Dong Hoi & the Beach

Der Nachtzug von Nimh Binh war super. In einer Kabine mit vier Betten war es einfach ein wenig Schlaf zu finden. Die beiden vietnamesischen Reisenden in meinem Kämmerchen waren sehr nett und hatten dem Anschein nach, noch nie einen Schlafplatz mit einer Europäerin geteilt. Laut meines Tickets sollte der Zug um sieben Uhr morgens ankommen. Den Wecker hatte ich also auf halb sieben gestellt. Als ich kurz vor halb sieben von irgendwelchen unverständlichen Lauten meines Bettnachbarn geweckt wurde, begriff ich erst nicht, dass wir schon früher angekommen waren. Etwas verschlafen richtete ich mich auf, um aus dem Fenster zu gucken. Die Sonne blendete mir ins Gesicht. Endlich keine grauen Wolken mehr! Also hieß es innerhalb von zehn Sekunden raus auf den Bordstein zu kommen. Dort bemerkte ich dann aber, dass mein Ho Chi Minh Buch noch in der Kabine war. Der liebe Bettnachbar hatte dies auch schon bemerkt und reichte es mir durch das offene Fenster. Nun war ich also in der nächsten Stadt angekommen.

Ich machte mich wie so oft zuvor wieder zu Fuß auf dem Weg Richtung Stadtzentrum und Unterkunft. Es waren wohl um die fünf Kilometer mit schweren Gepäck auf dem Rücken, doch merkte ich das Gewicht gar nicht, da es viel zu interessant war das Geschehen auf der Straße zu beobachten. Zu irgendeinem Zeitpunkt ertönten aus der Ferne her Sirenen. Es folgten um die hundert Fahrradfahrer, die grade an einem Rennen teilnahmen. An den Hauptstraßenkreuzungen standen Staatsleute in ihren oliv- und rotfarbenden Uniformen. Ja, dies sah stark nach Kommunismus aus.

In der Unterkunft kam ich also gegen acht Uhr morgens mit einer älteren australischen Dame ins Gespräch, die grade ihr Frühstück bestellt hatte. Sie war das erste Mal auf einer Reise und ebenfalls allein unterwegs. Sie hatte leider das Pech, dass Unbekannte ihr Kreditkartenkonto geräumt hatten und sie nun ohne Geld da stand. Deswegen war sie schon seit einigen Tagen in der Stadt und wartete bis das Wochenende vorbei war und Bankangestellte von der Western Union ihr Konto wieder freischalteten. Sie hatte diesen anderen englischen Dialekt. Ich muss gestehen, dass es mir schon etwas schwerfällt den australischen von dem amerikanischen Akzent zu unterscheiden. Der britische Dialekt ist leicht zu erkennen, aber die anderen beiden ähneln sich schon stark. Interessant fand ich auch, dass man doch schon noch einen Unterschied zwischen der englischen Aussprache zwischen der älteren und jüngeren Generation erkennt. Wenn man ehrlich ist, kann man dieses Phänomen ja auch bei uns in Deutschland erkennen. Wie dem auch sei, das Mehrbettzimmer hatte sogar eine Dachterrasse von der man über die ganze Stadt schauen konnte. Strahlend blauer Himmel und bunte Dächer, man konnte in der Ferne auch den weißen Sandstrand erkennen.

Am Nachmittag machte ich mich schließlich auf den Weg in Richtung Strand. Wie so oft verzichtete ich auf ein Taxi. Der Strand befand sich auf einer Halbinsel, die mit einer ungefähr 200 Meter langen Brücke verbunden war. Die Sonne schien und es waren sicherlich wieder über 30° Celsius. Auf der Brücke war aber eine leichte Brise zu spüren. Auf der anderen Uferseite waren Vietnamesen dabei ein etwa zehn Meter langes Boot zu zimmern. Auch wenn es keine wirkliche Uferpromenade am Wasser entlang gab, folgte ich trotzdem einem kleinen Trampelpfad, der an einer Mauer entlangführte. Die Bootsbauer grüßten und waren wohl etwas verwundert, dass eine Touristen diesen Weg wählte. Ich schoss zwei Fotos und musste nun über eine kleine Grünfläche laufen. Auf einmal hörte ich ein Knurren. Im ersten Moment konnte ich es nicht zuordnen und wusste nicht genau von wo es kam. Dann begriff ich, dass ein Hund unter einer kleinen Hütte auf Stelzen hervorgekrochen kam und ohne Grund auf mich zustürmte. Er sah gar nicht gesund aus und der erste Gedanke, der mir kam, war dass ich wohl gleich mit Tollwut infiziert sein würde (Zum Glück hatte ich mich dagegen impfen lassen!). Ich rannte vor ihm fort und schrie um Hilfe. Ein älterer Herr mit nur einem Arm kam aus der Hütte von nebenan und warf mit einem Stein nach dem Hund, sodass dieser schließlich verschwand. Puh, ein weiterer abenteuerlicher Moment war überstanden! Ich bedankte mich tausendfach und machte mich mit einem erhöhten Adrenalienspiegel weiter auf den Weg. Zum Glück konnte man auf einer Mauer laufen, sodass ich von dieser Erhöhung sicher Ausschau nach Hunden halten konnte. Im Sand erkannte ich nämlich zahlreiche Hundespuren.

Als ich schließlich an der Mündung des Flusses in das Meer ankam und mein Handtuch in auf den weißen Sand ausrichtete, mich mit einer dicken Schicht an Sonnencreme eincremte, konnte ich mich dennoch nicht entspannt zurücklegen, da ich fürchtete dass im nächsten Moment wieder ein Hund neben mir stehen würde. Also schlenderte ich den Strand entlang in Richtung des Sun Spa Resorts. Ein Amerikaner aus meinem Hotel hatte mir davon berichtet, dass man dort die Poolanlagen für ein wenig Entgelt mitbenutzen könne. Dort war es traumhaft! Es war eine riesige Anlage mit den tollsten Poollandschaften. Ich war etwas verwundert, dass ich dort weit und breit kaum Gäste sah. Anscheinend war dies wohl nicht die Hauptsaison. Der eigene Strand dieser Anlage war mit Sonnenliegen und Palmen-Sonnenschirmen ausgestattet. Es waren glaub ich nur fünf Leute dort. Ein öffentliches WLAN-Netz rundete das Glück ab.