Modern Capital Kuala Lumpur

Bereits bei der Einfahrt nach Kuala Lumpur konnte man erahnen, dass die Stadt andern sein würde, als all die anderen asiatischen Städte, die ich bis jetzt kennenlernen durfte. Das Stadtbild war durch eine Vielzahl an großen Hochhäusern und Wolkenkratzer geprägt. Der Luxusbus, der mich von Tanah Rata nach KL, die Abkürzung für Kuala Lumpur, brachte und eine viel zu kalte Klimaanlage hatte, ließ mich an einer Busstation nahe Chinatown raus. Ich schnallte mein Gepäck auf den Rücken und kämpfte mich durch ein paar Fußgänger auf dem Bürgersteig. Die Mittagssonne knallte auf mich hinunter und so flüchte ich erst einmal in ein Restaurant, das mit vielen Einheimischen gefüllt war und deswegen wohl gut sein musste. Da mir die Beschreibungen auf der Speisekarte mal wieder spanisch vorkamen, bat ich den netten, etwa Mitte dreißig Jahre alten Kellner mir etwas zu empfehlen. Da ich bis jetzt fast seit drei Monaten ausschließlich in Straßenrestaurants gegessen hatte, sich selbst zu verpflegen ist eigentlich unmöglich bzw. nicht wirklich preiswerter, erkannte ich, dass Nudeln oder Reis mit Gemüse wirklich eine sichere Option ist. Man will natürlich auch immer mal was Neues ausprobieren, aber mit den Fleischgerichten ist und bleibt es einfach so eine Sache. So bekam ich also meinen Reis mit Gemüse, das ich mit etwas Sojasoße noch etwas aufpolierte. Ein Malaysier, der wohl grade in seiner Mittagspause von der Arbeit war, er trug Anzugshose und Hemd, zeigte mir auf meiner Karte unseren Standort. So machte ich mich schließlich auf die Suche nach dem Birdnest Guesthouse, wo eine Nacht nur drei Euro kosten sollte. Mein Weg dorthin führte mich durch die Pedaling Straße, einer um die hundert Meter langen überdachten Einkaufsstraße mit unzähligen Straßenständen, die einem Taschen, Accessoires, Rucksäcke, Kleidung, Handyzubehör und sonstigen Kleinkram verkaufen wollten. Es war das reinste Shopping Paradies, doch lag mein Interesse zu dem Zeitpunkt anderweitig.

Nach etwas Erholung und Internetzeit in einem heißen Hostel Zimmer, in welchem die drei Ventilatoren zwar ihr bestes taten, es dennoch nicht brachten, war es Zeit auf eine neue Erkundungstour zu gehen. Ein Mädchen namens Naomi aus Amerika, die grade frisch aus der High School kam und nach Australien gereist war, wollte gerne mit mir mitkommen. Ich fühlte mich wie ihre große Schwester, schien sie mir doch etwas überfordert mit der asiatischen Welt, die sie erst seit ein paar Tagen erlebte. Man war nun ja schon seit einiger Zeit unterwegs und hatte unglaublich viele nette und interessante Menschen kennenlernen dürfen und einige besondere Geschichten mit ihnen schreiben können. Jeder kam von irgendwo her, man lernte aber auch seine Energie, die einige dieser Geschichten entstehen lässt effizienter zu gebrauchen. So war die Tour mit Naomi eher eine Zwecksache, als eine weitere spannende Freundschaftsgeschichte, aber ich glaub jeder kennt diese Momente. Wir durchforsteten Chinatown, einen Hindu Tempel, den Colonial District und Merdeka Square, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf die unzähligen Wolkenkratzer hatte. In einem Museum lernten wir über die Geschichte der Stadt. Man merkte wie entwickelt hier alles war, das Museum war echt cool, hatte auch viele technologische Highlights mit Bar-Scannern und so etwas, auch die Miniaturstadt war sehr schön anzusehen. Vor der Tür gab es dann ein großes I <3 KL Gebilde, wo wir uns artig in die Schlange einordneten, um ein Foto zu schießen. Schon bald schmerzten uns jedoch unsere Füße, waren wir nun schon so einige Straßen entlanggepilgert. Die Suche nach einem netten Straßencafé, in dem man für eine Weile relaxen konnte, gestaltete sich in diesem Teil der Stadt jedoch etwas schwieriger als gedacht. Es gab wenn dann nur so chinesische Straßenrestaurants mit ihren Plastikstühlen meist ohne Lehne und danach fühlten wir uns beide nicht. Die Suche nahm und nahm einfach kein Ende und meine kleine Schwester, ähm ja, entschied sich dann irgendwann zurück in die Unterkunft zu kehren. Dass ich mich dann doch für die Plastikstühle mit Lehnen entschied, um einen leckeren chinesischen Kaffee zu trinken, rächte sich natürlich beim späteren Versuch des Einschlafens.

