The Quiet Town of Huay Xai

Nachdem Lilly und ich nun auf der anderen Seite des Flusses angekommen waren, machten wir uns auf die Suche nach dem laotischen Grenzhäuschen. Der Lonely Planet hatte uns mal wieder gut vorbereitet und so konnten wir ohne Probleme mit unseren 30 US Dollar ein 30 Tage Visa-On-Arrival bekommen. Der Grenzjunge war sehr witzig. Er fragte wo wir schlafen wollten und wollte uns gerne mit zu sich nehmen. Leider konnten wir seine Sympathie nicht für uns nutzen, um den Preis ein wenig runter zu handeln.

Da Lilly und ich beide keinen besonderen Plan hatten, was wir nun als nächstes machen sollten, guckten wir uns die Hauptstraße ein wenig an. Ja, in dem Moment konnte man bereits den Unterschied zu Thailand erkennen. Die Autos bzw. eher gesagt die Motorroller fuhren wieder auf der rechten Seite auf der Straße, da Laos früher keine britische Kolonie gewesen ist. Aber auch sonst konnte man sehen, dass es diesem Land schlechter geht als Thailand. In Thailand gibt es, wie bereits erwähnt, an jeder Ecke einen 7-Eleven, wo man wirklich alles kaufen kann, was man braucht, in Laos war dies nicht der Fall. An der Hauptstraße reihten sich die kleinen Häuser aneinander. Im vorderen Bereich dieser Häuser gab es Sachen zu kaufen wie Chips, Früchte und sonstige Dinge, allerdings im Laos-Style.

Nun gut, Lilly tauschte ihre letzten Bahts (thailändische Währung) um, wir verbrachten einige Zeit auf irgendeiner Bank und beobachteten das Geschehen, obwohl die Stadt wirklich fast menschenleer war. Da Lilly mit einem Reiseführer nur für Laos ausgestattet war (meiner umfasst Gesamt Südostasien), beschlossen wir gemeinsam Richtung Norden zu fahren, da es dort anscheinend schön sein sollte.

Die Verhandlungen mit den Tuk Tuk Fahrern, die uns zur Busbahnhof fahren sollten, verliefen nicht sonderlich erfolgreich. Da wir grade in der Mittagszeit dort ankamen, hatten die weitaus besseres zu tun, als nervige Touristen herumzufahren, die auch noch den Preis runterhandeln wollten. Wie zu erwarten, klappte es aber nach einer gefühlten Ewigkeit, als deren Mittagspause vorbei war. Auf der Rückbank fuhren wir über Stock und Stein raus ins Nirgendwo. Zum Glück waren wir zu zweit, denn Laos war wirklich anders als Thailand. Schließlich wurden wir an einer verlassenen Busstation 10km außerhalb des Ortes rausgelassen. Lediglich zwei oder drei Einheimische saßen auf blauen Plastikbänken. Ähm ja! Am Schalter sprach niemand Englisch, aber die Kommunikation funktionierte mal wieder irgendwie. Laut Auskunft eines laotischen Mädchens konnten wir mit dem Bus um halb 7 abends nach Luang Namtha fahren. Nagut, also mussten wir sechs Stunden an der verlassenen Bussation warten. Man konnte noch nicht einmal die umliegende Gegend erkunden, da es dort sowieso nur Felder gab, also wirklich nichts. Zum Glück entdeckten wir dann dennoch einen kleinen Shop schräg gegenüber. Der Begriff „Shop“ passt allerdings wieder mal nicht wirklich. Ein kleines Mädchen in dicker Winterjacke saß hinterm Tresen und spielte mit ihrem Laos- Style Handy herum. Überraschenderweise hat hier jeder ein Smartphone. Besonders in Thailand gab es auch an fast allen Plätzen öffentliche Wlan Netze, wo man allerdings monatlich für die Mitgliedschaft bezahlen muss. So machten wir es uns also im Schatten vor diesem Shop gemütlich. Wir beschlossen dieses Mädchen, welches wir auf einen der blauen Plastikstühle aus der Busstation gesehen hatten, zu fragen, ob sie sich zu uns setzen wollte. Also waren wir nun zu dritt. Sie hieß Sashi und war Inderin, lebte aber seit dreizehn Jahren in Texas. Ihr Plan war es mit dem Overnight Bus Richtung Luang Prabang zu fahren. Ihr stand also eine zwölfstündige Busfahrt bevor und auch sie hatte fünf Stunden zu warten. Dort waren wir also, eine Französin, Inderin und eine Deutsche. Wir kauften den halben Shop leer und genossen kalte Cola, Bier und Chips. Es war wirklich witzig, da jeder eine ganz andere Lebensgeschichte hatte. Neben dem Shop spielten einige Herrschaften in Unterhosen irgendein Kartenspiel, ich nahm an es waren wohl einige Busfahrer.

