Ninh Binh & the Motorcycle Adventure

Als sich die Cat Ba Insel nach ein paar Tagen immer noch nicht von ihrer sonnigen Seite zeigte, machte ich mich südwärts auf die Suche. Als nächster Stopp war Ninh Binh angedacht.

Nach der Bootsfahrt mit der „schnellen“ Fähre zum Festland wanderte ich durch den Küstenort Haiphong zur Busstation. Es waren wohl wieder einige Kilometer, die mit dem Rucksack zurück gelegt werden mussten, aber so konnte man eben auch noch ein wenig von der Stadt sehen. Auf der Straße neben einem Markt war ich etwas irritiert als eine Vietnamesin plötzlich nach meinem Rucksack schnappte, den ich sicher vor mir um beide Schultern geschnallt hatte. Die schaute mich mit komischen Augen an und dachte wohl, dass es witzig sei – naja.

Die Busfahrt war auch anders, als eine Busfahrt zuhause in Deutschland. Ich war schon etwas verwundert, als ich die einzige Passagierin war, die mit dem Busfahrer und Busjungen sowie den unzähligen Kisten an Bord losfuhren. Am meisten war ich allerdings von dem riesigen Flachbildschirm irritiert, der oberhalb des Rückspiegels angebracht war. Es liefen vietnamesische Schlager Lieder auf voller Lautstärke.

Nach und nach begriff ich allerdings, dass es sich bei dem Bus um keinen Touristenbus handelte, sondern so einen Über-die-Dörfer Bus. Ich war die einzige Europäerin und die kleinen vietnamesischen Kinder waren so süß, wie sie einen anstaunten, als hätten sie noch nie zuvor eine andere Haarfarbe außer schwarz gesehen.

Die Unterkunft war leicht zu finden und in der Empfangshalle saß auch gleich die Holländerin, die mit der ich schon Hanoi zusammen erkundet hatte. Was für eine kleine Welt. Die meisten Reisenden hielten sich einfach an die Empfehlungen aus dem Lonely Planet, also hätte man wohl schon damit rechnen können bekannte Gesichter wieder zu treffen.

In Ninh Binh bestand die Herausforderung darin, zum elf Kilometer entfernten Tam Coc zu kommen. Tam Coc ist eine Pagode. Auf dem Gipfel des Berges dort steht eine Statue eines gelehrten Mandarins, der die großartige Landschaft betrachtet. Der Standort wurde 1428 von zwei Mönchen gewählt, welche „durch die Ansicht des Flusses und der Berge verzaubert wurden“.

Auch wenn mir die Empfangsdame gerne eine T our mit einem privaten Motorradfahrer verkauft hätte, entschied ich mich für die kostengünstigere Variante einen Roller auszuleihen. Ich hatte auf der bisherigen Reise schon viele Leute getroffen, die nach ihrem Roller-Abenteuer mit Verletzungen davon kamen. Zu Fuß war man allerdings einfach nicht in der Lage dorthin zu kommen. Die Empfangsdame drehte mir also einen Roller an mit manueller Gangschaltung. Ich dachte mir, wenn ich mich schon für so ein Motorradabenteuer entschied, dann könnte ich diesem also noch mit einer Gangschaltung auf die Sprünge helfen. Die Dame führte es mir kurz vor und los ging die Fahrt. Meiner Meinung nach hatte dieser Roller schon so einige Geschichten hinter sich, da er nicht die nettesten Geräusche von sich gab. Die Mädels von der kleinen T ankstelle am Straßenrand gucken mich skeptisch an, als ich fragte wie ich nun tanken sollte. Schließlich ging es dann aber richtig los Richtung dieses berühmten Tam Cocs.

Leider war es in Ninh Binh auch noch nicht wesentlich sonniger und ich dachte schon, dass es das nun endlich war mit dem Sommer und ich die nächsten Wochen im Regen verbringen würde. Auf der Fahrt nieselte es mich ein, was aber nicht schlimm war, das Abenteuer stand im Vordergrund. Ich folgte dem verrückten Verkehr und hatte nur ungefähr eine Ahnung in welche Richtung es gehen musste.

An einer großen Weggabelung kam ich schließlich mit anderen Touristen auf ihren Rollern ins Gespräch. Ein Engländer und seine chinesische Freundin wussten auch nicht genau wo es lang gehen würde und so machten wir uns gemeinsam auf die Suche.

Als wir schließlich den Bootsverleih fanden, versuchten wir unsere Roller irgendwo abzustellen, ohne dass wir dafür zahlen brauchten. Wir glaubten uns eines Ortes sicher und konnten vor einem Vietnamesen flüchten, der aus der Ferne auf uns zukam. Daraufhin hüpften wir zu dritt in ein längliches Boot und der Fahrer paddelte uns durch den Fluss durch die tolle Landschaft. An uns zogen Reisfelder und Felsen vorbei. Es war noch nicht ganz so spät, dass zum Glück noch nicht viele andere Touristen das Landschaftsbild zerstörten. Beeindruckt war ich vor allem, dass unser Bootsführer mit seinen Füßen paddeln konnte. Offensichtlich war es seine tägliche Aufgabe Touristen herum zu befördern.

Als wir dann schließlich wieder bei unseren Motorrollern ankamen, bemerkte ich sofort, dass der eine Frotspiegel abmontiert wurde. Na super, und das sicherlich nur, weil wir nicht bei dem Stand gegenüber geparkt hatten, wo wir bezahlen sollten. So läuft das hier wohl. Natürlich konnte man niemanden dafür zur Rechenschaft ziehen. Naja, so fuhr ich dann noch durch einige Straßen und erkundigte die Gegend noch ein bisschen. Das war schon ein tolles vietnamesisches Erlebnis, am Straßenverkehr teilzunehmen. Mein Helm wäre bei einem Sturz sicherlich nicht von Schutz gewesen. Das Hinterland der Stadt war nicht das Schönste. Es war eine Industriestadt und es fuhren ganz viele Lastkraftwagen mit Containern herum. Schon komisch, dass einige von diesen weit um die Welt reisen würden.