Wonderful Capital Vientiane

Die meisten Reisenden, die ich bisher auf meinem Weg getroffen habe, meinten immer, dass Vientiane nicht besonders spektakulär sei. Irgendwie wollte ich der Stadt aber einen Versuch geben und mir selbst ein Bild davon zu machen.

Glücklicherweise hatte auch Lilly sich dafür entschieden am gleichen Tag mit in den Bus zu steigen, der uns von Vang Vieng in die südlich gelegene Hauptstadt bringen sollte. Sashi ging von nun an ihren Weg Richtung Burma.

Nach einigen Stunden Busfahrt kamen wir wieder einmal an irgendeinem Busbahnhof an. Das sollte nun also die Hauptstadt sein? Weit und breit um diesen Bahnhof gab es nicht wirklich viel zu sehen. Die Tuk Tuk und Taxi Fahrer warteten bereits wieder wie wild auf die Touristen, um sie in die Innenstadt zu fahren. Lilly und ich machten uns jedoch erst einmal ein Bild von unserer Lage und wollten dann einen ordentlichen Preis aushandeln, leider wollte keiner unser Angebot annehmen. Also versuchten wir es zu Fuß Richtung Innenstadt. Da wir leider keine wirkliche Karte hatten mussten wir schließlich aufgeben, um dann doch bei einem Fahrer einzusteigen. Dieser sprach natürlich gar kein Englisch. Er machte grade ein Päuschen am Straßenrand und hatte noch einen Schraubschlüssel in der Hand, mit dem er irgendwas an seinem Gefährt herumwerkelte. Also ging es los. Der Fahrtwind flog uns um die Nase und unsere Haare wehten im Gesicht. Der Wagen hatte wirklich schon einige Jahre hinter sich, die Kupplung funktionierte auch nicht mehr richtig. Wie dem auch sei, als Reisender stellt man also schnell fest, dass man einen Großteil seiner Zeit an Bahnhöfen verbringt und mit Taxifahrer verhandelt.

Mir gefiel die Stadt jedoch auf Anhieb. Ich hatte schon wieder unendlichen Trubel erwartet, wie man ihn aus Bangkok kannte, aber dies hielt sich wirklich in Grenzen. Es fuhren nicht tausende Motorrad, Tuk Tuk und Autofahrer umher. Sicherlich lag dies auch daran, dass es doch eher kleine nette Straßen waren, die sich in der Innenstadt befanden. Direkt in der Innenstadt gab es eine Art Strandpromenade entlang des Grenzflusses Mekong nach Thailand rüber. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das Flussbett auf Grund der vorangegangenen Trockenzeit so ausgetrocknet war, oder ob es immer so ist. Auf jeden Fall befand sich der Fluss von der Promenade ungefähr 300 Meter entfernt. Abends gab es auf dieser Straße dann einen Nachtmarkt. Auch hier bauten die Einheimischen wieder ihre Stände auf, um allerlei Schnickschnack zu verkaufen. Es waren schon ziemlich ähnliche Dinge dort zu finden, wie bereits auf den Märkten, die ich vorher gesehen hatte. Der Sonnenuntergang von dort war ein Traum und es war auch in den späteren Abendstunden noch sehr warm.

Schließlich kam jedoch auch der Zeitpunkt, an dem auch Lilly beschloss ihre Reise in den Süden des Landes fortzusetzen. Ich musste noch ein paar Nächte länger in der Stadt bleiben. Es stellte sich nämlich heraus, dass man einen Flug mit Lao Airlines mindestens drei Tage vor Reiseantritt buchen muss. Da ich die 30 Stunden Busfahrt nach Hanoi vermeiden vermeiden wollte, hatte ich also noch ein bisschen Zeit die laotische Hauptstadt weiter zu erkunden.

Es gab sehr nette kleine Cafés von wo aus man das Stadtgeschehen sehr gut beobachten konnte. Wenn es einem draußen zu heiß wurde, dann ging man kurz rein, um sich von der Klimaanlage abzukühlen. An jeder Straßenecke standen dort auch wieder diese Tuk Tuk Fahrer, die einen sofort irgendwo hinfahren wollten, wenn man sich dann mal wieder auf Exkursion begab.

Nach der Begegnung mit der Gang in Vang Vieng war mir ehrlich gesagt noch ein bisschen mulmig zu Mute einfach durch die Straßen zu schlendern, um zu gucken, wo man im Endeffekt rauskommt. Dies hatte ich zuvor immer gerne gemacht, da man so einfach das ganze Geschehen in der fremden Umgebung mitbekommt. Ich war mir nun allerdings nicht mehr so sicher, ob es auch überall sicher ist.

Aber ich traute mich dann doch. Entlang des Mekongs tastete ich mich langsam vor. Ich entdeckte eine große Statue, die mir doch sehr kommunistisch schien. War Laos überhaupt ein kommunistisches Land? Als ich dann die Stände hinter dieser Statue entdeckte, die Bilder von Stalin und Lenin verkauften, war meine Frage schon so halbwegs beantwortet. Natürlich gab es da auch noch andere Bilder mit asiatischen Politikern wie ich annehme, aber von denen hatte man ja noch nichts gehört.

