt hatte, die er nun in Singapur geheiratet hatte. Da er nun also schon mal in Asien war, hatte er sich entschlossen die vier Tage, die ihm in seinem kurzen Arbeiterurlaub noch blieben, auf Bali zu verbringen. Vier kurze Tage, ich im Gegensatz würde hier noch 25 Tage bleiben. Wir kamen also von verschiedenen Wegen und waren auf verschiedenen Reisen unterwegs. Er war im Urlaub und ich war auf Reisen. Er war noch nie zuvor in Asien gewesen, ich verbrachte hingegen die letzten drei Monate hier.

Unter Rucksackreisenden ist es meines Erachtens Gang und Gebe, dass man sich oftmals, ohne jegliche Hintergedanken, ein Zimmer teilt, um die Kosten zu senken. Da Grant und ich uns wirklich super verstanden fragte ich ihn dann auch einfach, ob er das nicht in Ordnung finden würde und wie teuer denn sein Zimmer sei, das er bereits gebucht hatte. Ich musste mich allerdings schon etwas überwinden ihn das zu fragen, wollte ich ja nicht, dass er sonst was von mir denkt, wir kannten uns ja kaum und mir war bewusst, dass er auf einer anderen Art Reise unterwegs war und die Leiden und Sitten eines Rucksackreisenden vielleicht nicht wirklich kannte. Aber er fand die Idee super und so schnallte ich meinen großen Rucksack auf und wir machten uns auf die Suche seines Hotels.

Dieses Hotel namens White Rose, das ihm ein Freund empfohlen hatte, war unglaublich. Ich kam mir wirklich etwas fehl am Platz vor. Es war riesig, schick und entsprach definitiv nicht der Art von Unterkunft, in welcher ich in den letzten drei Monaten geschlafen hatte. Zur Begrüßung bekamen wir einen köstlichen Fruchtsaft serviert. Es handelte sich um irgendeine indonesische Frucht, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Die Hotelherren hatten alle ein traditionelles Tuch um den Kopf und waren höflich, nett, freundlich und zuvorkommend. Als uns einer der Herren schließlich zu unserem Zimmer brachte, passierten wir den türkisen beleuchteten Pool. Es war einfach nur zu gut, um wahr zu sein. Nachdem er uns die Tür zu unserem Zimmer geöffnet hatte, betraten wir ein wunderschönes Zimmer mit einem riesigen Bett einem Luxusbadezimmer und einen tollen Balkon. Ja, ich befand mich nun definitiv im Urlaub und nicht mehr auf Reisen. Ich war etwas irritiert, als der Hotelmann dann allerdings im Zimmer stehen blieb, aber zum Glück wusste Grant, das man ihm ein bisschen Geld gibt. Ja, die Urlaubssitten hatte ich nun schon fast vergessen, so ergänzten wir uns gegenseitig.

Nachdem wir uns im Anschluss noch schnell im Pool abgekühlt hatten bevor dieser um 22 Uhr schließen würde, machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir liefen auf der langen Legian Straße entlang und passierten unzählige Touristen- und Surfoutfitläden. Auf der Kopfsteinpflasterstraße staute sich der Verkehr und Grant war schockiert wie schlecht diese Verkehrsinfrastruktur hier organisiert war, er war ja beruflich in der Transportplanung tätig. Schon witzig, wie jeder etwas mit anderen Augen betrachtet, aufgrund dessen, was man zuvor in seinem Leben schon alles gesehen und erlebt hatte. Ja, Kuta ist definitv sehr touristisch, was mir in dem Moment aber wirklich nicht negativ auffiel. Die Läden sahen alle sehr nett aus und man würde dort bestimmt viele tolle Dinge finden. Die zahlreichen Clubs taten mir dann allerdings schon etwas Leid, waren sie alle leer, was man zumindest von außen erkennen konnte. Naja, vielleicht war es einfach noch zu früh, aber es gibt dort schon ziemlich viele.

Wir wollten irgendwas typisch Indonesisches essen, das allerdings schwer zu finden war, gab es zu viele T ouristenrestaurants, sogar auch welche mit deutschem Essen. Schließlich entschieden wir uns an einer Seitenstraße für ein Restaurant, das auf der ersten Seite im Menü bereits auf Indonesische Spezialitäten hinwies. Wir bestellten uns das berühmte Gericht Nasi Campur und es war köstlich. Es gab verschiedene Fleischsorten, Reis, Gemüse, Erdnüsse, ein Omelett und Shrimps, alles jeweils in kleinen Schälchen, die auf einem großen Bananenblatt serviert standen.

