Russian-flavoured Nha Trang

Unser Nachtbus erreichte unser Ziel gegen fünf Uhr morgens, also um eine halbe Stunde früher als geplant. Ein Busjunge weckte uns mit einem leichten Schlag auf das Bein und im nächsten Moment sollten wir auch schon aussteigen. Zum Glück konnte ich auf einem Straßenschild lesen, dass es sich auch wirklich um den gewünschten Zielort handelte, weil einige anscheinend noch weiter fahren wollten. Also hieß es wieder „No, No!“ zu den Taxifahrern. Auch einige Hotelangestellte standen in dieser Frühe bereits am Bus bereit, um für ihre Unterkunft zu werben. Ich hatte jedoch ein anderes Ziel, den unglaublich roten Sonnenaufgang zu fotografieren. Normalerweise steht man ja nicht einfach um fünf Uhr in der Früh auf der Straße.

Es waren nur um die zehn Meter bis man zur Strandpromenade gelang. Man könnte denken, dass die Vietnamesen um diese Uhrzeit noch ihre letzten Träume im Bett zu Hause zu Ende träumen, aber so ist dem nicht. Auf dem großen Platz vor dem Strand fuhren die Leute mit ihren Fahrrädern rum. Einige spielten Fußball. Als ich über die Kante auf den Strand blickte, wimmelte es nur so von Vietnamesen, die alle ihren Frühsport nachgingen. Einige schwammen im Meer ein paar Runden, andere joggten Barfuß den Strand entlang. Die Vielzahl führte jedoch unbekannte Dehnübungen durch. Es waren viele ältere Leute dort zusehen und auf der Bank neben mir unterhielten sich zwei ältere Herren im lautstarken Ton auf der mir immer noch völlig unbekannten Landessprache. Es war ein malerisches Bild, das sich mir dort bot. Ich blieb dort ungefähr für eine Stunde sitzen und bestaunte den roten Himmel und die Menschen um mich herum. Dies war also der Beweis, dass auch Vietnamesen den Strand besuchen. Am Tageslicht sind dort ja nur Touristen zu sehen.

Die Suche nach einer günstigen Unterkunft war mal wieder einfacher als gedacht. Eine Frau kam aus ihrem Hotel und wollte mich als Gast gewinnen. Nachdem ich das Zimmer schnell auf Angemessenheit überprüft hatte und den Preis noch etwas nach unten handeln konnte, wusste ich also wo ich die nächsten Nächte schlafen würde. Zugegebenermaßen freute ich mich nach einer gefühlten Ewigkeit in Mehrbettzimmern tierisch über ein bisschen Privatsphäre.

Von einigen anderen Reisenden hatte ich bereits gehört, dass es sich bei Nha Trang um eine Party Hochburg mit einem netten Strand handelte. Viele von meinen Weggefährten hatten sich dagegen entschieden hierher zu kommen, ich kam jedoch des Strandes wegen. Ich hatte ebenfalls gehört, dass es hier viele Russen geben würde. Ja, dies stellte sich schnell als wahr heraus. Neben den vietnamesischen Schildern gab es diese auch auf Russisch. Auch beim Schlendern durch die Straßen merkte man schnell, dass hier viele russische Touristen waren. Eine Kellnerin brachte mir schließlich auch eine Menükarte auf Russisch, zum Glück hatte sie aber auch noch eine auf Englisch.

Durch Zufall kam ich am ersten Abend mit einer Dänen, Sara, ins Gespräch und wir aßen in einem der vietnamesischen Essensstände zusammen zu Abend. Wir saßen, wie es so üblich ist, in kleinen Plastikstühlen, die aussahen wie Kinderstühle. Dennoch konnte man den Trubel auf der Straße ganz wunderbar beobachten.

Für den nächsten Tag hatten wir uns zu einem gemeinsamen Strandtag verabredet. Der Strand war weiß, das Wasser türkis. Der Stand, an dem wir uns zwei liegen und einen Sonnenschirm organisiert hatten, verfügte sogar über Internet. Besser hätte es hier nicht sein können. Natürlich hätten die ganzen Verkäufer nicht sein müssen, die ständig ankamen und Sonnenbrillen, Bücher, Fische, Wasser, Kokosnüsse und sonstige Dinge verkaufen wollten, nicht sein müssen. Andererseits brauchte man die Liege nicht verlassen, um sich der Nahrungssuche zu widmen, man brauchte ja nur auf den nächsten Verkäufer warten. Die Dame mit dem Mangobrot und gerösteten Bananen bekam schließlich meine 30.000 Dong für das Mittagessen.

Ich muss gestehen, dass ich sonst nicht sonderlich viel von der Stadt gesehen hab. Es gab wohl noch einen Freizeitpark auf einer Insel, die man vom Strand aus sehen konnte. So ein Besuch stand allerdings nicht weit oben auf meiner Prioritätenliste. Bei mir stand die Erholung eher im Vordergrund. Das Pilgern zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten kann nämlich schon etwas anstrengend werden.