The Gili Islands

Nach einer Nacht in Nusa Lembongan machte ich mich dann schon weiter auf den Weg in Richtung der Gili Inseln. Viele Reisende hatten mir bereits berichtet, dass es dort wohl absolut paradiesisch sei. Ich wollte sicherstellen, dass ich dort dann genügend Zeit zur Verfügung hätte und ein paar Tage länger bleiben könnte, hatte ich jetzt nämlich nur noch knapp zwei Wochen bevor es zurück nach Deutschland gehen sollte. Es ist schon ein komisches Gefühl zu realisieren, dass ich bald nicht mehr die tägliche Frage beantworten müsse, wo ich denn am Abend schlafen würde. Ich fragte mich, wie es wohl sein würde, wenn ich schließlich im Flugzeug sitzen würde und dieses Abenteuer hinter mich lassen würde.

Am Abend zuvor hatte ich das Ticket für die Schnelle Fähre gekauft, was mich allerdings ein kleines Vermögen kostete. Auf der Insel kostete es 400.000 Rupiah, hatte ich doch zuvor in Kuta gesehen, dass es dort nur 180.000 kosten sollte. Verständlicherweise versuchen die Leute auf der Insel die Preise in die Höhe zu treiben, sind die Touristen ja darauf angewiesen wieder von dort wegzukommen.

So ging es am Morgen schließlich auf die Fähre. Unsere Rucksäcke wurden mit einem Aufkleber versehen, der indizierte auf welche der drei Gili Inseln man wollte. Ich hatte mich für die größte Insel namens Trawangan entschieden. Da die Fähre voll mit Rucksacktouristen war, fand ich im hinteren Teil auf einer Notbank Platz, wo ich mit zwei Schweden ins Gespräch kam, die neben mir saßen. Ich freute mich immer über Schweden, sollte es für mich ja bald zum Mastern in ihr Land gehen. Ich war mir dennoch nicht sicher, ob ich es in einem Jahr schaffen würde die Sprache zu lernen, hörte sie sich doch schon ein wenig seltsam an. Ich fragte sie nach den größten schwedischen Zeitungen und sie meinten, dass die die Dagens Nyheter und das Svenska Dagbladet seien.

Das Boot legte eine ziemliche Geschwindigkeit vor und nach einiger Zeit waren diejenigen in der letzten Reihe durchnässt und einige versuchten geschickt ihre Bikinis anzuziehen. Das Wasser hatte durch die Sonnenbrille ein wunderschönes dunkelblau und wenn man zurückschaute sah man das Weiß des aufgewirbelten Wassers. Ich war mal wieder erstaunt, wie viele sich diese weißen Kopfhörer in die Ohren gesteckt hatten, benutzen wir doch alle mehr oder weniger Apple Produkte. Auch ich lauschte den Klängen meiner Reiseplayliste und im nächsten Moment waren wir auch schon angekommen.

Ja, es war ein Traum. Ich verstand sofort, warum alle von dieser Insel geschwärmt hatten. Die Wasserfarbe war alles andere, als was man zuvor gesehen hatte. Dies war das Hellste Türkis, das ich wohl gesehen hatte. Der Strand war weiß und der Himmel blau. Ich wartete auf meinen Rucksack und stand mit den anderen Reisenden im Wasser. Das Gili Hostel fand ich sehr schnell und dann hatte ich natürlich nur ein Ziel, den Strand, wo ich dann den Rest des Tages in eines der Bücher versunken war. An den Titel kann ich mich jetzt gar nicht mehr erinnern, fing man fast täglich an irgendetwas Neues zu lesen. Zeit spielt hier keine Rolle. Die Zeitrechnung ist nur wichtig für das Essengehen. Frühstück am Morgen, Mittag zwischen 12 und 14 Uhr und am Abend dann noch eine Kleinigkeit. Die Wochentage spielen dabei keine Rolle und kann ich gar nicht so genau sagen, welcher Tag selbst heute ist. Es ist ein wunderbares Gefühl.

Dann stand eine Art Blinddate an. Und zwar hatte ich während meines Austauschjahres in Indiana in den Jahren 2006 bis 2007 eine andere Austauschschülerin namens Helene kennengelernt, die aus Norwegen kam. Ich erinnere mich, dass wir damals so ein besonderes Verbundenheitsgefühl geteilt hatten, da wir beide aus Europa kamen und die kulturellen Unterschiede zu unserer Heimat dort gemeinsam durchstanden. Sie ging zwar nicht auf meine High School dort, aber trafen wir uns immer wieder bei den Treffen unserer Austauschorganisation, wenn wir denn dort teilnahmen. Wir hatten uns damals auch bei Facebook angefreundet, sodass man immer noch ungefähr wusste, was der andere denn grade so ungefähr treibt. Dort hatte ich schließlich auch gesehen, dass sie ihre Sommerferien schließlich auch auf Bali verbringt. Nachdem Grant ja leider viel zu früh aus Kuta abgereist war, hatte ich nicht sonderlich Lust auf Smalltalk mit irgendwelchen Leuten, die im Hostel waren allerdings alle ziemlich nett und doch sehr unterhaltsam. So schaffte ich es erst nach einigen Tagen mich bei ihr zu melden und ich war jetzt ja schon weitergereist. Sie antwortete, dass sie ebenfalls auf meine Route aufgebrochen war und zufällig auch grade auf der großen Gili Insel war. So verabredeten wir uns schließlich für den zweiten Abend auf der Insel und ich freute mich darüber, dass mich ein netter Deutscher aus Köln und eine flippige Engländerin zu dieser Art Blinddate begleiteten. Nicht, dass das irgendwie komisch kommt, aber hatten wir uns nun ja wirklich zahlreiche Jahre nicht gesehen und sie war dort auch nicht eine meiner engsten Freundinnen gewesen, also kannten wir uns eben nicht auf so einer vertrauten Ebene.

Gegen 20 Uhr hatten wir uns schließlich verabredet und ich hoffte sie an unserem Treffpunkt, vor so einem Restaurant, dass im Lonely Planet stand, wieder zu erkennen. Plötzlich hörte ich meinen Namen rufen und da war sie. Wie komisch! Ich erinnerte mich an die Zeit, in welcher ich ihr Gesicht als letztes in Echt gesehen hatte und wie lange das nun schon her war und dass sich in unseren Leben so unglaublich viel verändert hatte. Zuerst wusste man gar nicht so genau, was man sagen sollte außer deine Euphorie auszudrücken aber dann zogen wir los und suchten uns eine nette Bar. Sie hatte ihren Freund an ihrer Seite, den ich zugegebenermaßen bereits im Voraus schon bei Facebook gestalkt hatte und in Echt wirkte er so unglaublich schüchterner, es war witzig. Unsere Runde war ziemlich cool, da wir schließlich insgesamt angewachsen waren. Unter unseren Nationalitäten fanden sich Deutsche, Holländer, Engländer, Franzosen, Norweger und eine Brasilianerin. Wir saßen auf dieser traumhaften Insel gemeinsam beisammen und tranken unser Bier namens Bintang. Wir saßen, quatschten, tranken und hatten enormen Spaß miteinander, der schließlich, für meine Verhältnisse hier zur Zeit, ziemlich spät gegen zwei Uhr nachts endete.