Die Stunden vergingen also wie im Flug. Wir hatten die besten Gesprächsthemen. Da wir uns so gut verstanden, fragten wir Sashi, ob sie nicht mit uns Richtung Luang Namtha kommen wollte. Da sie ihr Ticket noch nicht gekauft hatte, sagte sie dann spontan zu. Obwohl man ihr am Schalter sagte, dass der Bus bereits ausgebucht war, beschloss sie mitzukommen, wir konnten uns schließlich mit den Sitzen abwechseln. Nach und nach trafen immer mehr Reisende ein. Leider wusste keiner der Busfahrer, welchen Bus wir nehmen sollten. Die meisten Busse fuhren nämlich direkt nach Luang Prabang. Auch wenn auf unserem Ticket stand, dass der Bus um halb 7 fahren sollte, gibt es hier quasi eine andere Zeitrechnung, sodass wir im Endeffekt erst um halb 8 losfuhren.

Während der Fahrt war es bereits dunkel, sodass man nicht viel von der Landschaft sehen konnte. Wir fuhren mal wieder durch Serpentinen und man konnte nur erahnen wie tief die Schluchten neben der schlechten Straße in die Tiefe gingen. Augen zu und durch! Irgendwann hielten wir an und uns wurde gesagt, dass wir an unserem gewünschten Ort seien. Wirklich? Zu sehen war lediglich eine Art Restaurant, wo auch die anderen Reisenden des Busses ihre Baguettes aßen. Dies sollte also der schöne Ort Luang Namtha sein, von dem Lilly sprach? Wäre es Tageslicht gewesen, wären wir sicherlich etwas entspannter gewesen. Es war leider schon fast halb elf. Nach unzähligen Umherfragen, wo denn Downtown sei, rief uns die Frau vom Essensstand ein Tuk Tuk. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Ort noch 10 Kilometer entfernt sei. So hüpften wir also mit unseren sieben Sachen auf die Rückbank so eines Tuk Tuk. Verhandlungsspielraum über den Preis gab es zu dieser Uhrzeit leider nicht, aber mit 2€ konnte man sich sicherlich geschlagen geben.

Also gut, wieder angekommen an einem unbekannten Ort. Es wirkte wie ein Geisterdorf, im wahrsten Sinne des Wortes. In Laos ist es nämlich so, dass alle Geschäfte, Restaurants und das ganze Leben nach 21 Uhr nicht mehr existiert. Zum Glück konnten wir dennoch in ein Gästehaus einchecken. Das Gute wenn man mit mehreren Leuten reist, ist, dass man sich ein Zimmer teilen kann. Wir bezahlten jeder also nur rund 2€ für die Nacht. Sashi hatte noch nichts Wirkliches gegessen, sodass wir uns nochmal auf die Nahrungssuche machten. Glücklicherweise entdeckten wir noch einen Nachtmarkt, wo noch einige wenige Leute Essen verkauften. Der Platz glich einer Müllhalde und das Fleisch auf dem Grill lag dort sicherlich schon den ganzen Tag. Es war wirklich nicht sonderlich Appetit anregend. So beschloss Sashi also einfach nur zwei gekochte Eier zu bestellen. Zwischen den Müllbergen ließen wir uns auf den dreckigen, klebrigen Bänken nieder. Als Sashi dann das eines der Eier öffnete, konnte man schon etwas Schwarzes im Inneren erkennen. Was sich im nächsten Moment herausstellte, war das Ekligste, was ich bis dahin je gesehen hatte. (Der Käfer in meinem Bett in Pai war nichts im Vergleich dazu). Zum Vorschein kam nun der Fötus eines Huhns! Wie man sich denken kann, wurden die armen Tiere natürlich von keinem von uns verspeist.