Story about Money Laundry

Das Gute an dem Gästehaus in Vientiane waren die verschiedenen Reisenden, die man kennenlernte. Unten in der Lobby waren ständig irgendwelche Leute anzutreffen und man kam immer gut ins Gespräch.

An einem Morgen hatte eine Vietnamesin die Hände von einigen von uns betrachtet und daraus unsere Lebensgeschichten abgeleitet. Man hat ja schon vorher mal davon gehört, dass es Leute geben soll, die so etwas machen. Als sie es dann aber auch bei mir tat, war ich wirklich etwas perplex, da sie Dinge ansprach, die sie eigentlich nicht hätte wissen können. Naja, vielleicht alles nur eine Sache der Interpretation.

Dort lernte ich aber auch einen netten Schweizer kennen, der grade fertig mit dem Studieren sei und sich nun selbstständig machen wollte. Er wolle irgendein Gut oder desgleichen finden und dieses dann nach Europa exportieren. Auf den ersten Blick erschien mir diese Idee doch sehr utopisch, aber nach längeren Gesprächen klang es schon sehr interessant. Man müsse sich halt einfach einmal trauen und er verband dies also mit seiner Reise.

Am Tisch saßen auch noch zwei Mädels mit am Tisch. Sie hatten etwas an sich, was ich auf den ersten Eindruck nicht ganz einzuschätzen konnte. Sie wirkten jedoch als alles andere als unverfänglich. Ein Mädel davon wohl auch in demselben Zimmer mit dem Schweizer.

Nun zu der wohl merkwürdigsten Person am Tisch, dem Sudanesen Achmet. Er hatte an den Tagen zuvor schon immer lautstarke Unterhaltungen geführt und war sehr extrovertiert. Er wirkte freundlich und höflich und abends schlug er dem Schweizer und mir vor in dem Restaurant gegenüber der Straße ein Baguette essen zu gehen. Unsere Gespräche waren sehr offen und wir genossen das Essen in Kombination mit einem gekühlten Bier. Wenn man mit Achmet redete, merkte man gleich, dass er auch einer anderen Kultur kam. Er war sehr spendabel und wollte unser Essen zahlen (am Abend zuvor hatte er uns schon eine Runde Bier spendiert). Ich wollte mehr über ihn erfahren, was er so macht und warum er in Vientiane sei. Da schon einige Zeit vergangen war und wir offene Gespräche führten, kam also auch eine offene Antwort von ihm. „Laundry“, meinte er. Wir verstanden nicht recht, obwohl sein Englisch wirklich sehr gut war. „Money Laundry? You’ve heard of it?“ Etwas verwirrt wusste ich dann doch etwas mit dem Begriff anzufangen. Nun gut, wir waren ja offen miteinander und mir war schon bewusst geworden, dass die Geschichten, die man von den Leuten hört, die man auf der Reise trifft, einen ebenso großen Wert haben wie die sichtbaren Dinge. Wie dem auch sei, wir fragten nach etwas mehr Erläuterung. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass er Geld für Personen von Konten transferiert, die dazu selbst nicht in der Lage sind. Als Beispiel wurf er den Namen Bin Laden in die Runde.

Okay, so saßen wir also in gemütlicher Runde mit dem gesprächigen Achmet. Man soll ja keine Vorurteile haben und einfach die Flucht ergreifen konnte ich auch nicht, es war ja trotz allem ein nettes Gespräch und wir erfuhren viel über die sudanesische Kultur. Der Schweizer wollte unbedingt noch einen Schluck von irgendeinem besonderen Alkoholgetränk probieren, welches Achmet wohl in seinem Zimmer hätte. Etwas merkwürdig, aber es stellte sich raus, dass Achmet nicht bei uns in dem Gästehaus wohnte, sondern zwei Straßen weiter. Als Deutsche ließ ich einen Schweizer also nicht im Stich und wir gingen. Plötzlich fing es aus dem Nichts an zu regnen, eher gesagt zu gießen. Das war er sicherlich, dieser Monsun! Unglaublich wie viel Wasser auf einmal auf der Straße stand und es hörte einfach nicht auf. Achmet wollte grade ein Taxi rufen, als der Schweizer und ich ihn jedoch umstimmen konnten. Wir liefen auf der menschenleeren Straße im Monsun und waren schon nach einer Minute durchnässt. Es stellte sich mal wieder heraus, dass Flip Flops für Märsche im Wasser nicht sonderlich geeignet waren.

Achmets Zimmer hatte lediglich zwei riesige Matratzen, die als Bett dienten und eine Bettwäsche, auf der „Kiss Me“ stand. Als er dann aus dem Badezimmer wiederkam und nur mit einem kleinen Handtuch bedeckt war, war es ja noch in Ordnung. Ich dachte er wolle sich nur schnell trockene Kleidung anziehen. Im Gegensatz, er setzte sich als zu seiner „Kiss Me“ Bettwäsche und holte den tollen Schnaps hervor. Ich lehnte ab, aber der Schweizer war ganz begeistert.

Da es draußen ja noch so schüttete, gingen wir also noch nicht direkt wieder. Als ich ihm sein Handy wiedergeben wollte, dass er zum Schutz vor dem Regen, in meinen Rucksack gepackt hatte, fiel mir auf, dass es sich dabei wohl nicht um ein normales iPhone handelte. Ich fragte ihn und er meinte, dass es eine Fälschung sei. Um sich das Menü genauer anzuschauen war es nötig ein kompliziertes Quiz oder so etwas zu lösen. Der Geldwäsche Mensch Achmet schützte sein Handy also mit so einer Sache. Es war schon sehr mysteriös mit ihm und dem Handtuch. Freundlich löste er mir sein Quiz und gab mir sein Handy, weil ich doch sehr interessiert war. Fasziniert drückte ich aus Versehen auf die Foto-App und im nächsten Augenblick fielen mir seine 270 obszönen Pornofilme auf. Ähm, etwas schockiert und irritiert gab ich Achmet also schnell sein Handy zurück. Ich erzählte dem Schweizer schnell auf Deutsch davon und wir wollten uns wohl lieber auf den Weg machen. Keine Ahnung bei welchem Typen wir hier gelandet waren.

Wir waren fast bei uns angekommen und waren noch sehr fassungslos von Achmet und seiner Geschichte, als er plötzlich neben uns auf einem Fahrrad auftauchte. V erfolgte er uns? Wir sahen noch aus der Ferne wie er bei uns ins Gästehaus ging. Am nächsten Tag berichtete mir der Schweizer, dass das Bett neben ihm, in welchem eines dieser merkwürdigen Mädchen schlief, leer geblieben sei. Ich war verwirrt, aber ein weiterer Typ erklärte mir, dass es sich bei denen um Prostituierte handelte.