Old Capital Luang Prabang

Am frühen Morgen, als wir uns Richtung einer neuer Unterkunft machten, konnten wir Mönche beobachten, die mit großen Kelchen an der Straße entlang liefen. Am Straßenrand saßen mehrere Frauen, die diesen Mönchen dann Brot oder sonstige Nahrung in den Kelch reichten. Ich konnte nicht genau erkennen, um was es sich genau handelte. Dennoch war es ein besonderer Moment, die verschiedenen Mönchgruppen in ihren orangenen Gewändern an der Straße zu sehen. Sashi war ganz wild darauf diesen Moment mit Fotos festzuhalten, aber da unser Tuk Tuk Fahrer mit lebensgefährlichem Tempo davon düste, war es nicht so möglich. So nahm sie sich fest vor am nächsten Tag um Punkt sechs Uhr früh dort wieder aufzukreuzen, um in Ruhe ihre Bilder zu machen. Es sei an dieser Stelle wieder darauf hingewiesen, dass es einer Frau nicht gestattet ist, einen Mönch zu fotografieren, aber nun gut.

Als uns unser Tuk Tuk Fahrer schließlich an einer Straßenecke raus lies und wir ihm brav unsere Scheine in die Hand drückten, machten wir uns auf die Suche nach dem Gästehaus. Als wir in der Lobby standen, kam uns eine ältere Dame mit knappen Handtuch bekleidet entgegen. Es war ja wirklich früher Morgen, als wir dort eintrafen. „No, no. We’re not open“ und sie zeigte auf ein Schild, dass auf Renovierungsarbeiten hinwies. Herzlich meinte sie jedoch, dass wir ihr folgen sollten, da ihre Cousine nebenan über Zimmer verfügte. So folgten wir ihr mit unseren Rucksäcken durch die hinteren Räume ihres Hauses. Einige weitere Laoten schauten uns aus einigen Zimmern skeptisch an, aber ihre Cousine nahm uns ganz herzlich auf. Wir prüften die Zimmer schnell auf Sauberkeit. Alles war okay und wir hatten es wieder einmal zu einem weiten temporären zuhause geschafft. Der Aufenthaltsbereich war ein Traum. Es gab kostenlosen Instant Kaffee! Natürlich entspricht dies nicht den europäischen Wunschvorstellungen, aber als Reisender in Asien kann man sich über jegliche Art von Kaffee glücklich schätzen. Im Halbschlaf verbrachten wir dann einige Stunden dort. Konnten unsere Emails lesen, Kaffee trinken und den Trubel in Luang Prabang beobachten. Hier war auf jeden Fall mehr los, als in Luang Namtha, der Stadt von welcher wir kamen.

Ich glaube, dass Luang Prabang früher einmal eine französische Kolonie gewesen ist. So hatte die ganze Stadt neben den laotischen Straßenamen auch französische Untertitel. Es gab zahlreiche französische Cafés und auch sonst könnte man mit zusammen gekniffenen Augen denken, dass man sich irgendwo in Frankreich befindet. Natürlich waren da jedoch noch die ganzen buddhistischen Tempel und, dass man sich in Laos befand, war wirklich nicht zu leugnen. Das Schlendern durch die Straßen war sehr nett. Es war sauber und grün, trotz der Hitze. Wir schlenderten umher, schauten uns die ganzen kleinen Läden an, probierten Schmuck an, kühlten uns in klimatisierten Läden etwas ab und machten uns dann auf in Richtung eines französischen Cafés, auf welches der Lonely Planet hinwies. Lilly, die Französin, konnte uns die französischen Gerichte im Detail erklären.

Schließlich machten wir uns wieder auf den Weg Richtung unserer Unterkunft. Wir hatten Glück, dass der abendliche Markt ebenfalls auf dem Nachhauseweg lag. So stöberten wir noch ein bisschen mehr durch die laotischen Souvenirs. Hauptsächlich gab es auch hier T- Shirts mit den verschiedensten Aufdrücken, Taschen, Schmuck, Whiskey, kleine Buddha Staturen und sonstigen Kleinkram zu kaufen.

