Frankfurt Book Fair 2017 || A Recap

Ich glaub ich bin verliebt. Verliebt in Messen als Orte, wo man auf tausend Gleichgesinnte treffen kann. Früher ging ich auf Pferdemessen, heute sind es Buchmessen, das habe ich jetzt beschlossen. Hier findet ihr meine 7 Realisationen im Nachgang zur Frankfurter Buchmesse 2017.

1.

Um es weit zu schaffen, schreibe in deiner Muttersprache,“ wie die Lektorin Susanne so schön sagte.

2.

Wenn du den Blog behalten möchtest, dann versuche nicht jeden Tag Posts zu schreiben, sondern setze deine Zeit besser ein. Ein Post die Woche reicht völlig. Dann schreib ihn auf Englisch und auf Deutsch,“ so in etwa hallen mir die Worte nach. Ohne Arbeit kommt nichts, diesen Rat habe ich schon oft erfahren. Bis zu diesem Zeitpunkt erschien mir dies immer als Wahnsinnsberg. Aber natürlich ist es total wertvoll auf Dinge zu stoßen, die einem wie grosse Berge vorkommen. Zudem sehe ich bereits wie sehr mein Opa sich freut, wenn er endlich wieder meine Texte zu Gesicht bekäme. Die Buchmesse hat mich ebenfalls wachgerüttelt wieder mehr deutsche Literatur zu lesen, dies geht dann ja schließlich Hand in Hand mit dem Schreiben in zwei Sprachen.

3.

In  Karla Paul, Buchbloggerin und ARD Literaturexpertin, fand ich jemanden, die mir bestätigte warum es Blogs gibt. Bloggen ist harte Arbeit und der Gewinn das Vertrauen des Lesers. Die Reichweite an sich bringt gar nichts, sondern die Kompetenz was man damit macht. So besitzen Blogger die Stärke zum Beispiel kleinen Indie Verlagen helfen zu können. All power to ya!
Mir ist meine Freiheit im Blogging hier bewusster geworden, sowie der Hebel etwas Gutes zu tun kann. Wenn ich nur mit der Absicht käme meinen Blog kommerziell hochzuziehen, dann würde ich mich ja direkt versklaven. Dies mag vielleicht sehr radikal klingen, aber dass was ich so bei einigen Buchbloggern sehe sind oftmals ein und dieselben Bücher, die dort vermarktet werden. Bücher, die Verleger bestimmt gerne zum Bloggermarketing pushen. Und ist dies dann authentisch für den Blogger? Ich will nicht sagen, dass diese Bücher nicht gut sein können, sie sind es wahrscheinlich auch, sondern mir geht es vielmehr darum, stets dafür zu sorgen habe, dass ich ich bleibe. Denn wenn Netzwerke einfach bloß Netzwerke sind, dann ist niemanden geholfen. Wenn nur das getan wird was alle machen, wo bleibt denn dann der Spaß?
Ist es nicht genau das, in eine Buchhandlung zu gehen und sich vom sogenannten Zufall leiten zu lassen welches Buch man schließlich im Regal rechts hinten, oder vorne mittig, findet? Mir geht’s genau um diesen Zufall, oder eben genau diesen Nichtzufall, der eine unsichtbare Schnur zu sein scheint.

***Der coolste Stand war von Olaf.
(
Congrats to the book blog winner Kaffeehaussitzer)


4.

Von der Journalistin Kirsten  lernte ich wie wichtig es ist sich langfristige Ziele zu setzen. Alles fängt nämlich genau dort an. Wir schmiedeten ein Abkommen, bei der nächsten Messe unsere Bücher im Regal auszustellen. Nun gut, Kirsten war mir schon um Meilen voraus mit der selbstgebundenen Ausgabe ihres Buches, welches aus der Tasche lugte. Natürlich gehören Euphorie, sowie Waldspaziergänge, um die eigene Batterie aufzuladen, sowie die Akzeptanz des Jobs, der einem das Geld einbringt, ebenfalls zum scheinbarem 101 einer anstrebenden Schriftstellerin.

 

5.

Ob Self-Publishing der Weg nach vorne ist, keine Ahnung. Auf der Messe herrschten gespaltene Meinungen. Einige behaupten, dass diejenigen selbst publizieren, die eh denken, dass sie nicht gut genug sind. Andere behaupten jedoch, dass man bei einem Verlag alle Rechte aufopfern muss und letztlich gar nichts an seinem Buch verdient und dass es stattdessen sinnvoller sei erst sein eigenes Publikum zu bedienen sollte. Tendenziell bin ich aber schon eine Person mit hohen Ansprüchen, wenn mit einem Fuß in der Zukunft, dann aber auch mit dem anderen in der Tradition. In Deutschloand sind BoD und epubli interessant. 


