Small Harbor Town Padangbai

Im Lonely Planet hatte ich gelesen, dass Pandangbai ein kleines nettes Hafendörfchen sei und das es lohnenswert sei dort eine Nacht zu verbringen. Ich schlenderte ein wenig durch die Straßen, um mir mal wieder eine Bleibe zu organisieren und wurde schließlich wieder von einem Einheimischen angesprochen, der mir seine Unterkunft empfahl. Es sagte, dass sein Zimmer nur 70.000 kosten sollte, umgerechnet knapp über fünf Euro. Wie üblich bat ich ihn darum, ob ich es mir aber vorher kurz angucken könnte und er führte mich durch eine kleine verlassene Gasse, was mir nach kurzer Zeit schon ein bisschen unheimlich vorkam. Weit und breit war keine Menschenseele zu erkennen und es war auch schon ein bisschen duster. Ich schaute zurück und bemerkte zwei Jungs die langsam hinter uns her schlenderten und machte mir dann schon ein paar Gedanken, ob hier alles mit rechten Dingen zugehen würde. Bis jetzt wurde ich ja zum Glück vor dem Schlimmsten verschont. Ich blieb stehen und sagte, dass ich das hier schon ein bisschen komisch fand. Der Einheimische lachte und versicherte mir, dass alles in Ordnung sei und dass ich ihm vertrauen könne, ja sicher! Naja, dann überholten die Jungs uns und ich dachte mir mal wieder, no risk no fun und folgte ihm weiter und dachte die Situation im Griff zu haben. Ein paar Hühner liefen hier schließlich auch noch rum, aber würden die mir im Falle eines Überfalls sicherlich auch nicht weiter helfen können. Als er schließlich ein Tor öffnete und mich mir das Zimmer zeigte, war ich zunächst nicht sonderlich überzeugt. Das Laken war ziemlich verschmiert mit komischen Fettflecken. Ich fragte, ob er noch ein Extra Laken hatte, aber er zeigte mir dann einfach das nächste der drei Zimmer, die er hatte und ich nahm es. Eine Toilette gab es zwar, allerdings nur in Form eines kleinen Loches im Boden und dort musste man auch duschen, ein Waschbecken gab es nicht. Aber nun gut, ich nahm es, man braucht ja nicht viel um glücklich zu sein. 5 Euro, welch ein Schnäppchen!

Später am Abend machte ich mich dann auf den Weg, um einen Blick auf den Hafen zu werfen und als ich wieder in der kleinen Gasse war, sprangen zahlreiche riesige Ratten über den Weg. Hm, interessant! Ratten hatte ich nämlich bisher noch keine in Asien gesehen, wie ich dann feststellte. In einem kleinen Shop, wo ich mein Wasser kaufte, kam ich mit einem Einheimischen ins Gespräch und wir quatschten für ein paar Minuten. Ich gesellte mich zu ihn auf seine Bank und ich fragte ihn danach, ob er auch grade diese eine große Ratte gesehen hatte. Er meinte, dass es davon ganz viele hier geben würde, weil die alle aus Jakarta oder von sonst wo her kämen mit den Fährschiffen. Schließlich war ich grade dabei mein Gemüse in Currysauce zu essen, als ein großer Typ aus Belgien fragte, ob er sich nicht zu mir setzen dürfe. Klar, meinte ich und war mal wieder erstaunt, wie einfach es ist neue Leute kennenzulernen. Wir saßen, aßen und quatschen im Schneidersitz auf einem Podest in einer Bar, wo gute Musik lief und dann verabschiedete ich mich, hatte ich mich vor ein paar Tagen zu einem Skype Date mit einer guten Freundin von zuhause verabredet.