Am folgenden Tag wollte Sashi eigentlich ein bisschen Sightseeing unternehmen. Wir einigten uns jedoch zunächst auf ein Frühstück, sodass wir alle gestärkt für die Wanderung gewappnet sein würden. Am Abend zuvor erklärte uns ein anderer Tourist, dass die Bar „Utopia“, der Platz in Luang Prabang war, wo es alles gibt – von guten Essen bis hin zu netter Gesellschaft uns Bier am Abend. So war es dann auch. Die Location war paradiesisch. Von der Hauptstraße aus gab es kleine Hinweisschilder, die uns durch kleine Gassen führten. Man fühlte sich wie bei einer Schnitzeljagt. Die Hinweise waren nicht immer allzu gut erkennbar, aber es war sehr nett. Die bar glich wirklich einem kleinen Paradies. Es gab eine große Empfangshütte ohne Wände. Draußen gab es überall kleine Holzstühle und Bänke zwischen den Palmen. Es war grün und wunderbar. Das Beste war jedoch die Aussichtsplattform aus Bambusstelzen, auf welcher Matten mit Lehnen zum Entspannen ausgebreitet waren. Die Aussicht auf den Fluss direkt vor uns und die eiskalte Limonade bzw. das Bier rundeten die Situation ab. So kam es dann auch, dass aus Sashis Sightseeingplänen wenig wurde.

Etwas naiv machten wir uns dann am Abend auf in Richtung eines Hügels mitten in der Stadt, auf welchem sich ein Tempel befindet, den wir erkunden wollten. Es war dunkel, aber der oben gab es Beleuchtungen. Da wir ja bereits das harte Trekking überstanden hatten, machten wir uns auf die unzähligen Stufen empor zu steigen. Es war dunkel und gruselig. Auf halber Strecke konnte man einen Zwischenstopp einlegen. Wir relaxten auf den Bänken und genossen die Lichter der Stadt, die man von dort oben sehen konnte. Nach einigen Minuten kam jedoch ein Einheimischer angeschlichen. Im ersten Moment dachten wir, dass er nicht bekleidet sei! Dann stellte sich heraus, dass er untenrum zum Glück eine Hose trug. Trotzdem sehr mysteriös, besonders da er auch kein Wort Englisch sprechen konnte und einfach nichts sagte. Zum Glück waren wir zu dritt. Anstatt dann einfach wieder runter auf die Hauptstraße zurückzukehren, nahmen wir uns die weiteren Stufen hoch zum Tempel vor. Wir schafften es! Oben war es noch schöner als erwartet! Leider mussten wir uns dann jedoch wieder auf den Weg nach unten machen, da die Beleuchtung die Mücken und Ungeziefer dort einfach magisch angezogen haben.

Es stellte sich dann heraus, dass jedoch alles im Ort geschlossen hatte. Die Stände vom Nachtmarkt waren abgebaut und es war kaum noch eine Menschenseele mehr auf der Straße war und nein, es war wirklich grade einmal um Mitternacht. So lernten wir wieder einmal die laotische Kultur kennen Trotzdem wollten wir nochmal schauen, ob es in der hippen Bar „Utopia“ noch irgendetwas zu erleben gäbe. Auf de Weg dorthin kamen uns jedoch nach und nach kleine Grüppchen entgegen, die meinten, dass dort nichts mehr sei. „Alle gehen jetzt zum Bowling Center“, hieß es von allen Seiten. Etwas unentschlossen liefen wir zunächst einmal zurück zur Hauptstraße. In Deutschland mag es bei der jüngeren Generation zur Tradition geworden sein, sich in der Nacht nach dem Feiern noch schnell einen Döner zu holen. In Luang Prabang, ich glaube der zweitgrößten Stadt in Laos gab es um die Uhrzeit allerdings nur einen einzigen Baguette-Essens-Wagen. Man kann sich diesen als kleine Küche vorstellen, den dann die Essensdamen vor sich rumschieben. Es war um diese Uhrzeit jedoch wirklich ein bisschen unheimlich, da es absolut stockdunkel war und auch kaum Geräusche zu hören waren. Im Halbdunkel konnte man erkennen, dass hinter dieser Essensdame ein Mädchen im kurzen Rock auf und ab lief, eher gesagt ein Ladyboy (also untern Mann, oben Frau). Ich hatte diese Art Personen ja bereits in Bangkok kennengelernt, aber auf der verlassenen Straße im Dunkeln war es einfach nur mysteriös. Ohne Zweifel bat er bzw. sie sich zur Prostitution an. Naja, nachdem die Französin Lilly unter uns sich dann ihr Baguette bestellt hatte, ging es dann letztendlich auch für uns per Tuk Tuk in Richtung Bowling Center. Wir lehnten dankbar ab, als der Tuk Tuk Fahrer, der kaum noch Zähne hatte, uns Gras zum Rauchen verkaufen wollte.