6.

Die Autorenperspektive lernte ich durch einen gewissen Spiegel Autor kennen. Ich erkundigte den Buchalarm Stand von Olaf und natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer wer hier neben mir stand. Das finde ich so toll an Messen, hier zählt das was man schon so erreicht hat nicht, sondern vielmehr das, was man dort auf der Messe macht. Also die Großen können die Kleinen treffen und die Kleinen eben die Großen. Und auch wenn ich optisch größer war als er, so war er mir doch Längen voraus mit seinen mehr als acht veröffentlich Büchern.
Er gab mir den Tipp, morgens von 8-10 zu schreiben. Man müsste zudem immer, aber auch wirklich immer, einen Plan haben, was man allerdings in diesen Stunden erreichen möchte. Es wäre fatal sich dies erst beim Hinsetzen zu überlegen. Man müsse sich selbst haarscharf kennen und seine eigene mathematische Gleichung zur Zielerreichung lösen. In einer Woche will ich ein Kapitel geschrieben haben, d.h. ich muss pro Tag x Seiten schreiben, das sind dann y Wörter pro Stunde. Des Weiteren sei ein A4 Spickzettel zu den Charakteren unglaublich hilfreich um nicht zu vergessen welche Augenfarbe welche Figur hatte. Und ja, als abstraktere Motivation zum Schreiben, dass der Leser etwas fühlt während er liest. Dies war wirklich eine Erkenntnis, denn soweit ich meine Schreibmotivation in mir selbst entschlüsseln konnte, lag diese begründet bei: Ich möchte die Welt ein kleines bisschen wachrütteln. Ich möchte sagen, hey wach ein bisschen auf und schau auch mal mit folgendem Blickwinkel. Das Gespräch mit dem Autor half mir zu erkennen, dass ich hier vielleicht zu radikal unterwegs war und dass es am Wichtigsten ist für Stimmung zu sorgen. Die sogenannten Lifelessons und Betrachtungsweisen fallen hier in die einzelnen Charaktere.

 

7.

Es ist so, dass dieser Blog und die dazugehörigen Social-Media-Kanäle mir zu einem Presseausweis verhalfen, mit dem ich über mehrere Tage freien Eintritt zur Buchmesse hatte. Insofern hat sich die goldene Regel wieder einmal bewiesen, am Ende zahlt sich harte Arbeit doch irgendwie aus. Aber das sich der Journalismus persönlich bei mir vorstellt, hätte ich mir so nie erträumt, also passt auf.

Ich lief durch die internationale Messehalle und blieb bei einem großen Verlagshaus stehen. Den Namen möchte ich an dieser Stelle nicht erwähnen. Die Sache ist die, ich nenne ihn einmal Mister X mit dem ich hier ins Gespräch kam. Ich erkundigte mich zunächst einmal nach dem Herbst/Winter Katalog der Neuerscheinungen. „Gibt es nichts,“ entgegnete er mir. Es sei alles online verfügbar. Die zahlreichen Tische und Stühle am Verlagsstand waren leer, die Fachbesuchertage waren zu Ende und seine Augen verrieten mir, dass er nicht so genau wüsste warum ich jetzt hier sein. Aber ich stellte Fragen, ich wollte mit ihm reden, die Industrie und den Verlag kennenlernen.

Ich erfuhr so einiges, zum Beispiel über Büchereien. Offensichtlich kann man so Kosten sparen und von Bücherei Apps mit Download Funktion zu Hörbüchern hatte ich noch nie was gehört. Steuern haben eben auch was Gutes.

Natürlich landeten wir irgendwann bei den eher philosophischen Themen und ich erfuhr, dass es vielleicht so etwas wie moralische Verantwortung den lokalen Büchereien gegenüber gibt. Ich dachte, dass es meine Bücher dort eh nicht gibt. Und so fiel es mir wirklich wie Schuppen von den Augen, dass man mit dem Anfragen auf gemeinnütziger Ebene für besseren Zugang zur Bildung sorgen kann.

 

Ich hatte mir einige Punkte von Mister X im Notizbuch notiert und es muss genau diese Mischung aus Fragen und dem Stift in meiner Hand gewesen sein, die in ihm irgendwelche Alarmglocken auslösten.

This isn’t an interview, is it?“

Und es traf mich wie ein Hammerschlag! Ich hatte mich in ein Terrain begeben, das nicht mehr nur Finja war, sondern dass hier höhere Ebenen miteinander sprachen und nur durch mich geschlüsselt wurde.