Irgendwann stand ich vor einer großen Mauer, hinter der ich einen weiteren riesigen Tempel vermutete. Ich kam grade zur Mittagszeit dort an und in Laos hält man gerne eine Mittagspause ab. Die meisten Läden haben also für zwei Stunden geschlossen. Vor dem Eingang traf ich auf einen netten Franzosen. Wir amüsierten uns ein wenig, dass man wohl nie genau wüsste, wann welche Läden und Plätze geöffnet hätten.

Eigentlich wollten wir den Tempel später gemeinsam erkunden, doch dann fiel mir die laotische Nationalbibliothek ins Auge. Da musste ich rein! Sie sah einfach zu cool aus. Es war ein wirklich altes Gebäude und man konnte den ehemaligen französischen Einfluss deutlich erkennen. In der schmalen  Empfangshalle begrüßten mich zwei ältere Damen, die dort vor ihren Ventilatoren auch grade ihre Siesta abhielten, aber nichts gegen Besucher einzuwenden hatten. Dennoch guckten sie leicht irritiert, dass sich ein Tourist in ihre Räumlichkeiten verirrt hatte.

Die Bibliothek war mit allerlei Büchern, Magazinen und Zeitungen ausgestattet. Ein Traum! Natürlich waren viele Bücher in der Landessprache, aber es gab auch viel auf Englisch. So zum Beispiel die Vientiane Times, den New Yorker oder die Times. Außerdem gab es zahlreiche Wirtschaftsberichte über das Land und seine Entwicklung. Auch wenn man sich heutzutage ja viele Informationen aus dem Internet holen kann, so war dies schon ein netter Moment. Man konnte sich an einen der großen Tische setzen und unter den Ventilatoren Zeitung lesen. Ein anderer Einheimischer setzte sich zu mir an den Tisch und dachte wohl, dass ich eine Journalistin oder so etwas sei, für ihn schien es sehr sonderbar, dass ich dort meine Zeit verbrachte und nicht bei den üblichen Touristenattraktionen.

So kam es dann auch, dass der Franzose von zuvor nicht mehr am Tempel war. Ich bezahlte fleißig meine wenigen Cents an Eintrittsgeld und wollte auf Entdeckungstour gehen. „Stop, stop“, hörte ich es nur hinter mir herrufen. Da wurde mir auch schon so eine Art lange Kittelschürze in die Hand gedrückt, die ich doch bitte um meine Beine binden sollte. So ging es dann mit einem dunkelgrünen langen Röckchen und kleinen Schritten Richtung Tempel. Die Parkanlagen drum herum waren nett und der Rasen wurde grade bewässert. Eine andere Touristin schmunzelte auch über ihren schönen Rock, mit schwarz hatte sie definitiv den besseren Griff getätigt. Ich hatte nun ja schon so einige Tempel besichtigt und ehrlich gesagt lässt nach einiger Zeit die Begeisterung ein wenig nach. Natürlich denkt man sich stets „Wow, wo bin ich denn hier bitte?“, aber im nächsten Moment findet man sich dann auch schon wieder Richtung Ausgang pilgern. Naja gut, oftmals ist es auch ganz nett sich einfach auf eine Bank dort zu setzen und das Geschehen zu beobachten.

Meine Erkundung durch Vientiane ging dann schließlich weiter auf kaum vorhandenen dreckigen Bürgersteigen und an dem Verkehr vorbei. Schließlich landete ich wohl am Busbahnhof für die lokalen Busse, da weit und breit keine Touristen zu sehen waren. Einige der Busse schienen fast auseinander zu fallen. Schließlich setzte ich mich an einen Essenstand, wo auch viele andere Asiaten aßen. Ich hatte tierischen Hunger und zeigte einfach auf die Nudelsuppe meines Nachbars, um auch so eine zu bestellen. Sie entsprach zwar nicht meinem Lieblingsgericht, aber hier hält es sich mit der Auswahlmöglichkeit doch ziemlich in Grenzen. Die Zubereitung erfolgte im hinteren Teil des Zeltes. Jedes Mal hofft man einfach nur, dass die Hygiene hier stimmt und man nicht krank wird. Bisher war aber noch alles gut gegangen.

Eigentlich wollte ich noch das Cope Center besuchen, eine Einrichtung für die rund 12.000 Kriegsopfer, die den Tretmienen oder desgleichen zum Opfer gefallen sind. Leider konnte mir auch keiner der Laoten weiterhelfen, die am Straßenrand ihre Wassermelonen und Früchte verkauften.

Da es nun schon später war und ich gerne im Hellen nach „Hause“ wollte, schlug ich also den Heimweg ein. Unterwegs traf ich auch zufällig den Franzosen noch wieder. Sein Schritttempo entsprach allerdings nicht ganz meinem, sodass ich froh war, als sich unsere Wege wieder trennten und ich ihm nicht mehr hinterherhetzen musste.