Paradise in Hoi An

Es war nun schon einige Zeit vergangen und nach und nach begriff ich, was es hieß zu reisen. Auch wenn ich vor der Reise sicherlich eine gewisse Vorstellung gehabt haben mag, diese entsprach nicht annähernd dem, was um mich bisher passierte, so blöd es auch klingt.

Also gut, ich war vom Reiseleben eingenommen wurden. Dieses Gefühl von Stadt zu Stadt zu ziehen, nicht zu wissen wo man am nächsten Tag schläft, die Fremde und eine komplett andere Kultur zu erleben. Ich glaube so könnte man mein Reisegefühl zu der Zeit beschreiben, als ich nach Hoi An kam.

Ich hatte mich mal wieder vorher in einen Bus gesetzt, diesmal von Hué in den Süden nach Hoi An. Um 8:30 ging es morgens los und um dreizehn Uhr sind wir angekommen. Dies war perfekt, da die grade die Siestazeit war. Aus Europa war ja irgendwie bekannt, dass die Südländer mittags gerne mal ein paar Stunden ihre Siesta abhalten. Dieser Brauch ist ebenfalls auf diesem Teil der Erde bekannt. Ich muss gestehen, dass mir dies erst aufgefallen ist, als Carol immer Fotos von schlafenden Leuten gemacht hat.

Es war also die perfekte Zeit, um nicht von irgendwelchen Leuten angesprochen zu werden, die einem ihre tollen Dinge andrehen wollen. Auch dem „Moto? Moto? Taxi?“ konnte ich entgehen. Es gehörte schon zur Routine, dass ich mir nach Ankunft zielstrebig eine nahegelegene Sitzbank suchte, um dem Trubel durch diese Fahrer zu entgehen. Mit einem Screenshot von der Lage der Unterkunft, die man sich am Abend zuvor kurz von irgendeiner Gute-Bewertung-Internetseite geholt, suchte ich also nach meinem Stadtort. Dank Kompass-App wusste ich wo Norden war. Ich schnallte den großen Riesenrucksack auf, Frontpack auf der Brust und los ging es in der brennenden Mittagshitze.

Die Bürgersteige waren nicht eben. Bordstein hoch, Bordstein runter, schnell auf die Straße ausweichen und gucken, ob man nicht von irgendeinem der tausenden Roller überfahren zu werden. Diese Roller-Kultur bedarf auch einer kleinen Erläuterung an sich. Eine bestimmte Marke soll wohl richtig gut sein. Ich glaube Honda. Dann gibt es aber auch so Fahrräder mit Motorantrieb, die von hippen jungen Vietnamesen gefahren werden. Die weiblichen Vietnamesen tragen lange Hosen und bunte Plastikjacken mit integrierten Handschuhen und Mütze, die dreiviertel des Gesichtes verdeckt. Zusätzlich kommt noch der Mundschutz hinzu. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass hier so schlechte Luft ist. Mir wurde schon vorher berichtet, dass die Leute es hier schön finden weiße Haut zu haben, deswegen wollen sie überhaupt keinen Sonnenkontakt. Ich finde es sehr gewöhnungsbedürftig, genauso wie die Nivea Werbeplakate, die Werbung für Skin Whitener machen.

Mit der schlechten Karte, Google Maps war ja offline keine große Hilfe, lief ich also auf der Hauptstraße Richtung Norden. Ich dachte, dass es nur so fünf Kilometer seien, die konnte ich auch gut zu Fuß laufen. Ich hoffte einfach, dass ich mich auf den richtigen Straßen befand. Zum Glück guckte ich zur richtigen Zeit nach rechts, wo das Haus vor mir stand (entsprach nicht der Lage von der Karte, aber okay).

Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich wohl Glück gehabt haben muss, dass ich einfach so einen Platz im Gruppenzimmer bekommen hatte. Ich hörte später erst, dass die meisten anderen von hier einige Tage vorher bereits Reservierungen gemacht hatten, weil die Unterkunft wohl sehr beliebt sein sollte. Warum? Das fiel mir direkt auf, als ich den wundervollen Pool im hinteren Bereich entdeckte. Es gab zahlreiche Liegen und schöne Holztische mit weißen Sonnenschirmen. Von der Poolbar klangen unbekannte Töne und als ich auf einen der Liegen ein grünes Caipi entdeckte war der Platz perfekt, der nette Franzose aus Cat Ba war unbekannterweise auch hier!

Schnell stellte sich heraus, dass auch noch vier andere Gesichter von Reisenden mit im Haus waren, die ich alle an unterschiedlichen Orten zuvor kennengelernt hatte. Dies war schon sehr cool. Wir waren ja auch alle selbständig unterwegs und fanden es umso cooler, dass wir uns immer wieder an anderen Orten wiedersahen, ohne dass wir dafür Pläne schmieden mussten.

