Fast Mode Hanoi

Die Busfahrt von Vientiane nach Hanoi sollte ein Grauen sein. Auch wenn die Entfernung  auf der Karte nicht so schlimm aussieht, hätte es die Strecke wohl in sich. Statt einer Autobahn würde es über Serpentinen durch die Berge gehen, für dreißig Stunden. Stattdessen wählte ich die angenehmere, nicht so günstige Variante des Fliegens.

Nach einem einstündigen Fußmarsch zum Flughafen in Vientinae traf ich auf eine alleinreisende Holländerin, die in dem einzigen Café am Flughafen eine Nudelsuppe aß. Auch sie flog witziger Weise nach Hanoi. Wir konnten zusammen einchecken und die Aufregung teilen, nun nach Vietnam zu reisen, unser erstes kommunistisches Land!

Andere Reisende hatten mich schon vor Hanoi gewarnt. Es sollte noch verrückter sein als Bangkok. Als uns der Bus in die Innenstadt fuhr, fiel mir jedoch zunächst die grünen Bäume und die sauberen Straßen auf. Schnell stellte sich heraus, dass die wohl nur ein kleiner Teil der Stadt sei. Der Verkehr wurde stärker und bald hörte man nur noch Hupen im Sekundentakt. In Deutschland wird dem Hupen wohl stets Aggressivität oder irgendetwas Negatives angehaftet. In Asien, besser gesagt in Vietnam, sollte man dies aber als netten Hinweis betrachten. „Achtung, ich komm“ oder so ähnlich.

Auf der Straße im Old Quarter der Stadt wimmelte es dann von Rollerfahrern, Menschen, Läden und ganz viel mehr. Es war alles klein und eng. Die Leute saßen auf kleinen Plastikhockern auf den kaum vorhandenen Bürgersteigen und aßen Suppen, Reis, Nudelgerichte oder sonstige unbekannte Dinge von kleinen Tischen. Da war es also mal wieder, dass sogenannte Streetfood, das Straßenessen.

Wir passierten der ersten christlichen Kirche, die ich in Asien gesehen hatte. Eine große Kathedrale. Dank eines ungeplanten perfekten Timings konnten wir an dem abendlichen Gottesdienst vorbei laufen. Zahlreiche Rollerfahrer parkten vor der Kirche und lauschten der Rede auf Vietnamesisch. Dies war mal wieder eine komische Situation. Die Unterkunft, die wir schließlich fanden, war nicht besonders erwähnenswert.

Am nächsten Tag nahmen wir uns ein volles Sightseeing Programm vor.Es hieß, dass die Schlange vor dem Ho Chi Minh Mausoleum immer gewaltig lang sei. Wir wollten deswegen morgens ganz früh hin und machten uns gegen acht auf den Weg. Der Verkehr war zu dieser Zeit bereits im vollen Gange. Wenn man als Fußgänger die Straße überqueren muss, so kann das schon sehr gefährlich erscheinen. Man läuft einfach los, in der Hoffnung, dass die Roller schon um einen herum fahren würden. Ich verstand nun also, warum man Hanoi als verrückt bezeichnete, konnte man ja in jedem Moment überfahren werden.

Wir passierten den Lenin Park und man sah den Kommunismus überall. Rote Flaggen mit gelben Stern und die Kommunismus Zeichen. An einigen Straßenecken standen auch Leute in Uniformen, die entweder den V erkehr regelten oder das kommunistische Erscheinungsbild verdeutlichen sollten? Leider mussten wir jedoch schnell erkennen, dass das Mausoleum an Montagen geschlossen hat. Also konnten wir uns nicht den toten Ho Chi Minh angucken, den die Vietnamesen als ihren Helden ehren. Stattdessen besichtigten wir das Museum, das ihm gewidmet wurde und sein altes Wohngebäude. Ausländische Touristen mussten Eintritt zahlen, für Vietnamesen war der Eintritt frei. Überraschenderweise war das Museum wirklich modern und cool.

Die Sightseeing Tour ging weiter in Richtung des Literaturtempels. Dieser Tempel war fast tausend Jahre alt und war 1074 die erste Universität von Vietnam. Der Tempel wurde damals zur Ehrung von Konfuzius gegründet und war sehr nett. Es war sehr heiß und wir konnten uns in dem Souvenirshop etwas abkühlen. Dies sollte jedoch noch nicht unser letzter Tempel gewesen sein, den wir besichtigen wollten. Als nächstes ging es über die Straßen, Märkte und kaum vorhandenen Bürgersteige Richtung dieses großen Sees, der sich Mitten in Hanoi befindet. Die Holländerin war eine ausgezeichnete Kartenleserin und ich folgte ihr einfach, sie wüsste schon wo es lang geht.

Schließlich hatten wir auch diesen Tempel bestaunt, unsere Fotos geschossen und stellten fest, dass wir schon unsere ganzen Punkte „abgearbeitet“ hatten, die wir sehen wollten. So entspannten wir bei einem Fruchtshake und beobachteten den Straßentrubel von irgendeinem der netten Cafés.

Abends ging es schließlich noch in ein Wasserpuppentheater. Dort stehen die Puppenspieler im Wasser hinter einem Vorhang und bewegen die Puppen mit Stangen und Schnüren, wobei die Geschichte des vietnamesischen Volkes erzählt wird. Die musikalische Darstellung war besonders toll.