Glücklicherweise war meine innere Uhr nun schon so weit aufgezogen, dass ich am nächsten Morgen trotzdem kurz vor acht aufwachte, schnell unter die rudimentäre Toilettendusche hüpfte und insgeheim hoffte, dass Naomi eine Langschläferin sei, sodass ich mich miezmäuschenstill aus dem Staub machen konnte, um mich alleine in Ruhe von der Stadt treiben lassen könnte. Am Vortag klang es nämlich so als würde sie wieder mitkommen wollen. Natürlich war sie wach, als ich mit tropfenden Haaren die Schiebetür zu unserem Zimmer öffnete. Ich flüsterte ihr dann nur schnell entgegen, dass ich es heute etwas ruhiger angehen wollte und mir erst einmal ein Café suchen wollte um zu Schreiben. Im nächsten Moment schnappte ich mir meinen Rucksack und das Problem war gelöst. Ich hoffe, dass sie trotzdem einen tollen Tag haben würde.

Ich setzte mich wirklich erst einmal in ein Café zum Schreiben, brachte mir dies doch ziemlichen Spaß und half es mir das ganze Geschehen zumindest etwas aufzufangen und zu verarbeiten, obwohl alles doch ziemlich nach einem Traum aussah. Ich war jeden Morgen verwundert darüber, wo ich mich doch befand und dass jeder Tag so viele spannende neue Abenteuer mit sich bringt. Auch wenn der Kaffee vom Vorabend negativ mit meiner Fähigkeit des Einschlafens korreliert war, kehrte ich dort wieder ein, fuhr das kleine Netbook hoch und beobachtete wie auch die kleine Seitenstraße vor meiner Nase zum Leben erwachte. Chinesen bauten ihre Verkaufsstände mit Taschen und Sonnenbrillen auf und auch sonst jeder hatte sein Ziel vor Augen, so schien es zumindest.

Dann ging es weiter in Richtung des 452 Meter großen Menara-Fernsehturms. Die Inder in einem Hindu T empel an einer Straßenecke unterdrückten sich glaub ich ihr Lachen, als mir meine 1.5 Liter Wasserflasche aus den Händen fiel während ich versuchte ein Foto zu schießen. Sie kullerte Richtung Straße und bergabwärts. Irgendwann konnte ich sie jedoch stoppen und kam schließlich mit einem der Inder ins Gespräch, der mir von diesem ganz besonderen Tempel erzählte und warum die Männer drinnen fast alle nur mit Handtüchern über ihre Hüften rumliefen. Er schlug mir vor doch einzutreten, doch schien mir der Aufwand des Schuheausziehens in diesem Moment zu groß und hatte ich doch einige andere Ziele an diesem Tag.