Als wir dann die Tür zum Bowling Center öffneten, traf es uns wie ein Schlag! Man kam sich vor wie in irgendeinem amerikanischen Teenie Film. Es war eine Massenveranstaltung. Blonde junge Mädchen aus Australien und von überall her, Jungs in Muskelshirts und nochmal wieder Bier. Einige ältere Franzosen gesellten sich zu uns. Dann kam auch ein Einheimischer und wir hatten tolle Gespräche. Wir wunderten uns, warum es denn erlaubt sei, dass die Bowling Bahn zu dieser Zeit noch offen war, da ja sonst alles geschlossen hatte. Es stellte sich heraus, dass die Bowling Bahn einem Chinesen gehörte. Zuvor hatten wir von Rob, dem Besitzer von „Utopia“ gehört, dass Geschäfte hier wirklich nur über Verbindungen zu den richtigen Leuten funktionieren. Der Einfluss der Chinesen hier sei enorm. Sie wohnen in großen schicken Häusern, die abgezäunt und verriegelt sind. Rob ging wirklich stark davon aus, dass Laos in fünf Jahren oder so komplett unter dem Einfluss der Chinesen stehen würde. Man hatte ja schon viel über die chinesische Macht gelesen und gehört, aber dieses mit eigenen Augen zu sehen und zu erfahren, war schon sehr cool. Das ist wirklich das tolle am Reisen. Klar gibt es die Touristenattraktionen, Tempel und so weiter, aber die Geschichten, die man von Leuten erfährt sind noch eine andere Nummer. Rob, der gebürtiger Kanadier ist, hatte vor vier Jahren beschlossen die Bar von einem Einheimischen zu mieten und groß zu ziehen. Er habe aber schon wirklich schlimme Dinge erfahren. Nicht nur, dass die Einheimischen oftmals heimlich Feuer legen, um die tolle Bambusterrasse nieder zu brennen, es wird auch ständig bei ihm eingebrochen, sodass selbst die dicksten Schlösser kaum etwas zur Sicherheit beitragen würden. Wenn er mit seinem Roller durch die Straßen fährt, reden die Einheimischen sofort darüber, dass er nicht zuhause sei und so weiter. Das Leben funktioniert hier einfach anders. Die Leute sind arm und in seine Bar gehen einfach die meisten Touristen, also kann man den Neid schon nachvollziehen. Er verfügt aber natürlich nicht über Verbindungen zu den Chinesen, also ist er gezwungen die Türen um halb zwölf nachts zu schließen. Sollte noch ein Gast um zwölf in seiner Bar sein, bekommt er eine Geldstrafe. Wird er das dritte Mail erwischt, dann kann er seinen Laden schließen.

Wie dem auch sei, die Bowling Bahn war für uns nun nicht so der Schlager, vielleicht lag es auch einfach mit an der Musik, die keinen von uns wirklich ansprach. Es liefen so die absoluten Popsongs. Lilly, die Trance Musik liebte und schon zu vielen Festivals gepilgert ist, traf es wohl am Schlimmsten. Trotzdem gab es interessante Geschichten bei Bier und Chips mit Franzosen und dem Laoten. Letztendlich suchten wir uns dann den günstigsten Tuk Tuk Fahrer heraus, die alle vor dem Gebäude auf die Touristen warteten. So verdienen sie schließlich ihren Lebensunterhalt. Als wir schon eine Weile auf der Rückbank unterwegs waren, hielt der Fahrer plötzlich an. „You want smoke?“, meinte er ganz leger. Wir lehnten dankbar ab, verbrachten noch ein wenig Zeit miteinander in der Lobby und schon wieder war ein verrueckter Tag von uns Abenteurern voruebergegangen.