„Happy Places“ & Gangs in Vang Vieng

Das Erste, was uns in Vang Vieng auffiel, waren diese kleinen Viecher, die man nicht einmal sehen konnte. Alle Leute kratzten und juckten sich und so suchten wir uns schnell ein Gästehaus. Artig zogen wir vor Eintritt in die Empfangshalle unsere Schuhe aus, da das so ein weiterer Brauch in Laos (in Asien wohl allgemein) ist.

Der Typ von der Bar „Utopia“ aus Luang Prabang hatte uns empfohlen als erstes zur Irish Bar zu gehen, um nach Gary zu fragen. Dies sei ein guter Freund von Rob und er kenne wohl die besten Plätze in dieser relativ kleinen Stadt am Fluss. Dort wimmelte es dann von Touristen und Gary versicherte uns, dass seine Bar die Beste sei – natürlich. Wir setzten uns zu einem etwas einsam aussehenden Kanadier, der sein Knoblauchbrot aß und schon seit ein paar Tagen in der Stadt sei, wie sich herausstellte. Wir merkten schnell, dass er wohl nicht wirklich einsam war, sondern eher etwas von sich überzeugt. Er wollte uns einen „Happy Place“ zeigen, da dies wohl zu den Dingen gehört, die man in der Stadt machen sollte.

Wir schlenderten durch die Straßen und er gabelte unterwegs noch zwei Blondinen aus Los Angeles auf, die wohl die Einzigen weit und breit waren, die auf ihrer Reise noch Make-Up trugen. Nichts gegen Vorurteile, aber diese Mädels glichen wirklich Kalifornierinnen aus dem Bilderbuch. „Oh, yeah – I’m doing PR for Eva Longoria“ und solche Sachen. Die waren nicht wirklich gesprächig und interessierten sich eher für den Kanadier, aber unser Dreierteam, Sashi, Lilly und ich konnten nur schmunzeln.

Zurück zum Thema „Happy Place“. Wir machten es uns auf im Schneidersitz an einem kleinen Tisch mit Matten als Sitzplätze gemütlich und ein belgischer Kellner brachte uns die Menüs – und einen Eimer. Auf diesem Eimer standen dann die Spezialitäten, die man in dem Restaurant bestellen konnte. Neben Joints, verschiedenen Opium Tees gab es auch die sogenannten Mushroom Shakes. Es war verrückt, aber dies erklärte natürlich auch den Namen dieser Gaststätte. Die aufgestylten Amerikanerinnen und der Kanadier bestellten sich schließlich ihre „Happy Shakes“. Wir verweilten einige Stunden, hatten interessante Gespräche mit einigen Schweizern, die sich noch zu uns gesellten und genossen wie immer unser Reiseleben.

Später wollten wir noch schnell runter zum Fluss, um dort kurz die Gegend zu erkunden. Es waren wirklich nur zwanzig Meter runter bis zum Wasser und Lilly und ich wollten uns einfach nur auf eine schöne Brücke setzen, um die Ruhe zu genießen. Sashi, die in Indien aufgewachsen ist, machte einen riesen Aufstand und wollte dort nicht hingehen. Wir verstanden in dem Moment nicht wirklich ihr Problem.

Nach einigen Minuten kamen noch zwei Holländer auf die Brücke, setzten sich zu uns. Wie es deren Mentalität wohl wollte, zündeten diese sich schließlich einen Joint an. Ähm, ja! Wir beschlossen dann schließlich einfach zu gehen, man weiß ja nie. Kurz bevor wir wieder runter von dieser Brücke waren, kam jedoch ein Typ zu uns und fragte nach einem Feuerzeug. Nichtsahnend gab Lilly im ihres. Als sie dies dann zurückhaben wollte hieß es: „No, no, Stop – Poilce!“. Das konnte doch nun wirklich nicht wahr sein! Wir schauten zurück in Richtung Brücke und natürlich hatten sich die Holländer schon längst aus dem Staub gemacht. Ich dachte nur noch, dass es das nun gewesen sei und wir als nächstes in einer laotischen Gefängniszelle den Rest unseres Lebens verbringen würden. Es war stockdunkel und unheimlich und schrecklich. Der Polizist blockierte den Weg mit seinen Armen und aus der Ferne konnten wir andere Typen kommen sehen. Wir beschlossen die Flucht zu ergreifen und rannten so schnell wir konnten mit unseren Wertsachen in irgendwelche Richtungen davon. Ich glaub ich hab noch nie zuvor in meinem Leben dieses Gefühl von Panik gehabt. Was hätten wir auch machen können. Es schien ja so, als hätten wir mit den Holländern zusammen geraucht.

Als ich außer Atem oben auf der kleineren Hauptstraße war versuchte ich mich in irgendeinem Hinterhof zu verstecken, aber es war irgendwie kein geeigneter Ort zu finden. Nach einigen Minuten musste ich mich also überwinden, um auf der menschenleeren Straße Richtung irgendeiner Menschenmasse oder ähnlichem zu suchen. Ich hatte wirklich keinen blassen Schimmer, was ich tun sollte. Schließlich kam Lilly um die Ecke gebogen und auch Sashi tauchte schließlich aus dem Nirgendwo wieder auf. Die beiden hatten erstaunlicherweise weitaus weniger Angst als ich, sodass ich mich etwas beruhigen konnte, da ich jetzt ja wieder mit denen war.

Daraufhin fasste Sashi ihre V ersion des Geschehens kurz zusammen. Als wir nämlich dort unten mit dem Typen standen, konnte sie sehen, dass er wohl nicht wirklich von der Polizei sei, weil er in ihren Augen doch ziemlich jung aussah. Sie meinte auch, dass Brücken die unsichersten Orte schlechthin seien. Sie war sich ziemlich sicher, dass es sich bei den Typen also um Jungs handelte, welche die doofen und unwissenden Touristen ausnutzen. Jedem ist schließlich bewusst, was in diesen „Happy Places“ verkauft wird. Zuvor hatten uns der belgische Kellner und der Kanadier bereits davor gewarnt, dass es in den Gaststätten geduldet und akzeptiert wird Drogen zu verkaufen. Abseits dieser Orte gibt es aber keine Sicherheit und sollte ein Tourist mit Drogen irgendwelcher Art erwischt werden, dann war es das.

Nun gut, ich versuchte Sashi also Glauben zu schenken, alles sei halb so schlimm? Wir konnten dennoch nicht bestreiten, dass wir Angst hatten. Sashi hatte immer noch ihr Pfefferspray in der Hand und als wir schließlich andere T ouristen an einer Straßenecke sahen, setzten wir uns erst einmal zu denen, um etwas Zeit vergehen zu lassen. Sashi bestand nämlich darauf, nicht direkt zum Gästehaus zurückzukehren. Plötzlich fuhr jedoch ein Truck an uns vorbei und hinten auf der Ladefläche stand genau dieser Typ vom Fluss. Er schaute uns direkt an und erkannte uns wohl wieder. Trotz dessen blieben wir noch etwas in der Masse und machten uns schließlich auf den beleuchteten Straßen auf in Richtung unseres sicheren Schlafplatzes. Alles ist gut gegangen und über Brücken habe ich nun so einiges für mein Leben dazugelernt, so doof dies auch klingen mag.