In Search of a New Home

Also machte ich mich wieder auf die Suche nach einer neuen Bleibe, da das Hostel mich dort nicht mehr haben wollte, hätte ich es nämlich am Vortag sagen müssen, wenn ich länger bleiben möchte. Nun gut, dann sollen eben andere Reisende mal das nette Hostel kennenlernen. Ich schnallte mir den Rucksack in der Mittagssonne auf die Schultern und los ging es. Schon bald wurde ich von einigen einheimischen Jungs angequatscht, die für ihre Unterkünfte warben. Ich fragte kurz nach dem Preis und auf dem Weg zu dem Zimmer versuchte ich dann nochmal den Preis ein wenig nach unten zu verhandeln. Der Typ war ganz nett und ich war nun ja schon Meisterin im Verhandeln, sodass ich ein riesen Zimmer mit drei Betten, nicht dass ich sie alle gebraucht hätte, und einer absolut genialen Terasse mit Hängematte für mich alleine hatte. Der Spaß war dann genau so günstig wie im Hostel. Natürlich haben Hostel einfach den Vorteil, dass man dort vielleicht einfacher mit mehreren Leuten ins Gespräch kommt, aber lagen darauf zu diesem Zeitpunkt nicht meine Prioritäten. Mein Ziel war Entspannung und Zeit für Bücher zu haben, wilde Partys brauchte ich nicht.

Nachdem ich meine Sachen kurz abgestellt hatte, kam ich mit dem Indonesien ins Gespräch, der diese Zimmer vermietete. Er hieß irgendwas mit Luke oder so und trug einen neonfarbenden Hut, was mir auch in den folgenden Tagen noch helfen sollte ihn wieder zu erkennen. Ich erfuhr, dass drei Jungs für die Verwaltung dieser Zimmer zuständig waren. Sie saßen alle ständig in dieser mit Palmenblättern überdachten Holzhütte bei den zahlreichen Katzen, die aufgrund eines Gendefekts alle keine Schwänze hatten. Natürlich rauchten sie alle wie am Schlot und waren eher von der Sorte „coole Boys“. Ein Mädchen von schräg gegenüber schaute zu uns, da wir uns in diesem Palmen Innenhof relativ laut unterhielten und unser Gespräch wohl nicht zu überhören war. Ich meinte gehört zu haben, dass ihr Name Anne sei und sie meinte, dass sie auch aus Deutschland käme, Ecke Köln. Auch wir hielten kurzen Smalltalk miteinander und wollten uns am Nachmittag oder Abend nochmal treffen.

Dann ging es an den Strand. In einer der netten Beachbars suchte ich mir einen bequemen Sonnenstuhl im Schatten und verzog mich für einige Stunden in die Wörter einiger Autoren. Irgendwann war meine liebe Mama auch schließlich bei Skype online und wir quatschten für ungefähr eine Stunde, wobei sie grade beim Frühstücken war. Echt komisch, was die Technik heute alles möglich macht und dass die Entfernung eigentlich kaum noch die Rolle spielt, die sie früher mal eingenommen hat.