Den nächsten Tag starteten wir dann mit einem vielfältigen Buffet Frühstück. Im Hintergrund lief leise, klassische, indonesische Musik und wir stärkten uns mit frischen Obst, Pfannkuchen, einem Omelett, frischen Fruchtsäften und Kaffee. Grant hatte bei Tripadvisor eine Tauchschule namens Up2You ausfindig gemacht, die wir dann aufsuchten. Der australische Surflehrer Paul trug uns für einen zweistündigen Kurs um 13 Uhr ein und die zwei Stunden vorher verbrachten wir am wunderschönen Strand, wo wir bereits gegen Mittag unser erstes kühles Bierchen schlüften. Wir fragten ein älteres australisches Pärchen, ob sie ein Auge auf unsere Sachen werfen könnten während wir im türkisenen Wasser Zeit mit den Traumwellen verbrachten.

Schließlich bekamen wir unsere Surfbretter und unsere Surfkleidung und dann ging es los. Paul brachte uns bei wie man sich auf dem Brett positioniert und wie man am besten aufsteht, um die Wellen zu reiten. Es war unglaublich, als wir dann durch das Wasser paddelten. Es war erstaunlicherweise gar nicht so schwer wie ich dachte und schon bald surften wir mit den Wellen. Das schwierigste war jedoch meine kaum vorhandenen Armmuskel einzusetzen um schnell zu paddeln wenn eine gute Welle kam und dann auch im richtigen Zeitpunkt aufzustehen. Am besten springt man direkt vom Liegen auf die Füße und benutzt nicht noch die Knie zum Abstützen. Das erfordert wohl noch ein wenig Übung. Nach zwei Stunden waren wir schließlich völlig erschöpft und ausgelaugt. Ein leichter Sonnenbrand zeichnete sich auf unseren Gesichtern ab, die Sonnencreme wurde wohl vom Wasser weggespült. Da wir uns so gut verstanden, teilten wir uns auch in dieser Nacht das Zimmer, quatschten und ich lernte viel über Kanada, London und das Leben eines Dreizigjährigen.

Für den nächsten Tag hatte Grant einen Tagesausflug mit seinem Freund und seiner frischen Ehefrau geplant, die in Singapur geheiratete hatten und jetzt auch auf Bali waren, in ihren Flitterwochen. Er fragte mich, ob ich nicht mitkommen wolle und da wir uns alle das Geld für das Taxi teilen konnten, entschloss ich mich auch den nächsten Tag mit ihm zu verbringen. Wir fuhren zunächst nach Ubud, eine Kleinstadt von 30.000 Einwohnern, die als kulturelles Zentrum von Balis gilt. Wir schauten uns neue Tempel an und ich bemerkte, dass ich schon ziemlich viele Tempel in Asien gesehen hatte. Die Stadt war toll, aber ich bemerkte, dass mein Auffassungsvermögen generell wohl an die Grenzen stößt. Klar ist alles anders und schön, aber dann doch irgendwie in einer Weise gleich. Grant sah das natürlich anders, er hatte ja noch gar nichts von Asien gesehen und ich fühlte mich in die Anfangszeit zurückversetzt, als alles noch so aufregend war. Im Anschluss ging es dann noch hoch zum Vulkan und wir aßen am Rande des Kraters zu Abend und konnten einen wundervollen Ausblick auf den Kratersee und die Lava genießen. Die Entfernungen auf Bali sind nicht der kritische Faktor, wenn man was von der Insel sehen will, vielmehr ist dies aber der Verkehr. Die Insel zieht einfach zu viele Touristen an und das macht sich bemerkbar. So brauchten wir für die vierzig Kilometer zurück nach Kuta wohl um die zwei Stunden und Grants letzte Nacht auf der Insel war gekommen. Wir waren ziemlich k.o. vom ganzen Sightseeing am Tag und erzählten uns dann Geschichten über die Fotos auf unseren Handys, was aber ziemlich interessant war, weil die jeweiligen Geschichten dann wirklich detailliert wurden.

Und dann saßen wir das letzte mal zusammen am Frühstückstisch und machten uns auf den Weg zu unseren letzten Surfgang. Wir kannten nun unsere Straßen und es war ein weiterer toller Morgen mit Sonne und der perfekten Temperatur. Die Wellen waren nicht so gut wie bei unserem ersten Surfversuch und Grant schaffte es definitiv mehr Wellen zu reiten als ich. Dann hatten wir noch eine Stunde bevor er gegen ein Uhr mittags abgeholt wurde. Ich versuchte den Moment so lange hinauszuzögern wie möglich, wusste ich nicht wirklich wie er das Ganze sah. Dies hielt mich allerdings nicht davon ab unser letztes kühles Bier am Strand zu genießen, für welches wir nur noch 15 Minuten Zeit hatten. Dann schlugen wir den Rückweg zum Hotel ein und chillten in der Sonne am Pool. Schließlich war es kurz nach eins und er musste los. Das ist wohl mit das Schlimmste am Reisen, dass man so nette Leute trifft und sie wieder gehen lassen muss. So ging er in Richtung Eingangsbereich des Hotels und ich blieb auf dem Sonnenstuhl zurück. Was hilft zur Ablenkung? Natürlich das Internet.