So ging es also abends gemeinsam mit der Österreicherin Christina und zwei neuen unbekannten Gesichtern von zwei jungen Ärtztinnen aus London in die Innenstadt der Stadt. Ich war erschlagen von der Schönheit der Stadt. Hoi An war definitv die tollste Stadt in Vietnam, die ich bis dahin gesehen hatte. Es war sauber und es gab Lampions zwischen den alten, urigen Häusern. Die Londonerinnen führten uns zu einem tollen Restaurant und es gab leckere Speisen, Cola und Bier.

Meine Reisefreunde, die ich im Sunflower Hotel wieder traf, warnten mich vor diesem Ort. Alle schwärmten für den Ort und das tolle Hotel. Mit nur neun Dollar für ein Bett im Mehrbettzimmer, inklusive eines Buffet Frühstücks und Pool im Garten, spürte ich natürlich schnell, warum dies so ist.

Am ersten Tag ging es natürlich erstmal zum Strand. Da das Wetter auf der Insel Cat Ba eher suboptimal war und der Strand dort warten musste und auch der Strand in Dong Hoi nicht ausreichend war, um das Bedürfnis nach türkisen Wasser, Palmen, weißen Sand und alles was sonst noch so dazu gehört zu stillen, ging es also um neun Uhr morgens in aller Frische los.

Mit einigen altbekannten als auch neuen Reisefreunden brachen wir auf. Wir schnappten uns ein Fahrrad von dem Verleih vor der Haustür und radelten die 4 Kilometer zum Strand. An uns zog das altbekannte asiatische Landschaftsbild vorbei, Reisfelder und kleine Häuser mit Shops. Der Verkehr war zu dieser Zeit noch erträglich. Das war gut, da unsere Fahrradbremsen nicht die Allerbesten waren. Unser Plan war es nicht zu dem Hauptstrand zu gehen, zu dem die meisten Touristen gingen, sondern zu dem Strand, der ein bisschen weiter weg war. Die zehn Minuten länger auf dem Fahrrad zahlten sich aber definitiv aus. Uns erwartete ein absolut atemraubender Strand wie aus dem Bilderbuch.

Wir schlugen unser Camp für den Tag unter Palmenschirmen auf, tranken Tonic Water und Eiskaffee. Die Sonne brannte und der Sand klebte dank der zahlreichen Schichten an Sonnencreme schön auf der Haut fest. Abends konnte man wunderbare Bräunungstreifen auf der Haut erkennen. Leider blieb der erste Sonnenbrand aber nicht aus.

Statt der ursprünglich geplanten zwei Übernachtungen, wurden es schließlich um die sechs. Dies war bisher die längste Zeit, die ich an einem Ort während der Reise verbracht hatte. Es fühlte sich gut an nicht ständig auf dem Sprung zu sein oder von einer T ouristenattraktion zur nächsten zu laufen. Die Leute hier waren einfach super. Liz kam aus Amerika, hatte aber seit einem Jahr in Bangkok Englisch unterrichtet. Wir hatten uns ja schon in Dong Hoi getroffen. Dann gab es da noch den Schotten David, der vor seinem Studienbeginn noch schnell mal nach Australien und Asien reisen wollte. Brad war Manager bei einer Recycling Firma in Australien. Jonathan war Kalifornier, Jonny kam aus England und studiert Geschichte. James war Chef. Mir war bis dahin unbekannt, dass der englische Begriff chef noch einen anderen Beruf beinhaltet als Koch. Er machte natürlich auch Fotos von seinem Essen, dass wir in den kleinen Restaurants neben unserem Hotel hatten. Die Liste ist jedoch nicht vollständig.

Wir hatten alle eine nette Zeit zusammen. Ausgiebige Gespräche in unserem Zimmer und auf dem Balkon rundeten die Tage zum Ende hin ab. Ich muss sagen, dass ich wirklich etwas traurig war, als ich mich schließlich aufmachte, um den Weg Richtung Nha Trang einzuschlagen. Das Gute ist allerdings, dass man viele der Reisenden in anderen Städten wiedertrifft. Ein Motoradtaxi holte mich ab. Mit schweren Gepäck sattelte ich hinter dem kleinen Vietnamesen auf und hielt mich an der Rückstange fest. Mir war berichtet worden, dass man den Fahrer auf keinen Fall anfassen durfte, da dieser dann sofort denkt, dass man etwas mehr von ihm möchte. So ging es dann ohne Helm auf in den Verkehr dieser Kleinstadt. Ich fühlte mich wie beim Rodeo reiten. Aber gut, wir kamen an einer Busstation an, wo es dann in den Nachtbus ging.