Schließlich hatte ich am Strand genug entspannt und begab mich in Richtung Rückweg. Nachdem ich noch ein kleines Nickerchen in meinem Zimmer eingelegt hatte und die Tür zu meiner Terrasse öffnet, war ich zunächst etwas erschrocken. Ein Typ stand direkt vor mir und wollte sich grade in meine Hängematte legen. Er entschuldigte sich höflich und verzog sich wieder nach nebenan. Nach kurzer Zeit kamen wir dann halb über die kleine Trennmauer ins Gespräch. Er hieße Roberto und käme aus Mexiko. Ich bat ihn natürlich anstandshalber an, dass er sich doch gerne in meine Hängematte legen könne, wenn er wünschte. Er lehnte jedoch ab, setzte sich aber neben mir auf die Terrasse und wieder einmal hatten sich zwei Reisende getroffen, die von irgendwo herkamen und an irgendwelche anderen Orte davon ziehen würden. Wir schlürften kühles Bier und schließlich verweilten wir noch mit seinen drei französischen Freunden in einer anderen Strandbar, von wo aus man leider nicht den Sonnenuntergang betrachten konnte, sondern ein faszinierendes Gewitter auf der übernächsten Insel. Ich erfuhr, dass der Grund dafür sei, dass es irgendwas mit dem Magnetfeld und der Lava in den Vulkanen zu tun hat. So genau konnte mir das der Mexikaner nun nicht erklären. Irgendwann kreuzte noch so ein Einheimischer auf, der sich zu uns setzte und einfach mit uns ein Gespräch anfing, ich meine warum denn auch nicht. Er erzählte uns, dass er sieben Jahre mit einer Australierin verheiratet gewesen sei, er nun aber ein Grundstück auf der Insel gekauft hätte. Ich weiß gar nicht mehr genau wie es anfing, dass er schließlich meine Hand nahm und mir eine Handmassage gab, was er von seiner Oma gelernt hatte, so sagte er auf jeden Fall. Ich dachte mir dabei nichts wirklich, saßen der Mexikaner und die Franzosen ja neben mir. Diese Art Massage kannte ich wirklich noch nicht und er bestand auch darauf, beide Hände gleich zu „bearbeiten“. So dauerte der ganze Spaß dann wohl knapp eine halbe Stunde. Er wirkte doch recht nett, aber irgendwann ging es schließlich schon ein wenig auf die Nerven und er ging schließlich auch, hatten der Mexikaner und ich, die Franzosen waren auf und davon und hatten sich ihre Mushroom Shakes bestellt, nicht mehr den Smalltalk mit ihm führen mussten. Wir bemerkten schließlich, dass er sich die nächsten Touris ausgesucht hatte, mit denen er dann quatschte. Natürlich bekam eines der Mädchen dort dann auch eine Massage. Vielleicht hat er ihr ja auch erzählt, dass er gerne Kinder mit einer Europäerin haben möchte.

Am nächsten Nachmittag schaffte ich es schließlich mich für den Erkundungsspaziergang der Insel aufzuraffen, allerdings erst so gegen 16 Uhr. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen strandaufwärts laufen, aber wie das nun mal oft so ist kann man einfach nicht aufhören durch die unbekannte Gegend zu laufen und bald war ich schließlich am Ende des einen Strandes angekommen, sodass ich kurz einen kleinen Trampelpfad folgen musste, der nicht direkt am Wasser war. Ich hatte gehört, dass es wohl so zwei Stunden dauern würde, einmal um die Insel zu laufen, also ging ich weiter. Ein Mann mit seinem Sohn, die beide auf gemieteten Fahrrädern unterwegs waren, kam in dem tiefen Sand auch nicht schneller voran als ich. Wir mussten beide ziemlich schmunzeln, dass ich sie immer wieder einholte. Es zogen schwarze Wolken auf, sodass der Sonnenuntergang auch an diesem Tag vor mir verborgen blieb, dennoch war dies ein wunderbarer Ort. Von Zeit zu Zeit passierte ich einige kleine Villas oder Tauchschulen, von den Bars summte leise Musik und die Touristen, die es an diese Orte getrieben hatte, aßen zu Abend. Meine Füße trugen mich immer weiter und ab und an kam mir ein Jogger entgegen, den ich ziemlich bewunderte, dass er bei dieser Hitze von mindestens 30 Grand noch Ausdauersport betreiben konnte. Auch eine Reiterin galoppierte irgendwann an mir vorbei. Die Regentropfen blieben zum Glück die ganze Zeit oben in den Wolken und kurz nachdem ich es geschafft hatte und wieder dort ankam, wo ich angefangen war, fing es ziemlich stark an zu schütten. So stark, dass die Restaurants sogar ihre Regenvorhänge neben den Tischen niederließen und der Strom teilweise ausfiel und man bei Kerzenschein dasaß. Selbst als ich später meine Freilufttoilette betrat, um mir meine Zähne zu putzen, regnete es noch in Strömen.