Penang & Greytown

Aus Krabi ging es dann auch mal wieder in aller Frische gegen sechs Uhr morgens weiter mit der Reise. Ich hatte fünfzehn Minuten Zeit zum Fertigmachen einkalkuliert, die sich aufgrund der Schlummer-Funktion meines Weckers dann allerdings auf sechs Minuten reduzierten. Glücklicherweise hatte der Minivan, der schließlich vor meiner Unterkunft auftauchte, auch einige Minuten Verspätung. Anscheinend war ich mit die letzte, die eingesammelt wurde, denn mich erwartete eine volle Mannschaft an Reisenden, zwei chinesische Ehepaare mit ihren jeweiligen Töchtern, welches mich an die Ein-Kind- Politik erinnerte. Als ein weiteres Mädel mit diesen Chinesen Englisch sprach, hörte ich gleich ihren deutschen Akzent und fragte sie dann aus welcher Region sie aus Deutschland kommt. „Oh, bemerkt man das so schnell, dass ich aus Deutschland komme?“, war ihre Reaktion. Naja, mit der Zeit hat man es einfach irgendwie raus, zu erraten aus welchen Ländern die Leute so kommen. Ich wurde in den ganz hinteren Teil des Vans verfrachtet und konnte noch nicht mal aus dem Fenster gucken, weil die Sitze so hoch waren. Bei jeder Unebenheit der Straße durfte ich dann schön gegen die Autodecke hüpfen, das war ein Spaß. Auch das englischrussische Pärchen neben mir konnte sich besseres vorstellen und als schließlich noch ein Thai einstieg und sich zwischen uns quetschte, konnte es wohl nur noch besser werden.

Doch eh wir uns versahen hielten wir schon Halt an so einer Straßenbude. Die Toiletten beschreibe ich an dieser Stelle wohl lieber nicht. Die Frühstücksoptionen hielten sich auch in Grenzen und so entschied ich mich für die sichere Variante, Reis mit Chicken Curry, Gemüse gab es nicht, von so einer muslimischen Theke. Im nächsten Moment stocherte ich mit diesem chinesischen Löffel, Gabeln oder ähnliches gab es auch nicht, meinen Festschmaus und verbrannte mir ziemlich den Mund. Tja, ich probierte es noch  ein wenig, aber diese komischen Hühnerstücke waren auch nicht sonderlich verlockend. Naja, und so stattete ich der Pfannkuchenfrau, die ich zuvor nicht gesehen hatte, dann auch noch einmal einen Besuch ab. Der Bananenpfannkuchen hatte es dann echt in sich, sehr köstlich. Die Pfannkuchen hier sind eh alle total lecker. Sie stellen wohl so einen Mix aus der französischen und deutschen Art her.

Als wir gegen Mittag Hat Yai erreichten, waren wir nur noch drei Touristen an Bord, zwei Indonesierinnen und ich. Auch die Mittagsessensoptionen waren nicht sehr berauschend, befand sich das Reisebüro an welchen wir hielten, nicht wirklich in zentraler Lage. Ich lief den Bürgersteig, welcher nicht wirklich ein Bürgersteig war, ein wenig entlang, stolperte über Hammer und sonstige Utensilien der Motorradmechaniker und kam schließlich mit einer Sprite und einem Eis zurück, man gönnt sich ja sonst nichts.

Irgendwann in den nächsten Stunden erreichten wir dann den Grenzübergang zu Malaysien. Zum Glück befand sich dieser an der Westküste, gab es im Osten wohl einige Unruhen mit Terroristen. Zunächst stiegen wir aus und ließen unsere Pässe mit dem Ausreisedatum abstempeln. Ich war etwas verwirrt, dass wir dann wieder in den Van stiegen und noch keinen Einreisestempel oder ein Visum von Malaysien hatten. Natürlich sprach auch keiner wirklich Englisch, der einem weiterhelfen konnte. So vertraute ich einfach unserem Fahrer, der uns dann natürlich auch am nächsten Schalter wieder raus lies, diesmal auch mitsamt unseres ganzen Gepäcks. Als deutsche Staatsbürgerin bekam ich dann ein kostenloses 90-Tage-Visum und lies meinen Rucksack durch einen Scanner fahren. Natürlich schaute sich niemand wirklich die Bilder an, die das Innere des Gepäcks genauer analysierten, wir waren schließlich zur Mittagszeit gekommen und da hatten die Leute wohl einfach besseres zu tun als sich schwarzweiße Bilder anzuschauen.

