Phong Nha-Ke Bang Nationalpark & Caves

Seit 400 Millionen Jahren haben haben sich im 86.000 Hektar großen Nationalpark zahlreiche Karstformationen gebildet. In Folge der Kontinentalplattenverschiebung konnten sich einzigartige Formationen der Landschaft entwicklen. So gibt es eine Vielzahl an Grotten, Tropfsteinhöhlen und eine 65 Kilometer lange unterirdische Flusslandschaft.

Zusammen mit dem Briten Alan, zwei norwegischen Geschwistern, einem spanischen Pärchen und einer Französin mit ihrem Vater ging es morgens per Minibus los in diesen ungefähr 30 Kilometer entfernten Nationalpark. Ich hatte das Glück, dass mir der Fahrer anbot vorne bei ihm zu sitzen. Natürlich lies ich mir die bessere Aussicht nicht entgehen. Er wies mich auf den Anschnallgurt hin und wir starteten. Er versuchte unterwegs mit gebrochenem Englisch ein paar Hinweise auf das Landschaftsbild zu geben und erklärte uns schließlich, dass er uns zunächst an einer Bootsstation rauslassen würde. Dort ging es dann mit einem schmalen asiatischen Boot los. Ich war etwas verwundert, dass es doch einige Häuser in diesem Nationalpark gab. Die zwei vietnamesischen Bootsdamen deckten unser Boot mit einem Stofflaken um, sodass vor der Sonne geschützt waren. Dann wurde der Motor angestellt und wir fuhren ungefähr dreizig Minuten zu der ersten Höhle.

Der Fluss führte in die Höhle hinein. Vorher wurde die Sonnendecke abgenommen, sodass wir das Höhleninnere besser erkennen konnten. Der Motor wurde abgestellt und eine der Bootsdamen drückte das Boot mit nur einem Paddel vorwärts. Je tiefer wir in das Innere des Berges fuhren, umso stiller wurde es. Bald waren auch keine Fledermäuse mehr zu sehen. Damit man dennoch die zahlreichen Tropfsteinformationen erkennen konnte, wurden zahlreiche kleine Lichter angebracht. Einige dieser Lichter waren grün, rot oder blau und so sahen die Formationen noch gespenstischer aus. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass dieser Ort so unglaublich alt war! An einigen Stationen im Berg konnte man sogar aussteigen und umherlaufen!

Zu Mittag aßen wir gemeinsam in einer lokalen Gaststätte. Wir bekamen alle wieder so kleine Schälchen und Stäbchen. Dann wurden viele Teller mit Leckereien aufgetischt, von denen man sich selber etwas auf seinen eigenen Teller füllen konnte. Der Reis war köstlich und auch die Frühlingsrollen. Ich war so froh, dass es mir nun wirklich nicht mehr schwer fiel mit diesen Stäbchen zu essen. Zum Nachtisch gab es noch leckere Ananas.

Nach dem Mittag brachte uns unserer Fahrer zur Paradies Höhle. Die Norwegerinnen zogen sich ihre Malariajacken an und sprühten sich mit ihren Anti-Mückensprays ein. Unser Fahrer führte uns hoch auf den Berg zum Höhleneingang uns legte ein Tempo vor, da in der Ferne schon Donner zu hören war und es wohl jeden Moment anfangen würde zu regnen. Als wir oben waren, fing es sofort in Strömen an zu regnen. Eine Vietnamesin übernahm von dort aus dann die Führung und wir stiegen um die 100 Stufen hinab in die Höhle. Es war umwerfend. Der Höhleninnenraum war bestimmt um die 80 Meter hoch. Meine sprachlichen Fähigkeiten reichen zur weiteren Beschreibung dieses Ortes wohl leider nicht aus. Es gab die unglaublichsten Formationen an Tropfsteinbildern. Es war angenehm kühl und wir liefen um die 2 Kilometer immer tiefer in die Höhle hinein. Ich weiß gar nicht wie lange wir schließlich in der Höhle waren. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit und war dennoch sicherlich nur eine Stunde oder so. Mit ungefähr 1000 Bildern in der Kamera, die die Einzigartigkeit dennoch nicht annähernd rüberbringen können, stiegen wir zum Ende schließlich wieder die 100 Stufen hinauf ans Tageslicht.

Auf dem Rückweg legte der Fahrer eine vietnamesische CD in das Autoradio. Während die anderen Reisenden auf Grund der Anstrengungen und Eindrücke, die wir erlebt hatten, in ein Nickerchen fielen, unterhielten der Franzose und ich uns mit dem Fahrer. Dieser erzählte ein wenig von seiner Lebensgeschichte. Er war besonders stolz darauf, dass er für fünf Jahre mal in Lebanon als Lastwagenfahrer für eine koreanische Firma gearbeitet hat. Das war der einzige Ort, den er außerhalb von Vietnam je gesehen hatte. Außerdem wies er uns auf das Problem hin, dass es natürlich auch rund um den Nationalpark illegale Geschäfte gab, im Besonderen der Holzexport. Mir wurde also wieder bewusst, dass die Dinge hier schon anders laufen. Wirkliche Sicherheit gibt es in Asien einfach nicht. Ich hatte dieses Thema schon mit vielen anderen Reisenden diskutiert und wir waren schon alle der Meinung, dass es sicherer ist als in Südamerika, wo die Leute am hellen Tag mit Messer bedroht werden, um ihre Wertsachen rauszurücken. Ein Reisender berichtete von einem Erlebnis, dass sein Hotelbesitzer ihn darum bat die Adidas Stickerei auf seiner Hose zu entfernen. Hätte er dies nicht getan, würde er hundertprozentig zum Opfer geworden. So ist es zwar nicht in Asien, aber die Geschichte von einer Österreicherin, die in Saigon war, konnte schon in die gleiche Kategorie von Unsicherheit eingeordnet werden. Sie wurde gegen 10 Uhr morgens auf der Straße von einer Vietnamesin angesprochen. Sie kamen ins Gespräch und unterhielten sich wohl nett. Die Dame schlug der Österreicherin schließlich vor, doch mit ihr zu Mittag zu essen. Sie ging mit. Zu Hause bei ihr war es schon sehr nett, es gab leckeres Essen und einige Familienmitglieder waren ebenfalls dort. Ihr Sohn und einige Freunde von ihm wollten schließlich mit ihr Poker spielen. Sie willigte ein, es ging ja schließlich nicht um Geld. Leider war dies aber nicht so. Nachdem sie das letzte Spiel verlor, wurde sie nun aufgefordert 3000 Dollar zu bezahlen! Die Typen meinten es ernst und sie musste mit ihnen zum Bankautomaten. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn mir dies passiert wäre. Natürlich sollte man im Vornherein aufmerksamer gewesen sein, um es gar nicht zu der Situation kommen zu lassen, aber jeder weiß sicherlich, dass man Personen nicht immer gleich einschätzen kann. Zur Polizei ging sie nicht und das ist hier auch das Problem, man weiß einfach nicht, wer hier mit wem zusammenarbeitet und da sie bedroht wurde, dass sie lieber niemanden etwas von der Sache erzählen sollte, hielt sie sich daran.