In der Nacht wachte ich schließlich von Stimmen auf. Ich schaute auf die Uhr und es war gegen 2. Ein Typ und ein Mädel waren zu später Stunde noch in mein Nachbarzimmer eingezogen und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dachten, dass sie alleine hier im Hinterhof waren. Das Merkwürdige war, dass ich mir ziemlich sicher war, dass ich die Stimme des Mädels vorher schon einmal gehört hatte. Sie klang wie diese Schweizerin, die ich das erste Mal in Mersing getroffen hatte. Wir waren damals eine große Gruppe und sie zog schließlich mit einem Deutschen weiter in Richtung Singapur, der Rest unserer Truppe nach Pulau Tioman. Und durch Zufall hatte ich sie ja bereits auf den Gili Inseln im Hostel wiedergetroffen. Konnte es nun also sein, dass sie zufällig im Nachbarzimmer schlief? Ja, die beiden führten sehr intime Gespräche und ich konnte jedes einzelne Wort verstehen. Nicht, dass ich lauschen wollte, ich hätte mich viel lieber zurück in meine spannenden Träume verzogen. Die beiden faselten was von wegen „Sex ihres Lebens“ und das Mädel meinte aber, dass sie grade eine Art Krankheit da unten hätte. „Ähm ja, vielen Dank für die ganzen Infos. Könnt ihr jetzt bitte aufhören zu reden, ich möchte bitte weiterschlafen, “ dachte ich mir nur.

Morgens fragte ich den einheimischen Vermieter schließlich, welche Nationalität meine neuen Nachbarn denn hätten und er meinte, dass das Mädel Schweizerin war und der Typ aus Brasilien kam. War es möglich, dass mich nur der schweizer Akzent an sie erinnert hatte oder war sie es tatsächlich? Naja, ich lies diese Frage unbeantwortet und zog bereits früh aus dem Zimmer aus, weil ich nachmittags weiter nach Kuta reisen wollte.

Vormittags wollte ich mir allerdings noch ein wenig die Umgebung anschauen. Auf der Straße fragte ich einen Einheimischen in welche Richtung es sich denn lohnen würde zu gehen. Ein Tourist, den ich am Vortag bereits getroffen hatte und der mir die Richtung der Hauptstraße gezeigt hatte, bekam im Vorbeigehen meine Frage mit und zeigte in die eine Richtung wo es den sogenannten „White Sand Beach“ geben würde, der wohl ganz toll sein sollte. Er erklärte mir kurz, wo ich langlaufen sollte und dann machte ich mich auf den Weg. An einer Kreuzung fragte ich einen Polizisten nochmals und dann ging es hoch auf eine Bergstraße und die Erkundungstour begann. Ich lief bereits ein Stückchen und wollte grade wieder jemanden nach dem Weg fragen und die Frau zeigte direkt auf einen kleinen verlassenen Schotterweg gegenüber von ihrer kleinen Hütte. Ich bedankte mich und sollte nun noch weiter auf den Berg steigen. Sie rief mir noch „Water?“ hinterher, aber meine Wasserflasche hatte ich bereits im Gepäck.

Nun war ich wirklich abseits des Mainstreams. Der Schotterweg war steil und schon bald konnte ich hinunter ins Tal und auf den Hafen blicken. Fantastisch! Es war früh am Morgen und das perfekte Sportprogramm um in den Tag zu starten. Meine Füße trugen mich weiter und weiter. Ich bemerkte eine einsame Kuh im Gebüsch, die wohl auch sehr entspannt in den Tag gestartet war. Hier haben die Tiere wirklich ein tolles Leben und schon bald führte mich nur noch ein kleiner Trampelpfad durch die Wildnis. Ich hoffte, dass es hier keine gefährlichen Tiere geben würde. Es war weit und breit niemand in Sicht und hören konnte man auch nichts, außer der wunderbare Natur. Schmetterlinge flogen durch die Gegend und am Himmel war keine einzige Wolke sichtbar. Ich ließ mich von dem Weg treiben, ob ich jetzt am Strand ankommen würde oder nicht, war mir schon bald ziemlich egal, da ich den Spaziergang einfach nur mit jedem Atemzug genoss. Es war toll sich einfach treiben zu lassen und es gab so viel zu entdecken und zu beobachten. Am besten waren wohl die ganzen glücklichen Kühe, die ich immer mal wieder hinter einem Busch entdeckte. Irgendwann nahm ich dann dieses laute Rauschen des Meeres wahr und vermutete, dass ich wohl auf dem richtigen Weg sein musste. Ein Fischer lackierte grade sein Boot über und war wohl etwas erstaunt, dass ich mich zu seiner Hütte verirrt hatte. Ich lief unter den großen Palmen unter durch und winkte ihm freundlich zu. Im Gegenzug bekam ich ein großes Lächeln. Ich fragte ihn, ob es okay wäre, dass ich hier an den Strand gehen dürfe, wusste ich nicht, ob das hier sein Grundstück sei oder nicht. Er lächelte nur und winkte mich durch. Ironischerweise fand ich dann allerdings keinen „White Sand Beach“ sondern einen „Black Sand Beach“, was wirklich interessant war. Bali ist ja eine Vulkaninsel.