Unser Fahrer freute sich wohl auch in Malaysien zu sein, denn im nächsten Augenblick passte er seine Geschwindigkeit den malaysischen Straßenverhältnissen an, er fuhr nun wohl um die 20% schneller. Seit drei Monaten befand ich mich das erste Mal wieder auf einer Autobahn! Ja, auf den ersten Eindruck war dieses Land wirklich fortschrittlicher als die anderen Länder, die ich in Asien gesehen hatte. Es gab sogar Zäune um die Autobahn und gepflegte Grünflächen. Die Autos auf der Autobahn waren so ganz kleine Blechbüchsen, auch einen Rollerfahrer bemerkte ich, der auf dem Seitenstreifen fuhr. Ich hielt immer wieder kleine Nickerchen oder hörte Xavier Rudd über Kopfhörer beim Singen zu und im nächsten Moment überquerten wir auch schon eine große Brücke, die zur Insel Penang führte. Die chinesischen Familien, die während der ganzen Reisezeit in ihr Candy-Crush Spiel auf ihren Handys und iPads vertieft waren, schossen Bilder von den Schiffen im Hafen. Wir passierten schließlich riesige Wohnhochhäuser, die ich ebenfalls sonst noch nirgends in Asien gesehen hatte. Und dann kamen wir an einem riesigen Einkaufzentrum an, an welchem ich und ein japanischer Rucksacktourist, der in Osaka Philosophie studierte und den japanischen Autor Murakami ebenfalls kannte, rausgeworfen wurden.

Da ich meinen Lonely Planet ja in irgendeinem Bus vergessen hatte, musste ich mich nun also auf eigene Faust auf Erkundungstour machen und eine Unterkunft finden. Ich konnte nur hoffen, dass ich mich schon in zentraler Lage befand, ein europäisches Pärchen wies mir dann noch grob die Richtung zu einer Straße, in welcher sich wohl einige Hotels befanden. Es war schon alles sehr fremd und dieses Land glich definitiv nicht Thailand. Die ganzen Straßenshops waren gegen 16 Uhr bereits verschlossen und die vielen kleinen Straßen waren leer bis auf die Autos, die vorbeifuhren. War die Siesta-Zeit hier etwas länger? Ich konnte auch nicht wirklich Hotels entdecken und stiefelte so mit Gepäck durch ziemlich viele kleine Straßen und passierte Moscheen, Frauen mit Kopftüchern und ziemlich vielen Indern mit so einem Punkt auf der Stirn und langen Gewändern. Das Budget Hotel hatte mit 20€ die Nacht das Prinzip des Budgets wohl nicht richtig verstanden. Ein Junge in einem Straßenrestaurant mit Plastikstühlen gab mir dann den Tipp, dass sich in der nächsten Seitenstraße ein günstiges Motel befand, das Friendship Motel, wo ich schließlich auch eincheckte. Es war günstig und ich hatte mal wieder den Luxus eines Einzelzimmers. Ich stellte nur schnell mein Gepäck ab, packte meine kleine Hüfttasche mit ein bisschen Bargeld und Handy und machte mich dann auf Erkundungstour meiner neuen Umgebung, es waren ja noch ein paar Stunden bis es dunkel sein würde.