Leider hatte der Bukit Nanas Wald aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen. Ich konnte ihn nur von außen erkennen und war überrascht, dass sich im Herzen von KL so ein tropischer Wald befand. Beim Aufsteigen auf den Hügel des Fernsehturms merkte ich, dass es wohl an der Zeit war zu frühstücken, reisen ist schon eine tolle und einfache Methode abzunehmen. Der Eintritt in den Menara Turm wat gegenüber der berühmten Petronas Türme mit 11 Euro im Gegensatz zu 50 Euro doch um einiges günstiger. Die Auffahrt in 250 Meter Höhe, ganz nach oben zu fahren war noch etwas teurer, dauerte ungefähr eine Minute. Die Tür öffnete sich und im nächsten Augenblick lag mir die Stadt zu Füßen. Es war magisch! Man konnte über die ganze Stadt schauen und die Hochhäuser und Wolkenkratzer wirkten nun nicht mehr so groß wie von der Straße aus. Die Autos sahen aus wie Streichholzschachteln und noch kleiner. Man konnte die Straßenverläufe und Swimming Pools auf den Hoteldächern bestaunen. Ein weißer Nebel lag über der Stadt, ob es Smog war bezweifle ich, wirkte die Stadt doch ziemlich sauber und so viel Verkehr gab es doch nun nicht, oder? Es gab unzählige Wirtschaftshäuser, auch die AXA hatte ein großes Hochhaus. Jedes Gebäude hatte seine ganz besondere eigene Architektur. Die Konturen von einigen Hügeln zeichneten sich am Horizont ab. Erstaunlicherweise waren nicht sonderlich viele Touristen anwesend. Ich fragte mich, welche Geschichten es wohl so in dieser Stadt gäbe. Hier hatten einige Leute wohl ziemlich viel Geld. Ich fragte mich, wo diese wohl wohnen würden. Ob sie ihre Penthouse Suiten in den oberen Stockwerken der Gebäude haben? Als ich wieder unten war, machte sich eine Kindergartengruppe bereit zur Auffahrt. Die Kinder und die zwei erwachsenen Frauen waren den Kopftüchern nach Muslime. Ein Junge trug Mikey Mouse Strümpfe und viele der Mädchen trugen rosa und pinke Schuhe, teilweise auch rosa Strümpfe in pinken Flip Flops, aber alle Mädchen trugen ein weißes Kopftuch!

Zu Mittag aß ich verschiedene Gemüsesorten in leckeren, aber sehr scharfen Currysoßen, die ich mir zuvor von einem Straßenbuffet zusammenstellen konnte. Leider konnte ich keinen ruhigen Park entdecken, sodass ich es mir auf einer Mauer an einer Straßenkreuzung bequem machte, Palmen gab es um mich herum für das bessere Klima. Die Schaltung der Ampel hatte wirklich kurze Intervalle für die Autos direkt vor meiner Nase und so fühlte ich mich leicht beobachtet während ich mit meinem chinesischen Löffel in meinem Gemüse stocherte. Ein Junge in einem Lieferwagen schmunzelte mir zu und auch von diesem Scheich im Taxi bekam ich ein kleines Lächeln. Malaysische und europäische Geschäftsleute, die auch grade ihre Mittagspause hatten, zogen an meiner Nase vorbei. Die Frauen trugen Knieröcke oder traditionelle muslimische Gewänder mit schicken Kopftüchern. Ich fragte mich wo und an was sie wohl so arbeiteten, zu gern hätte ich mich einigen von ihnen angeschlossen, um mir die Büros in diesen Wolkenkratzern mal von innen anzuschauen.

Schließlich trugen meine Füße mich zu den Petronas Türmen, unglaublich wie groß die waren. Den Namen haben die Türme vom Mineeralölkonzern Petronas, der das Wolkenkratzerpaar erbaute. Im eigenen, riesigen, klimatisierten Shoppingcenter gönnte ich mir eine Pause bei Starbucks, bevor es schließlich weiterging zum Golden Triangle, einem weiteren brerühmten Einkaufszentrum der Stadt. Auf dem Weg dorthin tauschte ich noch schnell meine verbliebenen thailändischen Baht bei einem Straßenhändler um, natürlich hatte ich kurz verglichen wo ich die meisten Ringgit bekommen würde.

Im Pavillion, dem Einkaufszentrum im Golden Triangle, fand gerade die Kuala Lumpur Fashionweek statt wie sich herausstellte. Ich entschied mich bis zur Eröffnungsshow, die gegen 21 Uhr beginnen sollte zu bleiben, war es nämlich möglich von den höheren Stockwerken runter auf den Laufsteg zu schauen, so brauchte man noch nicht einmal eine Eintrittskarte.