In meiner Welt folgte ich lediglich der Neugier. Ok, vielleicht hätte ich euch von meinen Realisationen erzählt, ihr wisst das dieser Blog eine Art persönliches Storytellung ist. Meine Welt besteht aus gutem Herzen, aber eben auch aus dem Antrieb der Welt zu zeigen wie es dort wirklich ist, denn es gibt schlicht tausende Welten. Aber hier bei Mister X endete meine Welt endet und der Journalismus begann.

„If it would be, you should have asked me beforehand.“

Mister X meinte, dass ich ihn vorher hätte fragen müssen, ob er an einem Interview teilnehmen wolle. Das hätte dann durch seine Presseabteilung geleitet werden müssen. Mir wurde klar wie Journalismus in seiner Welt erschien, nämlich als Krake, der es um Kontroversen und Skandale ging, ähnlich wie Unternehmen scheinbar von Geldgier getrieben sind. Schockierende. Schlagzeilen lassen sich eben verkaufen.

Und hier saß ich, junge Bloggerin, erinnerte mich wage an die Punkte, die mir Mrs Nelson damals im Journalismus Unterricht in der High-School beibrachte. Ort, Datum, W-Fragen und als stumpfes Zugehör eben auch die Frage, wollen Sie ein Interview mit mir führen?

 

 

Ich begreife das jetzt. Das hat was mit Respekt, Privatsphäre und Persönlichkeitsrecht zu tun. Ich konnte somit genauer erkennen, wo meine Welt endete und wo die eines anderen anfängt, bei uns hier grade bei den Fakten. Und um einen Schritt weiter zu gehen, so betonte Mister X, dass Journalisten im eigentlichen Sinne auch für Informationen bezahlen sollten. Eigentum von Infos, gefolgt von Transaktionen, heißt ebenso Austausch eines Gutes.

Hier stand ich einem Menschen gegenüber, der in einer harten Realität lebte. Ich erkannte allerdings auch, dass er vielleicht Recht hatte. Irgendwie sprach es zu meiner Tätigkeit als Blogger kostenlos ins Netz zu schreiben. Zwar für einen guten Zweck, aber eben für welche Transaktion? Ob Blogging zum persönlichen Journalismus werden kann und bei der Wahrheitsfindung helfen kann statt lediglich nach Schlagzeilen zu vermarkten??

Abends über Äpple Wein am Römer fragten wir uns, ob es sowas wie Wahrheit in unserer Welt überhaupt geben kann, da Informationen im Endeffekt eh nicht frei fließen? Stichwort CIA. Zu gern hätte ich die Meinung von Mister X hier mit einbezogen, aber er war nichtmehr mit dabei.

Warst Du schonmal auf einer Buchmesse?
Wo siehst Du die Verlage in der Zukunft?

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3 comments

  1. Ich war 2016 zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse, weil sie sich mit mein Deutschlandaufenthalt überschnitt. Das Erlebnis war wahnsinnig interessant und bestätigte meinen Wunsch, auch irgendwann mal mein eigenes Buch dem Riesenstapel hinzuzufügen.
    Ich wünsche Dir mit Deinen Plänen viel Erfolg.

  2. Mega interessanter Post, vor allem der Part mit Mister X war super spannend für mich irgendwie. Es ist nun doch nochmal eine andere Sichtweise die wir so nicht unbedingt kennen und dann urplötzlich so mitbekommen und erst realisieren.

    Zum Thema Self-Publishing bin ich ebenfalls gespalten wie die Diskussionen dort. Ich bin momentan noch auf der Suche meine Bücher an Verläge zu senden, nur leider ist es nicht so einfach, wenn man als Deutsche auf Englisch schreibt, die deutschen Verläge würden meine Werke daher nicht unbedingt annehmen wollen. Bis ich etwas finde, da ich Vertrauen in meine Arbeit habe, bin ich jedoch wohl gezwungen, self-publishing anzugehen. So oder so bin ich meinem Traum ein Stückchen näher, meine Werke publiziert zu sehen, auch wenn ich es selbst herbeigeführt habe. Oder genau *weil* ich es selbst herbeigeführt habe weil ich an mein Potenzial glaube.

    Sehr interessant wie immer, Finja <3

    Hannah | Ante Meridiem

  3. Ich war nie auf einer Buchmesse, aber ich möchte gehen. Alle der Ratschlag, dass du bekommt hast ist sehr interessant und hilfsreich. Was für ein Erlebnis!

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