Hinter dem Motel befand sich eine etwas größere Grünfläche, auf welche Kinder spielten und Leute an Essenständen aßen. Eine Band probte Akapella an ihrem nächsten großen Hit. Hinter diesem Park befand sich dann schon gleich das Wasser und von der Uferpromenade konnte man einige große Schiffe erkennen, die dort im Meer lagen und zur Zeit wohl nichts zu tun hatten. Ein Vater rief seinen zwei kleinen Jungs zu, dass sie doch bitte auf dem Bürgersteig fahren sollten. Der eine, der ein Sportshirt mit der Aufschrift „Malaysia“ auf dem Rücken trug, bekam es zunächst jedoch nicht hin sein Fahrrad auf die Erhöhung zu bekommen. Der Angler neben dem Geschehen staunte wohl auch nicht schlecht, als ich versuchte ein gutes Foto von den zwei Vögeln zu schießen, die sich immer wieder auf einem schicken Mülleimer niederließen. Sie sahen aus wie Krähen, allerdings eine asiatisch tropische Verwandtschaft von den europäisch, eher hässlichen Tieren. Ihr Federvieh schimmerte dunkelblau und auch sonst sahen sie schon echt schick aus. Naja, so zog ich weiter und fragte Chinesen, die vor ihrem Kreuzfahrtschiff ein Gruppenfoto machten, ob ich nicht Fotograf für sie spielen sollte, wie gut man sich nach so einer guten Tat fühlt, hatte ich doch um die sieben Leute für einen kurzen Augenblick glücklich gemacht. Die Stadt gefiel mir echt gut, es sah irgendwie so aus wie ich mir Marokko vorstelle, ich glaub das lag an dem muslimisch geprägten Baustil und allem. Ich erfuhr dann auch irgendwann, dass die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gekrönt wurde, weil sie so einzigartig ist.

Zu Abend aß ich dann in Little India in einem netten Straßenrestaurant und das Essen war einfach nur unglaublich lecker. Mir war ja schon vorher bewusst, dass die Inder sich gut mit Essen auskannten, aber diesmal war ich wohl das erste Mal wirklich ein bisschen in Indien, vielleicht schmeckte es deswegen auch nochmal so viel besser. Als eine blonde junge Frau vom Bürgersteig das Restaurant skeptisch musterte rief ich ihr gut zu, dass es absolut zu empfehlen sei, sie dürfe sich ruhig zu mir setzen. Sie nahm meine Einladung lächelnd an und es stellte sich raus, dass sie Berlinerin sei und schon seit acht Monaten auf Reisen. Wir hielten einen kleinen Reise-Smalltalk und verabschiedeten uns schließlich mit unseren vollen Mägen voneinander.

Am nächsten Morgen wachte ich gegen kurz vor acht in meinem dunklem Zimmer ohne Fenster mit dem Bedürfnis auf mir nun doch einen neuen Reiseführer zu organisieren, die Internetrecherche am Vortag hatte sich nicht als optimale Methode für mich herausgestellt und ich wollte meine nächsten Wochen nicht mit dem Gesuche auf dem kleinen Handy verbringen. Nach einer erfrischenden Dusche in einer kleinen Toilettenzelle, in welcher auch ein kleiner Duschkopf angebracht war, machte ich mich also auf in Richtung dieses großen Einkaufszentrums, an welchem ich am Vortag rausgeworfen wurde. Zeitgleich hielt ich nach einer Gelegenheit Ausschau, wo man frühstücken konnte, leider zunächst vergeblich, konnte ich mich immer noch nicht mit den Hühner Nudelsuppen und Reisgerichten am Morgen anfreunden. Es stellte sich heraus, dass das Einkaufszentrum auch erst gegen zehn öffnen würde und die teuren Muffins bei Starbucks im Eingangsbereich passten ebenfalls nicht in mein Reisebudget. Ich lies mich also weiter von den Straßen treiben und entdeckte bald einen Straßenmarkt voller Einheimischer, Chinesen und Inder. Es gab um die vier Stände, die mal wieder Pfannkuchen verkauften, wie sich schnell herausstellte. Ich hatte die Hoffnung nach einem Obstsalat zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben und erinnerte mich mal wieder, dass ich einfach mal wieder was Neues ausprobieren sollte, Obstsalat gibt es ja schließlich auch in Deutschland. Im chinesischem Café nebenan bestellte ich mir dann nach einigen Minuten einen Milchkaffee. Diese Cafés sind echt etwas anders als die europäischen. Es gibt dort meistens nur einen großen Raum, der an den Wänden und am Boden überall Kacheln hat. In dem Café wo ich frühstückte gab es dann runde Plastiktische und Plastikstühle und das Ambiente glich einfach einer einfachen Essenshalle. Hier trafen sich die Einheimischen und die älteren Herrschaften schlürften ihre Nudelsuppen und tranken ihren Kaffee aus bunten Plastikbechern, ich ja in dem Moment auch.