Ich knipste kurz ein paar Bilder und schlenderte dann den Strand entlang zurück in Richtung des Ortes, musste aber bereits nach einigen Meter über Felsen und getrocknete Lava Formatierungen klettern, welch eine Erkundungstour! Das Meer peitschte gegen das Gestein und ich kletterte und kletterte. Schon bald wollte ich wirklich nicht mehr umdrehen, auch wenn es immer schwieriger wurde voran zukommen. An einer Stelle hatte das Meer ein großes Loch in das Gestein geformt und die Wellen strömten dort hinein, das Wasser spritzte dort hinein und schaukelte gewaltig hin- und her. Dort musste ich also vorsichtig vorbeiklettern und im Kopf malte ich mir bereits aus, dass ich dort nun wohl hineinstürzen würde und keine Menschenseele es mitbekommen würde. Mit Hilfe eines Adrenalin war es dann allerdings kein Problem und ich schritt fort. Der Weg wurde aber nicht besser. Ich befand mich nun wieder in einem kleinen Abenteuer und konnte nur hoffen, hier wieder rauszukommen. Die Wellen peitschten und glücklicherweise konnte ich schließlich zwei einheimische Angler erkennen, die ich dann fragte, wo es langgehe. Ich meine, natürlich wusste ich, dass es nur zwei Alternativen gab, die eine oder die andere Richtung. Der eine Typ zeigte aber zum Glück in die Richtung in welche ich ging und ich schaute immer wieder zurück und fragte ihn durch Handzeichen, ob es auch wirklich stimmte. Er war wohl etwas amüsiert über meine Gegenwart an dieser verlassenen Stelle zwischen den Felsen aber dann entdeckte ich zum Glück eine Art Treppe, die hinauf zur Klippe führte. Ich schaute hinunter auf die atemberaubende Landschaft, was für eine Aussicht. Die Treppe wirkte nicht sonderlich beansprucht und ich musste immer wieder durch Gestrüpp klettern, um die nächsten Stufen gehen zu können und schließlich war ich oben angekommen. Wo war ich denn nun bitteschön angekommen? Es war die Ruine eines riesigen Gebäudekomplexes, der erbaut aber nicht fertiggestellt wurde. Wow! Ich schritt durch die leeren Räume und stellte mir vor, welch ein schönes Hotel es wohl geworden wäre. Die Aussicht war ja der ober Hammer von hier oben. Ich glaub irgendwelche Jugendlichen trafen sich hier in ihrer Freizeit, bemerkte ich die zahlreichen Graffitis an den Wänden.

Naja, und zum Schluss fand ich dann auch doch noch den sogenannten „White Sand Beach“. Es war eine kleine Bucht und die Wellen dort waren gewaltig. Ich entspannte und las mein Buch und schlug schließlich den Heimweg zurück in das Dörfchen ein, wo ich um die drei Stunden auf mein Großraumtaxi zurück nach Kuta warten musste. Nicht, dass mich das störte. Ich hatte einige nette Unterhaltungen mit den Einheimischen, die dort ebenfalls am Hafen chillten. Ein Mädchen lies mich sogar ihre Bananenschüssel auf meinem Kopf balancieren. Echt krass wie die Frauen die schwersten Dinge hier auf ihren Köpfen durch die Gegend trugen.