Der Markt war eigentlich ein ganz normaler asiatischer Markt. Es gab buntes Gemüse und Obst, rohes Fleisch an Stangen und in meinen Augen unhygienischen Tellern. Ein Mann schabte von einem großen Fisch die Schuppen ab, wobei er von zahlreichen Asiaten bestaunt wurde. An einer großen Baustelle, wo ein Hochhaus errichtet wird, versammelten sich ebenfalls zahlreiche Schaulustige. Ich glaube da war jemand Wichtiges, der irgendetwas erklärte, so ganz interessant fand ich das nun nicht.

Im ersten Einkaufszentrum musste ich dann feststellen, dass die Leute hier wohl nicht sonderlich gerne lesen, denn einen Bücherladen gab es hier nicht und dabei gab es so unglaublich viele Läden hier. Ich bemerkte, dass nicht wirklich viele Leute hier einkaufen gingen und die Dame im Unterwäschegeschäft teilte mir dann mit, dass ich es mal im anderen Kaufhaus probieren könnte. Auf dem Weg dorthin stolperte ich über eine öffentliche Veranstaltung der lokalen Zeitung Star und einer Einrichtung für Englischlernende. Ein Moderator stellte über ein Mikrofon Fragen auf Englisch und gab jeweils vier Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, was er über eine große Leinwand transferierte. V or seinem Podest saßen bestimmt um die hundert Jugendliche, die in Dreierteams über ein kleines Gerät ihre jeweiligen Antworten an den Computer des Moderators sendeten. Dieses ganze Geschehen befand sich im Erdgeschoss des Einkaufszentrums und von den fünf Stockwerken konnte man auf sie heruntergucken. Ich hatte es mir im Schneidersitz vor der Glasscheibe im zweiten Stock bequem gemacht und versuchte mit einem indischen Vater dessen Sohn dort unten mit aktiv war, ebenfalls die richtigen Antworten zu finden, was ganz schön schwer war. Dass Griechenland nichts mit der Meeresenge Gibraltar zu tun hat, wusste ich. Bei einer Frage über indische Stoffe und Musikinstrumente wusste er dann allerdings besser Bescheid.

Meinen lang ersehnten Lonely Planet fand ich schließlich im anderen Kaufhaus. Es fühlte sich an wie Weihnachten, konnte ich nun endlich wieder ein Buch aufschlagen, das mir sagen würde wo es lohnenswert ist hinzugehen und was mir einfach ein wertvoller Gefährte sein würde. Es war nun so einfach, auch wenn ich einige der Attraktionen auch schon vorher selber gefunden hatte. Ja, ich gebe den Reisenden Recht, dass es sicherlich auch seine Vorteile hat, wenn man sich nicht an einen Reiseführer orientiert, da ja alle Reisende diesen Weg gehen würden und man so vielleicht nicht wirklich das wahre Leben in einem Land mitbekommen würde, aber dennoch wurde das Buch ja von Reisenden geschrieben, die die Suche nach den tollen Orten ja bereits schon hinter sich hatten. Bei mir waren der Zeitaufwand und das Risiko Dinge zu verpassen dann doch Gründe dafür mich für die einfachere V ariante zu entscheiden. Die Tipps geben mir Anhaltspunkte und Hilfen, sollte man mal nicht weiterwissen.

Wie dem auch sei, den Tag verbrachte ich also mit stundenlangen Spaziergängen durch die wunderschönen Gassen in dieser tollen Stadt Greytown. Ich organisierte mir schließlich ein Busticket für die weitere Etappe, trang Mangolassis in indischen Cafés und schaute den Einheimischen beim Leben zu. Touristen traf ich hier wirklich wenige an, so konnte man den besonderen Charme der Stadt noch ein bisschen besser aufnehmen.